Köln - Großer Jubel über schöne Tore, Fluchen über misslungene Pässe, aufmunternde Worte nach tollen Aktionen und anfeuernde Rufe nach einem Ballverlust: Die Geräuschkulisse in der Soccerhalle im Kölner Stadtteil Lövenich unterscheidet sich Mittwochabends nicht von den sonstigen Tagen. Von außen betrachtet geht es seinen gewöhnlichen Gang, wenngleich auf einem der Plätze eine eher ungewöhnliche Kombination von Spielern ihr Stelldichein gibt. Im Rahmen des Projekts „Mitgemacht“ von fans1991, dem Fanprojekt des 1. FC Köln, kicken im Kölner Westen jede Woche FC-Fans und Flüchtlinge aus dem anliegenden Flüchtlingsheim miteinander – und lernen sich so besser kennen.

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„Mitgemacht soll mehr als nur das reine Fußballtraining sein. Unsere Idee ist es, auch abseits des Platzes Integration zu ermöglichen und interkulturelle Kontakte zu fördern“, erklärt fans1991-Mitarbeiter Michael Sprenger, der das Projekt gemeinsam mit einem Ehrenamtler betreut. Bereits seit Oktober 2015 leistet die Organisation einen Beitrag zur kölschen Willkommenskultur und bietet wöchentlich ein gemeinsames Fußballtraining für Flüchtlinge sowie Kölner Bürger an.Seit letztem Sommer wird die Initiative vom Pool zur Förderung innovativer Fußball- und Fankultur, kurz PFiFF, der DFL Deutsche Fußball Liga unterstützt. Zum Auftakt gab es eine große Kickoff-Veranstaltung am Geißbockheim, der Heimat des 1. FC Köln. Dort konnten Flüchtlingskinder unter anderem das „fans1991“-Fußballabzeichen erwerben, dazu trat die multikulturelle Fan-Projekt-Mannschaft gegen den BVB-Fanclub „DOm Borussen“ an.

Rege Beteiligung beim wöchentlichen Training

Der Fußball im Mittelpunkt der Verständigung und der Integrationsbemühungen: Das gilt vor allem eben für das „Mitgemacht“-Fußballtraining in Lövenich. 15 bis 20 Spieler sind Woche für Woche anwesend und treten in gemischten Mannschaften gegeneinander an. Gerade für die Neuankömmlinge aus Syrien oder afrikanischen Staaten ist das eine willkommene Abwechslung zum eher tristen Alltag im anliegenden Flüchtlingsheim. „Das ist schon ein wichtiger Fixpunkt für die Teilnehmer. Wenn ich mir angucke, wie viel Spaß sie jeden Mittwoch daran haben, dann zeigt das schon, was ihnen die Runde bedeutet. Und das nicht nur, weil sie deutlich besser Fußball spielen können als die anderen, die daran teilnehmen“, sagt Michael Sprenger, gefolgt von einem herzhaften Lachen. Durch die Kooperation mit dem anliegenden Flüchtlingsheim haben es Teilnehmer nicht weit zum Austragungsort, zuvor mussten sie zum vorherigen Platz im Kölner Norden mit Shuttlebussen anreisen.

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Doch „Mitgemacht“ soll weit über den obligatorischen Mittwochskick hinauswirken: Anfang März nahm eine aus den Teilnehmern zusammengestellte Mannschaft, bestehend aus vier FC-Fans und vier Flüchtlingen, erstmals an einem Turnier teil. Einem Mitspieler bot Fans1991 gar einen dringend benötigten Praktikumsplatz an. „Es gibt durchaus Kontakte, die über das reine Fußballtraining zustande gekommen sind und mittlerweile darüber hinausgehen Einige sind da etwas offener, manche sind nur zum Kicken da. Wie in jeder Gruppe gibt es untereinander Ansprechpartner, die vielleicht Dinge organisieren oder eben dafür sorgen, dass eine Mannschaft für ein Fußballturnier zusammengestellt werden kann“, schildert Sprenger.

Die Sprache des Fußballs ist universal

Die Verständigung ist dabei kein großes Problem, der Fußball gilt ja nicht umsonst weltweit als Universalsprache. „Das würde ich unterschreiben, die Kommunikation ist weniger das Problem. Das klappt auf jeden Fall sehr gut – mit Händen und Füßen, aber es klappt“, lacht der Projektleiter: „Es kommt uns auch zugute, dass wir so viele Teilnehmer haben und durchwechseln können. Wenn man dann mit seiner Mannschaft gerade eine Pause hat und den anderen zuschaut, kommt man doch noch ein Stückchen besser ins Gespräch. Es gibt den Teilnehmern die Möglichkeit, einander besser kennenzulernen!“

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Das soll natürlich auch abseits des Platzes mehr in den Fokus rücken: Im Rahmen des Projekts sollen nun, neben dem gemeinsamen Fußballtraining, weitere regelmäßige Aktivitäten stattfinden, bei denen FC-Fans aller Altersgruppen eingebunden werden sollen. Auf dem Programm stehen unter anderem Graffiti-Workshops, Stadionführungen oder Besuche von Heim- sowie Auswärtsspielen. Die ersten Schritte dazu werden derzeit in Köln umgesetzt: „Wir planen aktuell einen gemeinsamen Mannschaftsabend, der im Flüchtlingsheim stattfinden soll. So können sich die Spieler besser kennenlernen und auch anschauen, wie die Lebensumstände dort für ihre Mitspieler sind. So kann auf beiden Seiten ein besseres Verständnis füreinander entstehen“, unterstreicht Sprenger. Die Basis dafür sei bereits gelegt worden – durch gemeinsames Lachen, Fluchen, Aufmuntern und Anfeuern.

Thomas Reinscheid

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