Darmstadt - Was er denn denke beim Blick auf die Tabelle, wurde Dirk Schuster gefragt. "Dass wir noch 17 Punkte brauchen", antwortete der Cheftrainer von Darmstadt 98 - ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken. 17 Punkte noch bis zu den ominösen 40 Punkten, die für den Klassenerhalt reichen sollten.

Dass es nach dem 13. Spieltag nur noch 17 Zähler sind, dafür sorgte der sensationelle Sieg gegen RB Leipzig, der sechste Zu-Null-Erfolg im siebten Heimspiel - Platz 1 der Heimtabelle. Dementsprechend gestaltete sich die Stimmung am Sonntagmorgen beim Auslaufen am Böllenfalltor.

Erfolgsgeheimnis? "Vollgas hoch und runter!"

"Wir haben einen außergewöhnlichen Sieg eingefahren, deshalb ist natürlich alles etwas ausgelassener bei uns", beschrieb Hanno Behrens mit einem dicken Grinsen, das nicht nur ihm im Gesicht stand. Sein Kumpel Marco Sailer kam mit weniger Worten aus, um die aktuelle Seelenwelt der Lilien zu beschrieben: "Ein geiles Gefühl!"

"Ein, zwei Tage", so Behrens weiter, werde man den Blick auf die Tabelle "ein bisschen genießen: Aber dann geht’s weiter, dann fokussieren wir uns wieder voll auf das nächste Spiel, da müssen wir wieder alles abrufen."

Absolut alles abgerufen haben die Lilien samt Fans am Samstag beim 1:0 gegen Leipzig. "Wir haben natürlich gewusst, dass dieses Spiel ein ganz besonderes für unsere Anhänger ist. Das hat sich auch in gewisser Weise auf die Mannschaft übertragen", erklärte Behrens. Weitere Erfolgsgeheimnisse? "Vollgas hoch und runter!"

Akribische Vorbereitung auf Leipziger Standards

So einfach ist das natürlich nicht ganz. Auf den individuell erstklassig besetzten Gegner präsentierten sich die Darmstädter hervorragend eingestellt. Für Dirk Schuster nicht allein ein Resultat der Arbeit des Trainerteams und der Mannschaft. So dankte der 46-Jährige auf der Pressekonferenz ausdrücklich "der Videoabteilung, die uns unter anderem sehr gut auf die Standards vorbereitet hat, sodass wir vieles unbeschadet überstehen konnten".

Gegnerische Standards, verriet Behrens, wollten die Lilien sowieso weitgehend vermeiden. "Deshalb habe ich das Ding ja auch gegen den Pfosten gehauen", merkte Behrens lachend zu seiner Rettungsaktion in der 12. Minute an, als der 24-Jährige im eigenen Strafraum in höchster Not mithilfe des eigenen Aluminiums klärte.

Stroh-Engel lobt die Defensive

Ansonsten brannte in den 90 Minuten defensiv nicht wirklich viel an - was selbst die Offensivabteilung ins Schwärmen brachte. "Das ist der Wahnsinn, was die da hinten machen", sagte Dominik Stroh-Engel, der am Samstag seinen bereits achten Saisontreffer erzielte nach starker Vorarbeit durch Sandro Sirigu und Marcel Heller.  

Sirigu rückte wie Milan Ivana neu ins Team - und beide fügten sich hervorragend ins funktionierende Lilien-Ensemble ein. "Die Geschlossenheit im gesamten Kader macht uns stark, darüber müssen wir immer wieder kommen", betonte Schuster. 

Durch die anstehende Länderspielpause bleibt jedoch erst einmal ein wenig Zeit zum Durchschnaufen. "Das wird uns guttun", so Behrens: "Wir gehen immer an die Grenze, daher kommt uns die Pause ganz gelegen, um wieder komplett zu Kräften zu kommen." Um dann die noch notwendigen 17 Punkte in Angriff zu nehmen.