München - Nach vier Spielen ohne Niederlage hat sich der MSV Duisburg von den Abstiegsrängen etwas absetzen können. Fünf Punkte beträgt der Vorsprung auf den Relegationsrang 16. Am kommenden Samstag empfangen die Meidericher nun den Tabellenführer Eintracht Frankfurt. Im exklusiven Interview mit bundesliga.de spricht MSV-Mittelfeldspieler Kevin Wolze über die Gründe für den sportlichen Aufschwung, seine lehrreiche Zeit und England und das Topspiel am Wochenende.

bundesliga.de: Nach dem schlechten Start ins neue Jahr hat der MSV zuletzt viermal nicht verloren und sich ein 5-Punkte-Polster verschafft. Was waren die Gründe für den sportlichen Aufschwung?

Kevin Wolze: In erster Linie haben wir uns über die ersten Erfolgserlebnisse wieder Selbstvertrauen zurückgeholt. Das fing schon mit dem Spiel gegen Greuther Fürth an, in dem wir eine gute Leistung geboten haben, obwohl wir das Spiel unglücklich verloren haben. Eine Woche später haben wir dann in Berlin einen Punkt geholt und uns für unsere besseren Leistungen auch belohnt. Wir haben gemerkt, dass wir stark sind, wenn wir alle zusammenagieren. Danach ist auch das Glück zu uns zurückgekehrt, wenn ich da etwa an ein glückliches Tor im Spiel gegen den VfL Bochum denke.

bundesliga.de: Wie bedrohlich ist die Situation dennoch für den Verein?

Wolze: Wir müssen immer noch aufpassen, dass wir nicht wieder unten reinrutschen. Wir brauchen noch einige Punkte. Die Teams hinter uns haben zuletzt ihre Spiele gewonnen, auch Aachen wird wieder punkten. Wir wollen nicht bis zum Schluss zittern und uns vorher retten.

bundesliga.de: Geht es in den letzten sechs Spielen nur darum, den 15. Platz zu sichern oder ist angesichts von nur drei Punkten Rückstand auf Platz 10 noch ein Sprung in der Tabelle nach weiter oben das Ziel?

Wolze: Es geht darum, den Abstieg zu vermeiden. Wir werden natürlich auch sehen, was nach oben noch möglich ist. Wir wollen jedes Spiel positiv gestalten und wie gesagt, nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Das muss das vorderste Ziel sein.

bundesliga.de: Welche Ursachen führten Ihre Meinung nach dazu, dass der mit ganz anderen Ambitionen in die Saison gestartete MSV so viele Probleme hatte?

Wolze: Uns fehlte vor allem das nötige Selbstvertrauen. Und bei der Analyse der verlorenen Spiele haben wir gesehen, dass wir oft dumme, vermeidbare Fehler gemacht haben. Der erste Schritt zur Besserung war, diese eigenen Fehler abzustellen und defensiv gut zu stehen. Wenn die Sicherheit zurück ist, wird auch das Spiel nach vorne besser. Das ist uns zuletzt gelungen.

bundesliga.de: Für Sie persönlich lief es sicher besser. Sie kamen aus der Regionalliga neu zu den "Zebras" und wurden direkt Stammspieler. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer persönlichen Entwicklung?

Wolze: Wenn mir jemand vor der Saison gesagt hätte, dass ich sofort Stammspieler werden würde, hätte ich das sofort unterschrieben. Für mich war der Sprung von der Regionalliga in die 2. Bundesliga schon enorm. Ich wollte erst einmal reinschnuppern und hätte nicht gedacht, dass es so schnell gehen würde. Ich habe dann immer versucht mein Bestes zu geben und meine Leistung gebracht. Das ist mir ganz gut gelungen.

bundesliga.de: Wie kommen Sie mit der direkten Art der Leute im "Ruhrpott" zurecht?

Wolze: Die Leute hier sind schon anders als in Wolfsburg. Mir gefällt es hier gut, ich habe mich schnell gut eingelebt. Neu war für mich, dass die vielen Großstädte hier so dicht beieinander liegen. In Wolfsburg musstest Du erst einmal eine halbe Stunde fahren, um in die nächste Stadt Braunschweig zu kommen. Das gefällt mir hier gut. Es gibt viele schöne Ecken, auch in Duisburg. Ich bin zum Beispiel gerne mit einigen Mitspielern im Innenhafen.

bundesliga.de: In Ihrer Jugend haben Sie auch zwei Jahre bei den Bolton Wanderers in England gespielt. Was ist von der Zeit hängen geblieben? Wie wichtig war sie für Ihre Entwicklung?

Wolze: Ich habe mich da nicht nur fußballerisch, sondern auch menschlich weiterentwickelt. Das war damals für mich mit 16 Jahren ein großer Schritt in ein anderes Land, ich habe da eine andere Kultur und eine andere Sprache kennengelernt. Das hat mich geprägt. Fußballerisch wurde dort anders trainiert. Bei jeder Trainingseinheit war der Ball im Spiel, die Kondition haben wir uns in den Trainingsspielen geholt. Durch die aggressive Spielweise bin ich robuster geworden. Es war auf jeden Fall eine gute Zeit.

bundesliga.de: Warum sind Sie nicht in England geblieben?

Wolze: Felix Magath hat Kontakt zu meinem Berater aufgenommen und mich zurück nach Wolfsburg geholt. Ich habe dann ausschließlich bei den Profis mittrainiert und für die Amateure gespielt. Dann habe ich mir leider 2009 das Kreuzband gerissen und musste pausieren.

bundesliga.de: Am Samstag spielt der MSV gegen den Tabellenführer Eintracht Frankfurt. Welche Chancen rechnen Sie sich aus, der Eintracht ein Bein zu stellen?

Wolze: Wir haben nichts zu verlieren, jeder rechnet mit einer Niederlage von uns. Genau das ist unsere Chance, die wir nutzen wollen. Wir haben ein Heimspiel, es kommen hoffentlich viele Leute. Wir müssen aggressiv nach vorne spielen und dürfen uns nicht verstecken. Dann ist etwas möglich.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski