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Baumgart gegen Hütter: Derby-Duell der Gegensätze

Steffen Baumgart und Adi Hütter bestreiten am Samstag ihr jeweils erstes Rheinisches Derby. Es ist auch das Duell zweier Trainer, die unterschiedlicher kaum sein könnten. bundesliga.de nimmt die Derby-Coaches unter die Lupe.

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Dieser Anblick allein wird ein Highlight des 93. Rheinischen Derbys sein. Wenn der 1. FC Köln am Samstag Borussia Mönchengladbach empfängt, prallen nicht nur heiß rivalisierende Fanschaften aufeinander, sondern auch zwei Trainer, die in ihrem Auftreten nicht verschiedener sein könnten. Auf der einen Seite der Vorarlberger Adi Hütter, im Sommer von Eintracht Frankfurt zur Borussia gewechselt. Stets fein gekleidet, millimetergenau frisiert und durch seine schnurgerade Haltung noch etwas größer wirkend als die 1,84 Meter in seinem Pass. Stets gefasst, kühl kalkulierend, seine Anweisungen streng und bestimmt, mit Gesten sparsam - ein General in der Coaching Zone.

Und wenige Meter neben ihm sein Gegenentwurf: Steffen Baumgart, Sommer-Neuzugang vom SC Paderborn. Jogginghose, Polo-Shirt, Schiebermütze, 14-Tage-Bart und ab Anstoß im Vulkan-Modus. Hockend, unentwegt tigernd, brüllend, korrigierend, anfeuernd, als könnte er jeden einzelnen seiner Spieler gleichzeitig fernsteuern.

Steffen Baumgart in seinem Element: Vollgas an der Seitenlinie - imago images / Moritz Müller

Zwei Typen, zwei Welten. Dass beide Herangehensweisen zu Erfolg führen können, haben beide auf ihren neuen Stationen bereits nachgewiesen. Während Baumgart mit seinem Stil rund um den FC riesige Euphorie entfacht hat, zeichnete Hütter beim 5:0-Feuerwerk im DFB-Pokal gegen den FC Bayern für einen der denkwürdigsten Abende der jüngeren Vereinsgeschichte verantwortlich.

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Den äußerlichen Gegensätzen zum Trotz eint beide Fußballehrer ihr offensiver Spielansatz und der Wunsch, den Zuschauern Spektakel zu bieten. Baumgart betont fast wöchentlich, dass er Gegentore (21 kassierte der FC bislang) in Kauf nimmt, wenn dafür offensiv die Funken sprühen. Hütter nahm sich zwar vor, die Gladbacher Gegentorflut (letzte Saison 56, aktuell 14) zu stoppen, seine Fußball-DNA fußt aber auf hohem Pressing und Ballgewinnen, blitzartigem Umschalten und (körperlich) wuchtigen Attacken auf des Gegners Tor.

In der Tabelle trennen die neuntplatzierten "Fohlen" und die "Geißböcke" auf Rang zwölf nur drei Punkte. Das Derby zieht seine Spannung in dieser Saison also nicht nur aus der historischen Rivalität, sondern zusätzlich aus sportlicher Augenhöhe. Das war in den letzten Jahren nicht immer der Fall.

Klar, bestimmt, offensiv: Adi Hütter bleibt seinem Stil in Gladbach treu - Weis/TEAM2sportphoto via www.imago-images.de/imago images/Team 2

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Während die Borussia in den letzten zehn Spielzeiten sechs Mal in den Europapokal einzog und stets auf einem einstelligen Tabellenplatz ins Ziel kam, musste Köln in diesem Zeitraum meist bis zuletzt um die Erstklassigkeit kämpfen. Platz fünf und die Qualifikation für die Europa League 2017 blieben ein einmaliges Abenteuer, dem umgehend der Abstieg folgte - einer von vier Ligawechseln seit 2011/12.

Diesen Ist-Zustand gedenkt Baumgart zu verändern, wie er im Sommer in gewohnter Deutlichkeit erklärte: "Es kann doch nicht sein, dass wir uns als 1. FC Köln freiwillig hinter Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach anstellen. Nur, weil das jetzt vielleicht 20 Jahre so gegangen ist. Wir müssen doch einen Weg einschlagen, den Anschluss zu finden, um vielleicht irgendwann vor denen zu stehen. Das muss doch unser Ziel sein."

Unterdessen verstehen die Gladbacher Fans beim Thema Derby weniger Spaß denn je. Nach der 4:0-Gala gegen Greuther Fürth legte die Kurve gegenüber der Mannschaft für Köln die "1G-Regel" fest, heißt: gewinnen! Wut und Unverständnis über die 1:2-Niederlage im Februar, als Ex-Coach Marco Rose zuhause gegen die Domstädter einige Leistungsträger auf der Bank ließ, sitzen noch tief und sollen sich nicht wiederholen. Borussias Trainer Hütter ist also vorgewarnt.

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Das unmittelbare Ziel für Baumgart und Hütter lautet dementsprechend- natürlich - 'Derbysieg'. Im Falle eines Dreiers beim persönlichen Derby-Debüt dürften Emotionslage und Abendgestaltung dieser beiden grundverschiedenen Typen ausnahmsweise ähnlich aussehen: Dann ist Party angesagt.