15 Punkte aus sieben Spielen - Statt vier Zählern Rückstand auf den Relegationsplatz nun zwei Punkte Vorsprung auf Rang 16. Eine beeindruckende Bilanz von Andreas Zachhuber, der seit dem 8. März auf der Trainerbank von Hansa Rostock sitzt.

Der Erfolg des 46-Jährigen hat System: Zachhuber, der die Hanseaten schon 1999 und 2000 vor dem Abstieg rettete, fordert Respekt, Ordnung und harte Arbeit. Er duldet nach eigener Aussage keine Widerrede. Den Profis verbat er die Nutzung von iPods, wenn das Team zusammen ist, und belebte somit den Mannschaftsgeist neu.

Die Spieler sollten lieber miteinander reden anstatt schweigend, mit Stöpseln im Ohr, in der Kabine oder im Mannschaftshotel zu sitzen, erklärte der Coach in der "Bild": "Das hat etwas mit Respekt den anderen gegenüber zu tun."

"Jeder rennt für den anderen"

Eine Maßnahme, die unmittelbare Auswirkungen auf den Erfolg auf dem Rasen hatte. "Jetzt rennt jeder für den anderen", bestätigte Angreifer Enrico Kern. Hansa präsentiert sich auf dem Platz wieder als Einheit. Nur Nürnberg (18) und Aachen (16) holten in den vergangenen sieben Partien mehr Zähler als es Rostock unter Zachhuber tat.

Als einziges Team sind die Hanseaten in diesem Zeitraum ungeschlagen, fuhren vier Siege (Frankfurt, Fürth, Oberhausen, Kaiserslautern) und drei Unentschieden (Ingolstadt, Koblenz, Osnabrück) ein.

Defensive wird zum Erfolgsgaranten

Zachhuber hat es geschafft, die löchrige Hansa-Abwehr zu stopfen: Unter Frank Pagelsdorf, der das Team bis zum 10. November 2008 betreut hatte, kassierte Rostock im Schnitt 1,3 Tore pro Spiel. Unter der Leitung von Interimscoach Juri Schlünz (eine Partie) und unter Dieter Eilts (zehn Spiele) musste Hansa insgesamt im Schnitt 2,4 Gegentreffer hinnehmen.

Dagegen steht die Quote von 0,6 Gegentoren unter Zachhuber. In drei der sieben Partien unter dessen Regie stand die Null, was in den vorangegangenen 23 Begegnungen insgesamt nur fünf Mal geschafft worden war. Mit lediglich zwei Gegentreffern an den vergangenen sieben Spieltagen ist einzig Nürnberg aktuell noch defensivstärker als Rostock.

Enrico Kern belebt den Angriff neu

Auch der Offensivabteilung wurde neues Leben eingehaucht. 13 Treffer gelangen unter Zachhuber, alleine Stürmer Enrico Kern (zuvor drei Tore in 23 Spielen) traf vier Mal. In sechs der sieben Spiele erzielte der Ostsee-Club das wichtige 1:0, unter Eilts war dies nur bei drei von zehn Auftritten gelungen.

Die akribische Arbeit im Training macht sich bezahlt: Die Trefferquote ist mit durchschnittlich 1,9 Toren pro Spiel mehr als doppelt so hoch wie noch unter Eilts, als Hansa nur acht Tore in zehn Partien (0,8) gelangen. Die Rostocker Spieler erhöhten ihre Schussgenauigkeit von 42,6 auf 46,6 Prozent, die Chancenverwertung stieg von 14,4 auf 15,9 Prozent.

Absolute Disziplin, gerade im Training, sei der Grundstein für den Aufschwung der letzten Wochen. "Ich verlange Pünktlichkeit, achte ganz penibel darauf", so Zachhuber: "Spätestens 30 Minuten vor dem Training müssen alle da sein. Wer Probleme hat und Behandlungen braucht, hat eine Stunde vorher da zu sein."

Andreas Gellrich