München - Sein Name schien schon fast in Vergessenheit geraten zu sein, doch jetzt ist er wieder da: Gerald Asamoah! Nach sieben Monaten in der Vereinslosigkeit verpflichtete Greuther Fürth den 33-Jährigen im Winter, um der Mannschaft noch mehr "Emotionalität und Abgeklärtheit" hinzuzufügen, wie Trainer Mike Büskens erklärte.

Im Spiel gegen den SC Paderborn feierte Asamoah sein Startelfdebüt für die Fürther. Und was für eins! Gleich in seinem ersten Spiel von Anfang an steuerte der Ex-Nationalspieler zwei Tore zum furiosen bei und war damit der Matchwinner für sein Team.

Torwartfehler bringt Paderborn in Führung

Dabei lief es für die Fürther zu Beginn der Partie gar nicht rund. Paderborns Top-Torjäger Nick Proschwitz hatte den SC nach einem Torwartfehler von Max Grün in Führung gebracht. Statt einen Freistoß locker abzufangen, ließ der 24-Jährige den hohen Ball zu Boden fallen, was Proschwitz zu seinem 14. Saisontor nutzte. Grün suchte später nicht nach Ausreden, sondern beteuerte selbstkritisch, er sei einfach "nur dumm" gewesen.

Doch bereits eine Minute nach der Paderborner Führung begann die Asamoah-Show. Denn nur 60 Sekunden nach dem Treffer von Proschwitz markierte "Asa" den 1:1-Ausgleich. Asamoah selbst schätzte seine eigene Leistung beim Ausgleichstreffer nicht so hoch ein. "Bei solchen Flanken musst du als Stürmer ja nur gut stehen", wiegelte er nach dem Spiel ab.

Asamoah baut die Führung aus

Schon dieses Ausgleichstor hätte ausgereicht, um von einem gelungenen Startelf-Comeback Asamoahs zu sprechen, aber es kam noch besser für Fürth und für Asamoah. Zunächst drehte Sercan Sararer das Spiel und sorgte für die 2:1-Führung der Heimmannschaft, ehe kurz vor der Pause wieder Asamoah auf den Plan trat und mit seinem zweiten Treffer die Führung auf 3:1 erhöhte.

In der zweiten Hälfte schirmte der Ex-Nationalspieler in vorderster Front immer wieder geschickt den Ball ab und sorgte so dafür, dass das "Kleeblatt" die Führung mühelos verteidigen konnte. Bevor Asamoah in der 70. Minute ausgewechselt wurde, trafen noch Olivier Occean und Mergim Mavraj zum 4:1 beziehungsweise 5:1.

Mann des Tages blieb allerdings Doppeltorschütze Gerald Asamaoh, der sich trotz seines gelungenen Einstands gewohnt bescheiden gab. "Die Jungs haben es mir sehr leicht gemacht", sagte er nach dem Spiel. "Wichtig war für uns nach der Niederlage bei Dynamo Dresden, dass wir punkten. Wir haben gezeigt, was für eine Mannschaft wir sind", legte Asamoah den Fokus auf den mannschaftlichen Erfolg.

Erfolgreichste Zeit bei Schalke

Dennoch dürfe sich der Angreifer über seine persönlichen Erfolgserlebnisse sehr gefreut haben, denn vor dem Wechsel nach Fürth ging es sportlich kuntinuierlich bergab mit dem früheren Nationalspieler, der in seiner Karriere so viele Höhepunkte erlebt hatte.

Mit Schalke, wo er von 1999 bis 2010 spielte, feierte er seine größten Erfolge. 2001 und 2002 holte er mit den "Knappen" jeweils den DFB-Pokal, 2001 wurden sie zudem "Meister der Herzen", als S04 in einem unglaublichen Saisonfinale letztlich nur Zweiter hinter Bayern München wurde.

In diese Zeit fallen auch die größten internationalen Triumphe Asamoahs. Mit der deutschen Nationalmannschaft stand er 2002 im WM-Finale auf dem Platz und holte die Vizeweltmeisterschaft. Vier Jahre später bei der WM im eigenen Land war der damalige Schalker ebenfalls dabei.

Mit St. Pauli abgestiegen

Doch dann begann der schleichende Abstieg. In der DFB-Elf war nach 43 Länderspielen Schluss und bei Schalke kam der Mittelfeldspieler nur noch sporadisch zum Einsatz. 2010 wurde er dann an den FC St. Pauli ausgeliehen, mit dem er aus der Bundesliga abstieg.

Es folgte im Sommer 2011 das Vertragsende auf Schalke und die bereits erwähnten sieben Monate ohne Verein, bis ihm Greuther Fürth die Chance auf einen Neuanfang in der 2. Bundesliga gab. Eine unerwartete Chance, die zu einem unerwarteten Comeback führte, was durch Asamoahs Doppelpack nun gekrönt wurde. Diese Chance nutzt er bisher - nicht nur wegen seiner zwei Tore - bestens.

Spielweise beeindruckt Mitspieler

Besonders die Spielweise und Einsatzfreude des Ex-Schalkers lobten seine Mitspieler nach dem überragenden Sieg gegen Paderborn. Wann immer es galt, einen Zweikampf zu bestreiten, war der Routinier da. Er rannte, grätschte und sprang wie in besten Tagen. Egal wie aussichtslos die Situation war, egal wie viele Gegenspieler ihn behakten, Asamoah gab alles für den Erfolg. Mit dieser Spielweise hat er sich "in ganz Deutschland beliebt gemacht", stellte Mitspieler Mergim Mavraj in Anspielung auf Asamoahs Erfolge im Nationaltrikot fest.

Auf diese Einsatzfreude werden die Fürther auch in den kommenden Spielen setzen und dabei hoffen, dass Asamoah mithilft, den langersehnten Aufstieg endlich in die Wirklichkeit umzusetzen. Und dann ist da ja noch das Pokal-Halbfinale gegen Asamoahs alten "Lieblingsgegner" aus Schalker Zeiten: Borussia Dortmund.

Wenn er gegen Dortmund trifft und Fürth so ins Finale nach Berlin schießt, könnte er sich auch bei den "Kleeblatt"-Fans unsterblich machen. Und wer weiß? Wenn Joachim Löw bei der EM noch eine Offensivkraft benötigt, würde Gerald Asamoah wahrscheinlich nicht nein sagen. Es wäre ja nicht das erste unerwartete Comeback des früheren Nationalspielers.

Daniel Knoke