Es ist nicht immer leicht, ein Fan des MSV Duisburg zu sein: Fünf Aufstiege und fünf Abstiege seit den neunziger Jahren, seit 2005 ging es regelmäßig nach einem Jahr Bundesliga wieder runter in die 2. Bundesliga und nach oben zurück.

"Wir MSV-Fans sind leidensfähig. Ein richtiger MSV-Fan weiß, was Schmerzen sind, er ist kein Schönwetter-Fan. Deshalb haben wir aber auch die Fähigkeit erworben, Freude und Genuss besser auszukosten", weiß Duisburgs Fanbeauftragter Dirk Lechtenberg.

Im Moment dürfen die Anhänger des Meidericher Spielvereins wieder genießen und träumen. "Natürlich ist die Stimmung jetzt super und wir glauben wieder daran, dass wir mit Peter Neururer und dieser engagierten Mannschaft aufsteigen", hofft Lechtenberg auf ein lang anhaltendes MSV-Hoch.

"Nicht unter die Gürtellinie

Noch vor wenigen Wochen sah die Welt der MSV-Fans eher düster aus. Die Mannschaft steckte im Mittelfeld und Mittelmaß fest, der Unmut der Anhänger richtete sich einmal mehr gegen den Trainer, diesmal Rudi Bommer. Nicht ungewöhnlich für Duisburg, wo seit 2005 bis heute fünf Mal der Chef-Trainer gewechselt wurde.

"Ich finde es ja grundsätzlich gut, wenn die Fans kritisch sind. Aber es darf nicht unter die Gürtellinie gehen und sie sollen auch ins Stadion kommen, wenn sie schimpfen wollen", denkt Lechtenberg.

Fanclubs meist aus Duisburg

Schaut man sich die Liste der Fanclubs des MSV an, so fällt auf, dass fast alle aus Duisburg und näherer Umgebung kommen. Also kein Vergleich mit den Ruhrgebietsnachbarn wie Schalke oder Dortmund, die deutschland- und sogar weltweit auf Unterstützung von Fanclubs zählen dürfen.

"Es hat bei uns im Vergleich zu den anderen Klubs sicher vor zehn, fünfzehn Jahren in der Fanarbeit gemangelt. Deshalb haben wir fast eine ganze Fan-Generation verloren. Aber wir sind weder eine Graue Maus noch stehen wir im Schatten von anderen Ruhrgebietsvereinen.

Wir haben ganz sicher viel mehr Fans und Anhänger als es vielleicht von außen aussieht. Wir sind ein Traditionsverein, auch wenn wir noch keine fünf Deutsche Meisterschaften geholt haben", sagt Lechtenberg.

Duisburg erster deutscher Vizemeister

Immerhin gehört der MSV zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga und schrammte 1964 als erster deutscher Vizemeister nur knapp an der Schale vorbei. Bis 1982 hielt der MSV "Dietzburg" in der Ära des Nationalspielers Bernhard Dietz auch durchgehend die Klasse, ehe die Berg- und Talfahrt begann. Heute steht Duisburg immer noch auf Platz 14 der ewigen Bundesliga-Tabelle.

Verständlich, dass die großen Höhepunkte dann gut im Gedächtnis bleiben. "Das schönste MSV-Erlebnis war der Bundesliga-Aufstieg 2005. Wir sind an einem Montagabend durch einen 1:0-Sieg in Frankfurt aufgestiegen und nachts haben 10.000 Fans in der MSV-Arena den Aufstieg gefeiert, was alles noch spontan an dem Abend organisiert wurde", schwärmt Lechtenberg von der Aufstiegsfeier, der ein Jahr später (natürlich) der Katzenjammer auf Platz 18 der Bundesliga folgte.

Stefan Kusche