Fabian Boll kennt seinen FC St. Pauli in- und auswendig. Seit 2002 ist er für den Hamburger Club im Einsatz. Im Interview erklärt der Mittelfeldmann, wie die Mannschaft die bittere 1:5-Niederlage gegen die "Löwen" wegsteckt und auf welchem Tabellenplatz er am Ende der Saison gern stehen würde.

Frage: Die Mannschaft hat gegenüber dem 22. Spieltag der vergangenen Saison jetzt fünf Punkte mehr auf dem Konto. Trotzdem gibt es in den Medien zur Zeit Kritik. Wie beurteilen Sie innerhalb der Mannschaft die aktuelle Lage?

Fabian Boll: Ganz ehrlich, subjektiv empfunden ist das so, dass wir - auf Deutsch gesagt - denken: "Boah, was für eine Scheiß-Saison". Wahrscheinlich auch wegen der letzten Ereignisse, der letzten Spiele und da auswärts eh nicht viel geht, obwohl das ja letztes Jahr auch nicht anders war. Aber wenn man das rein objektiv betrachtet haben wir fünf Punkte mehr als letzte Saison. Sollte jetzt gegen Rostock ein "Dreier" gelingen, haben wir genauso viele Zähler wie in der Hinrunde. Dann sind wir ja eigentlich auf einem grünen Zweig.

Frage: Wie kann man den Kopf nach so einem Spiel wie in München wieder frei kriegen?

Boll: Es ist schon schwer, weil gerade jetzt viel auf uns einprasselt. Wie gesagt, vom subjektiven Empfinden her verständlich, vom objektiven Gesichtspunkt stehen wir aber besser da als vergangenes Jahr. Deswegen ist es schwer, und je öfter man mehr Negatives hört, umso mehr wird es zur Kopfsache und umso schwieriger ist es, einen klaren Kopf zu bewahren. Ich denke aber, da kommt jetzt nach so einer Phase genau das richtige Spiel. Es erwartet keiner Schönspielerei, sondern einzig und allein drei Punkte zählen.

Frage: Wie schätzen Sie den nächsten Gegner Hansa Rostock ein?

Boll: Man weiß nicht, wie man Hansa einschätzen soll. Einerseits sprechen die Ergebnisse klar gegen Rostock, andererseits haben sie meist gar nicht so schlecht gespielt, hätten eigentlich auch in Aachen nach einer 3:0-Führung den Sieg verdient gehabt. Sie werden mit Sicherheit um jeden Zentimeter kämpfen und da müssen wir gegenhalten.

Frage: Sie haben im Moment in der Tabelle ein dickes Polster nach unten, aber auch nach oben. Wohin orientieren Sie sich derzeit mehr?

Boll: Das ist auch schwer zu sagen. Natürlich ist es eine undankbare Situation, aber in erster Linie sollte für uns gelten, dass wir die nötigen Punkte holen, um auch wirklich auf der ganz sicheren Seite zu sein, was den Blick nach unten angeht. Wenn uns das schnellstmöglich gelingt, müssen wir einfach sehen, dass wir noch ein paar Punkte holen. Ansonsten streben wir natürlich einen besseren Tabellenplatz als in der Vorserie an. Also Platz 8 hätte ich am Saisonende schon gerne.