Köln - Kurz vor dem Saisonstart konnte der TSV 1860 München noch einen Transfercoup landen. Die Löwen verpflichteten ihren ehemaligen Spieler Stefan Aigner von Eintracht Frankfurt. Der gebürtige Münchener hat für vier Jahre unterschrieben. Im Interview mit bundesliga.de spricht der 28-Jährige über seine Rückkehr und seine Ziele.

bundesliga.de: Stefan Aigner, in München soll eine größere Euphorie herrschen, nachdem bekannt wurde, dass Sie wieder zurück zu den Löwen wechselten. Wie haben Sie es selbst erlebt.

Stefan Aigner: Als ich den ersten Tag wieder bei den Sechzigern trainiert habe, war dort Fanfest. Ich wurde super aufgenommen und habe mich sehr gefreut. Es war auf alle Fälle ein schöner Tag.

bundesliga.de: Sie sind ein etablierter Bundesliga-Spieler im besten Fußballeralter. Da entscheiden sich die wenigsten für die 2. Bundesliga. Was hat den Ausschlag gegeben?

Aigner: Mein Traum war immer, in der Bundesliga zu spielen. Deswegen bin ich vor vier Jahren von Sechzig weg. Eintracht Frankfurt hat mir die Chance dazu gegeben. Ich habe dort fast alles miterlebt, was in vier Jahren passieren kann. Wir sind in die Europa League eingezogen, wir haben gegen den Abstieg gespielt und in der letzten Saison in der Relegation zum Glück noch die Kurve bekommen. Ich wollte jetzt etwas Neues machen. Dann kam der Kontakt mit Sechzig zu Stande und ich habe für vier Jahre in München unterschrieben. Den Weg der Löwen habe ich immer verfolgt. Jetzt habe ich ein klares Ziel vor Augen.

"Wir wollen eine ordentliche Runde spielen"

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bundesliga.de: Das da wäre?

Aigner: Ich möchte noch einmal mit Sechzig in die Bundesliga aufsteigen. Natürlich nicht in diesem Jahr. Jetzt ist es wichtiger, dass wir nach den letzten Jahren eine ordentliche Runde spielen. Wir reden nicht vom Aufstieg. Aber ich möchte in den vier Jahren so erfolgreich wie möglich sein.

bundesliga.de: Sie werden in knapp drei Wochen 29 Jahre alt. Andere Profis sprechen dann davon, dass sie noch einmal einen großen Vertrag abschließen wollen. Sie gehen eine Klasse tiefer. Mal mit einem Augenzwinkern gefragt: Haben Sie finanziell schon ausgesorgt, dass Sie sich das leisten können?

Aigner: (lacht) Es ist so: Ich hatte auch Angebote aus dem Ausland und von anderen Erstligisten. Da hätte ich deutlich mehr verdient. Aber für mich ist Geld nicht alles im Leben. Ich habe jetzt Nachwuchs bekommen, wir freuen uns darauf wieder im gewohnten Umfeld bei der Familie zu sein. Das ist auch sehr wertvoll.

bundesliga.de: Erzählen Sie ein bisschen von Ihrer besonderen Beziehung zu den Löwen, bei denen Sie Ihre komplette Jugend gespielt haben.

Aigner: Ich bin in der Grünwalder Straße aufgewachsen und habe dort meine Jugend verbracht. Ich habe alle Jugendmannschaften der Sechzger durchlaufen, angefangen bei den Bambinis bis zur A-Jugend. Wenn man so lange bei einem Verein ist, alle Jugendmannschaften durchlaufen und auch vier Jahre bei den Profis gespielt hat, ist es klar, dass man eine extreme Verbindung zu dem Club hat. Egal, ob ich in Burghausen, Bielefeld oder Frankfurt war, ich habe immer den Weg von Sechzig verfolgt. Deswegen freut es mich, dass ich wieder da bin und es in ein paar Tagen los geht, auch wenn nur wenig Zeit war, sich einzuspielen.

"Ich bin nicht der Heilsbringer"

bundesliga.de: Wie sehen Sie Ihre Rolle im Team? Sind Sie der Anführer, der Star?

Aigner: Ich sehe mich weder als Star noch als Anführer. Ich bin ein Teil der Mannschaft wie in Frankfurt auch. Ich versuche, mich möglichst gut einzubringen und die Aufgaben, die der Trainer mir stellt, umzusetzen. Wie ich schon einmal gesagt habe, bin ich nicht der Heilsbringer oder der Messias. Ich bin immer noch der "Aiges", der ich früher auch war. Daran hat sich nichts geändert. Ich werde in jedem Spiel alles raushauen, aber ich bin keiner, der das Ding alleine reißt. Es geht nur mit der Mannschaft zusammen.

bundesliga.de: Im Mannschaftskader hat sich viel getan, der Verein hat Bundesliga-erfahrene Spieler wie Ivica Olic, Karim Matmour, Marnon Busch oder sie geholt. Wie viel Potenzial steckt in der Truppe, was ist in dieser Saison möglich?

Aigner: Das kann ich ganz schwer einschätzen, ich bin ja erst seit ein paar Tagen hier. Die Mannschaft muss sich erst finden. Ich weiß genau, wie schwer die 2. Bundesliga ist. Man muss 90 Minuten Gas geben, die gegnerische Mannschaft bekämpfen und selbst versuchen, gut Fußball zu spielen. Ich glaube, dass wir eine gute Mannschaft haben. Es wäre ein Erfolg, wenn wir einmal nicht gegen den Abstieg und eine ordentliche Saison mit einem Platz im Mittelfeld spielen.

bundesliga.de: Verspüren Sie rund um den Verein angesichts des neuen Trainers und der vielen prominenten Neuzugänge so etwas wie eine Aufbruchsstimmung?

Aigner: Die Fans sind voller Euphorie, das kann man auch verstehen. Trotz alledem wissen sie genauso, wie die letzten Jahre inklusive der Relegation gegen Kiel gelaufen sind. Sie wären auch zufrieden, wenn wir im gesicherten Mittelfeld landen.

bundesliga.de: Am 1. Spieltag spielt 1860 München ein bayrisches Derby bei der SpVgg Greuther Fürth. Was erwarten Sie von der Partie?

Aigner: Es wird gleich ein schweres Spiel, auswärts in Fürth ist es nie leicht. Wir haben direkt einen guten Gegner und wissen danach, wo wir stehen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski