Ginge es in diesem Fall um Schüler, ihre Eltern würden demnächst einen Brief des Klassenlehrers erhalten. "Er könnte mehr leisten", es mangele ihm an Konzentration, die "Versetzung ist akut gefährdet" müssten die Erzeuger dann über die Leistungen ihres Schützlings lesen.

Tatsächlich handelt es sich bei den drei "Problemfällen" um die Bundesliga-Absteiger aus Duisburg, Rostock und Nürnberg. Nach elf Spieltagen sind sie von ihrem Saisonziel, dem direkten Wiederaufstieg, ein ordentliches Stück entfernt und erleben einen schweren Stand in der 2. Bundesliga.

MSV Duisburg

Die "Zebras" aus Duisburg liegen mit Tabellenplatz 8 zwar noch am ehesten auf Kurs, dennoch trennen den MSV bereits sieben Punkte von einem direkten Aufstiegsplatz. Seit drei Partien ist die Mannschaft von Trainer Rudi Bommer ohne Sieg. Am vergangenen Spieltag gelang bei der TuS Koblenz mit viel Mühe zwölf Minuten vor Schluss noch der glückliche 1:1-Ausgleichstreffer.

"Das war eine mittlere Katastrophe und absolut nicht akzeptabel", polterte MSV-Präsident Walter Hellmich nach der Auswärtspartie. Vor allem in der Fremde drückt die "Zebras" der Huf: In sechs Gastspielen auf fremden Terrain schossen Cedrick Makiadi und Co. bescheidene drei Treffer - lediglich der Tabellenvorletzte SV Wehen Wiesbaden weist mit nur zwei Toren eine noch harmlosere Bilanz auf.

Erschwerend kommt hinzu, dass auch die heimische MSV-Arena mittlerweile nicht mehr als uneinehmbar gilt. Nach drei Heimsiegen in Folge nahmen am 10. Spieltag die "Kiezkicker" des FC St. Pauli alle drei Punkte aus dem Ruhrgebiet mit.

Die Anhänger äußern immer lauter ihren Unmut über die dargebotenen Leistungen eines Teams, aus dem immerhin sieben Mitglieder vor zwei Jahren bereits für Duisburg in der 2. Bundesliga aktiv waren und denen die Umstellung auf das körperbetontere Spiel, die veränderten Anstoßzeiten und defensiver eingestellte Gegner nicht schwer fallen dürfte. "Wir haben eine Verpflichtung den Fans gegenüber, und wir haben beim MSV einen Anspruch, der Bundesliga heißt", macht Hellmich klar. Im Moment klaffen allerdings zwischen Anspruch Wirklichkeit einige Lücken.

Bei Mitabsteiger Hansa Rostock stehen sogar noch mehr Akteure im Kader, bei denen Zweitligaluft eigentlich keine Asthmaanfälle auslösen dürfte. Zehn Spieler aus der Aufstiegssaison 2006/07 tragen immer noch das Trikot der Hanseaten. Dennoch musste Trainer Frank Pagelsdorf nach zuletzt zwei Niederlagen in Folge und nur einem Punktgewinn aus der vergangenen "englischen" Woche bilanzieren: "Einige sind gedanklich noch nicht in der 2. Bundesliga angekommen." Das 0:1 am Sonntag bei Rot-Weiß Oberhausen habe ihn, so Pagelsdorf, "ziemlich wütend gemacht, das Zweikampfverhalten war dilettantisch". Schließlich werde im Unterhaus "viel robuster agiert", daher sei nun "oberste Bürgerpflicht, den Kampf anzunehmen".

Abgesehen vom Rekord-9:0 gegen Koblenz, übrigens der einzige Erfolg in den letzten fünf Spielen, erzielte der Tabellen-Elfte aus Rostock erst 13 Treffer und feuert im Schnitt nur 13 Mal pro Partie auf das gegnerische Tor - zu wenig, um ein Wörtchen um den Aufstieg mitzureden, zumal die Pagelsdorf-Truppe noch auf den ersten Auswärtssieg wartet. Im Kalenderjahr 2008 gelangen dem FC Hansa nur sechs Pflichtspielsiege. "Es hat den Anschein, als ob die Mannschaft momentan einfach nicht stark genug ist, um oben mitzuspielen. Im Moment sind wir nicht besser als die anderen Mannschaften, die im Tabellenkeller stehen", konstatiert Kapitän Martin Retov.

Zehn Zähler weniger als der derzeitige Zweite aus Kaiserslautern und nur drei Punkte Abstand auf den Relegationsplatz 16 geben dem Dänen Recht. Dennoch will Pagelsdorf das Saisonziel noch nicht korrigieren. "Wir landen am Saisonende ganz oben. Das bedeutet für mich unter den ersten Drei. Aber es wird natürlich ein ganz beschwerlicher Weg", so der Hansa-Coach, der seinen Profis nach der Niederlage bei RWO gleich mal den trainingsfreien Dienstag strich.

1.FC Nürnberg

Noch beschwerlicher ist wohl der Weg des 1. FC Nürnberg. Der Pokalsieger von 2007 galt als Topfavorit auf den Wiederaufstieg, der Abstieg als schnell zu reparierender Betriebsunfall. Rang 12, 13 Zähler und nur drei Punkte Vorsprung auf die Abstiegsrelegation sprechen eine andere Sprache. Die Nerven sind angespannt beim "Club". Bereits nach dem 2. Spieltag wurde Cheftrainer Thomas von Heesen durch Michael Oenning ersetzt. Am vergangenen Sonntag fiel sogar Stürmer Marek Mintal aus dem Rahmen, als er bei der 0:1-Niederlage bei St. Pauli eine Tätlichkeit begang und den Roten Karton sah. Zur Orientierung: In den fünfeinhalb Jahren zuvor brachte es ruhige Slowake gerade mal auf ganze acht Gelbe Karten.

Die Gründe für den schwachen Saisonstart sind offensichtlich: Die Franken schießen einfach zu wenig Tore (13). Nur drei Clubs trafen noch seltener als Charisteas, Mintal und Co. Zudem ist die Chancenverwertung von 9,9 Prozent die zweitschlechteste aller Clubs. Dass in der 2. Bundesliga vor allem der Kampf das Spiel bestimmt, scheint noch nicht bis zu den Nürnbergern vorgedrungen, die pro Partie nur 103 Zweikämpfe bestreiten - die zweitwenigsten in der Liga. Hinzu kommt, dass die Quote der gewonnenen Duelle Mann gegen Mann ligaweit die zweitschwächste ist (46,9 Prozent).

Das Problem ist immerhin bekannt. "Es fehlt bei uns die Kreativität und auch das Durchsetzungsvermögen in Zweikämpfen", sagt Trainer Oenning. Und Mittelfeldmann Marco Engelhardt bemängelt, "dass wir es nicht verstehen, die vorhandene Qualität auf dem Platz zu zeigen." Kapitän Raphael Schäfer fordert ebenfalls mehr Leistung ("Reden hilft jetzt nichts mehr"), findet es aber verständlich, "dass eine junge Mannschaft mit diesen Erfahrungen nicht vor Selbstvertrauen strotzt". Bleibt die Frage, woher das Selbstvertrauen kommen soll.



Zusammen gestellt von Denis Huber