Darmstadt - Seit September 2012 ist Rüdiger Fritsch Präsident von Darmstadt 98. Mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga (alle Infos zur Relegation) kommt viel Arbeit auf ihn und die Mitarbeiter im Verein zu. Im Interview mit bundesliga.de berichtet er von den Herausforderungen und Plänen der "Lilien".

bundesliga.de: Herr Fritsch, die Feiertage nach dem Aufstieg sind vorbei. An welchen Aufgaben für die nächste Saison sind Sie schon dran?

Rüdiger Fritsch: Wir waren auf diese Situation natürlich vorbereitet und haben die ersten Maßnahmen eingeleitet. Neben der Zusammenstellung des Kaders steht im Vordergrund, das Stadion für die 2. Bundesliga fit zu machen. Dazu gehören unter anderem die Vergrößerung des Spielfeldes und der Einbau einer Rasenheizung. Dafür haben wir nur wenige Wochen Zeit. Wir haben aber einen sehr guten Kontakt zur Stadt, die Eigentümer des Stadiongeländes ist, und ich bin zuversichtlich, dass wir das in der Zeit schaffen.

bundesliga.de: Momentan sind viele Mitarbeiter ehrenamtlich für den Club tätig. Sie haben nur vier hauptamtliche Angestellte. Wird sich daran etwas ändern?

Fritsch: Wir werden uns auch personell verstärken. Im administrativen Bereich und zum Beispiel im Vertrieb oder im Marketing stellen wir uns breiter auf. Aber auch das machen wir mit Augenmaß. Wir machen keine verrückten Dinge und geben nicht mehr Geld aus, als wir zur Verfügung haben. Eine Verbindlichkeitsfalle wollen wir unter allen Umständen vermeiden.

bundesliga.de: Die finanzielle Solidität ist Ihnen besonders wichtig. Ist das eine Grundlage für den Erfolg von Darmstadt 98?

Fritsch: Manchmal entsteht das Schöne ja mitten unter Dornen. So war die Quelle unseres Erfolges das Jahr 2008, als der Verein in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage war. In dieser Situation wurde Hans Kessler Präsident, der dem Verein klare Strukturen gegeben und eine klare Finanzpolitik eingeleitet hat. Ich war damals als Vizepräsident tätig, und alle haben daran gearbeitet, unseren Verein wieder in ein ruhiges Fahrwasser zu führen. Daran habe ich auch in meiner Position als Präsident festgehalten, und heute können wir die Früchte dieser Arbeit ernten. Das dauert dann eben etwas länger.

bundesliga.de: Haben Sie für diese Herangehensweise andere Clubführungen als Vorbild?

Fritsch: Jeder Verein ist individuell, deswegen kann man keine Philosophie einfach übernehmen und auf den eigenen Club übertragen. Natürlich schauen wir nach rechts und nach links welche Wege andere gehen. Man kann auch aus Fehlern lernen, die andere machen, und Positives für die eigene Arbeit aufnehmen. Unser Leitmotiv ist, dass der Sport nicht die Finanzen bestimmen darf, sondern die Finanzen die sportlichen Möglichkeiten. Das wird auch in Zukunft so bleiben, aber das Momentum des Aufstiegs wollen wir nutzen und unsere Chancen verbessern.

bundesliga.de: Nun wartet das Abenteuer 2. Bundesliga auf Darmstadt 98. Fühlen Sie sich für diese Herausforderung gut gerüstet?

Fritsch: Wir haben nicht das Gefühl, ein Abenteuer einzugehen. Unsere Rahmenbedingungen sind so, dass die Mannschaft wettbewerbsfähig sein wird. Aber natürlich kann das Ziel für die nächste Saison nur Klassenerhalt heißen. Damit wären wir vollkommen zufrieden.

bundesliga.de: Wie hat sich die Wahrnehmung von Darmstadt 98 durch die letzte Saison verändert? Wie haben Sie das empfunden?

Fritsch: Wir sind ein 116-jähriger Verein, der in der Region schon lange stark wahrgenommen wird. Wir müssen kein Image oder eine Marke aufbauen, sondern stehen für ehrliche Fußballattribute und wollen authentisch bleiben. In den letzten Tagen haben wir aber zusätzlich eine Sympathie- und Anerkennungswelle erfahren, die uns trägt. Ich habe das Gefühl, ganz Fußball-Deutschland freut sich mit uns, dass ein Traditionsverein auf die Zweitliga-Bühne zurückgekehrt ist.

Das Gespräch führte Alexander Dionisius

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