Der MSV Duisburg hat ambitionierte Ziele. Lieber früher als später will der Verein zurück in die Bundesliga. Um den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden, verpflichteten die "Zebras" Anfang November Milan Sasic.

Der Kroate, der viel Wert auf Disziplin legt, holte auch gleich vier Punkte aus den ersten beiden Spielen an der Seitenlinie der Duisburger. Doch er will noch viel mehr, wie er im Interview mit bundesliga.de verrät.

Sasic spricht über die Moral innerhalb der Mannschaft, das schwere Spiel gegen die seit zwölf Partien ungeschlagenen Augsburger und das nicht kleiner werden wollende Lazarett des MSV.

bundesliga.de: Herr Sasic, am 13. Spieltag feierten Sie Ihren ersten Sieg als Coach des MSV. Was war ausschlaggebend für den Erfolg bei der SpVgg Greuther Fürth?

Milan Sasic: Mannschaftliche Geschlossenheit, enormer Wille, taktische Disziplin und die Bereitschaft, über 90 Minuten alles für den MSV zu geben.

bundesliga.de: Wie wichtig war dieser "Dreier" für die Moral der Duisburger Mannschaft?

Sasic: Wann ist ein "Dreier" schon nicht wichtig? In einer Situation, in der acht Spieler verletzt sind, stärkt so ein Erfolg Glauben und Moral.

bundesliga.de: Was reizt Sie an der Aufgabe MSV Duisburg?

Sasic: Es ist ein großer Verein, der Ambitionen hat. Es deckt sich viel von meiner persönlichen und von Vereinsseite: Beide wollen nach oben. Wir wollen eines Tages in die Bundesliga aufsteigen. Der Verein liegt in einem Gebiet, wo die Arbeiterklasse zuhause ist, wo die Leute schwer arbeiten. Und ich bin jemand, der auch gerne arbeitet. Das passt zusammen.

bundesliga.de: Sie haben sich nach Ihrer Entlassung in Koblenz und auch zuletzt nach dem Aus beim FCK weitergebildet. Wie wichtig ist es für Sie, sich immer weiter fortzubilden und neue Sichtweisen kennenzulernen?

Sasic: Ich habe im ehemaligen Jugoslawien die Ausbildung abgeschlossen. Diese Trainerausbildung wurde hier in Deutschland aber nicht anerkannt. Deshalb habe ich hier B-Schein, A-Schein und den Fußball-Lehrer-Lehrgang gemacht. Man darf die Weiterbildung nie abschließen, die dauert das ganze Leben. Das gilt für alle Berufe.

bundesliga.de: Zwischen Ihrem ersten und Ihrem zweiten Spiel als Duisburger Trainer waren 14 Tage Zeit. Sie haben ein Kurztrainingslager angesetzt gehabt. Kam Ihnen die Länderspielpause recht, um der Mannschaft Ihre Philosophie näher zu bringen?

Sasic: Die Pause war für uns sehr gut. Sie war wichtig, um einander intensiver kennenzulernen. Allerdings gab es auch einen großen Störfaktor: die vielen verletzten Spieler. Die kleine Gruppe, die dabei war und dann in Fürth gespielt hat, hat aber viele Dinge angenommen.

bundesliga.de: Aufgrund der Verletzungen haben Sie in Fürth Nicky Adler in den Sturm gestellt. Dort hatte er in Duisburg noch nie gespielt und dann schoss er den 1:0-Siegtreffer. Warum hatten Sie sich für diese Variante entschieden?

Sasic: Sie meinen in Duisburg hat er da noch nie gespielt, da gebe ich Ihnen Recht. Aber ich kenne Nicky Adler schon viele Jahre und habe seine Entwicklung verfolgt, von 1860 München über Nürnberg bis heute beim MSV. Ich kenne ihn als Stürmer. Es war nicht so, dass wir in dieser Situation keinen anderen hatten. Ich habe Vertrauen in junge Spieler und er hat es zurückbezahlt.

bundesliga.de: Können die Duisburger Fans mit weiteren personellen Überraschungen rechnen?

Sasic: Die Frage ist nicht ganz passend in unserer Situation: Wir haben im Moment nur 13 Feldspieler, da ist es schwer personell zu überraschen.

bundesliga.de: Der MSV ist ein sehr ambitionierter Club. Was kann Ihr Team in dieser Saison erreichen?

Sasic: Ich traue der Mannschaft zu, dass sie Leistungen wie in Fürth wiederholen kann. Dass die geschlossen auftritt, sich leidenschaftlich präsentiert und in Ballbesitz auch Fußball spielen wird. Das traue ich meinen Spielern zu - und das erwarte ich von ihnen.

bundesliga.de: Am kommenden Spieltag wartet der FC Augsburg, der nur eines der vergangenen zwölf Ligaspiele verloren hat. Was erwarten Sie?

Sasic: Es wird schwer genug, doch in dieser Liga ist jede Aufgabe schwer. Augsburg wurde aus bekannten Gründen von vielen Kollegen vor der Saison als Aufstiegsfavorit genannt. Die Augsburger sind mit ihrem breiten Kader auf den Aufstieg in die Bundesliga ausgerichtet. Die Konstanz der vergangenen zwölf Spiele bestätigt diesen Trend. Augsburg ist eine der Spitzenmannschaften.

Das Gespräch führte Andreas Messmer