Heidenheim - Marc Schnatterer könnte längst in der Bundesliga spielen. Doch der torgefährliche Mittelfeldmann des FC Heidenheim setzt andere Prioritäten. Und wird Woche für Woche bekannter...

Einmal im Monat gibt der "Württembergische Fußball Verband" ein Magazin heraus, das die Vereine der beiden Fußballverbände in Baden-Württemberg abdeckt und sich einer treuen Leserschaft erfreut. In der letzten Ausgabe des Jahres widmete "Im Spiel" einem Mann ein sechsseitiges Interview, der bis vor wenigen Wochen einigen Fußballfreunden in Sachsen-Anhalt oder Hamburg nichts gesagt haben dürfte. Das hat sich längst geändert: Marc Schnatterer, der Goalgetter vom FC Heidenheim, gilt mittlerweile als einer der auffälligsten Individualisten der 2. Bundesliga.

Schnatterer, der Familienmensch

Der torgefährliche Mittelfeldmann, der jüngst dem FC Augsburg abgesagt hat, erläutert in dem Interview auch, warum er seinen seit 2008 gültigen Vertrag in Heidenheim jüngst verlängerte: "Ich bin ein Familienmensch. Ich kann mein Bestes geben, wenn ich mich wohl fühle und gegenseitiges Vertrauen da ist. Das gilt für den Fußball, dann natürlich den Verein, die Stadt und unsere Fans." Die Karriere des Rotschopfes nicht geradlinig, dass sie nach seinem Wechsel zum FCH wieder Fahrt aufnahm, sorgt bei ihm offenbar für Dankbarkeit.

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Seine Topfakten:

 

  • Marc Schnatterer kam als König der 3. Liga: 108 Scorer-Punkte in 176 Spielen der 3. Liga sind ewiger Rekord.

  • Eine Liga höher bestätigt er dies eindrucksvoll: als Novize ist er der Topscorer der 2. Bundesliga (sieben Tore, sieben Torvorlagen)

Karriere mit Hindernissen

Als Nachwuchsspieler beim VfB Stuttgart wurde er schon in der D-Jugend aussortiert, später, nach dem Umweg über den SGV Freiberg trennte sich auch der Karlsruher SC 2008 wieder von ihm. Schnatterer galt als physisch nicht robust genug – und ging nach Heidenheim in die Dritte Liga. Ironie der Geschichte: Schon bald merkte man in Karlsruhe, dass man da wohl einen Fehler begangen hatte. In der Saison 2012/13 gab es erneut Kontakte zu dem Mann, der gerade in 37 Drittligaspielen 16 Tore erzielt hatte. Doch Schnatterer entschied sich nach kurzem Zögern dafür in Heidenheim zu bleiben und sandte ein Jahr darauf eine Liebeserklärung an Stadt, Land und Leute hinterher, indem er seinen Kontrakt im September 2014 vorzeitig bis 2020 verlängerte - genau wie sein Coach und Mentor Frank Schmidt.

"Es gab in der Vergangenheit natürlich verschiedene Möglichkeiten für mich, aber ich weiß, wo ich herkomme und hingehöre. Das ist ganz klar der FCH", erklärte Marc Schnatterer. "Wir haben in den vergangenen Jahren mit diesem Verein schon Großartiges erreicht, dennoch bin ich überzeugt, dass unser Weg noch nicht zu Ende ist."

Diesen Eindruck kann man tatsächlich haben, obwohl der FC Heidenheim gegen Ende der Hinrunde eine kleine Schwächeperiode hatte und zwischen den Spieltagen 15 und 19 nur auf zwei Zähler aus fünf Partien kam. In die Winterpause geht man dennoch mit einer Punkteausbeute, die für einen Aufsteiger sensationell ist: Mit 25 Punkten schwebt man zwar rechnerisch durchaus noch in Abstiegsgefahr, legte aber eine vielbeachtete Premierensaison in der Zweiten Liga hin.

Verlängerter Arm des Trainers

Schnatterer, der auch außerhalb des Platzes der verlängerte Arm des Trainers ist, wird nicht  müde zu betonen, dass man "noch nichts erreicht" habe und sich nicht zu sicher fühlen dürfe. Doch mit der Hinrunde kann er auch rein persönlich vollauf zufrieden sein. Sieben Tore in 19 Spielen erzielte der Mann, den der "kicker" mit einem Notenschnitt von 2,61 führt. Ein Doppelpack gelang ihm dabei beim 5:0 gegen den VfL Bochum, bärenstark spielte Schnatterer allerdings auch beim Auswärtsspiel auf St. Pauli auf, als er zwei der drei Heidenheimer Tore vorbereitete und zum besten Spieler auf dem Platz avancierte. Einen Ritterschlag gab es deswegen auch von Trainer Frank Schmidt, der im großen Interview mit der "Südwestpresse" noch mal klarstellte, wie wichtig sein Kapitän für das Wohl und Wehe der Mannschaft ist: "Die Bedeutung von Marc Schnatterer als Kopf und Kapitän der Mannschaft steht sicher außerhalb jeder Diskussion." So ist es.

Christoph Ruf