Berlin - In seinem 99. Punktspiel für den 1. FC Union im Profibereich hätte Torsten Mattuschka zum Helden werden können. Als der Kapitän der "Eisernen" in der 60. Minute eingewechselt wurde, stand es zwar schon 0:3.

Aber mit dem Routinier kam die Zuversicht zurück - die Köpfe der Köpenicker gingen wieder nach oben. Zudem spielte Gegner Fürth seit der 57. Spielminute nur noch zu zehnt, nachdem Heinrich Schmidtgal die Ampelkarte gesehen hatte.

Doch in der folgenden Viertelstunde wurde für die Neuhaus-Elf alles noch schlimmer. Erst musste der nur 17 Minuten zuvor eingewechselte John Jairo Mosquera wegen eines Pferdekusses wieder vom Feld, dann verschoss Mattuschka einen Strafstoß und schließlich kassierten die "Eisernen" selber per Elfer den 0:4-Endstand. Trotz 28 zu16 Torschüssen, 60 Prozent Ballbesitz und einer Zweikampfquote von 53 Prozent - letztlich war es eine verdiente Niederlage für den FCU, der seine Chancen nicht nutzte und hinten zu viele Fehler machte.

Mattuschka, der praktisch die gesamte Vorbereitung wegen einer Kreuzbanddehnung verpasst hatte und erst am Donnerstag wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen war, stellte sich nach der Partie trotz seiner tragischen Rolle den Fragen von bundesliga.de.

bundesliga.de: 0:4 gegen Greuther Fürth, selbst den Elfmeter nicht versenkt - wieso hat es nicht funktioniert?

Torsten Mattuschka: Wir alle wollen den Fans zu Hause was bieten. Wir wollten gut starten und unbedingt gewinnen. Das ist uns heute wieder nicht gelungen. Fürth war uns in fast allen Belangen überlegen. Das Spiel hätte auch 4:8 oder 5:9 ausgehen können. Fakt ist, Fürth hat vier Tore geschossen, wir keines - selbst den Elfmeter schieße ich nicht rein. Solche Tage gibt es leider, wo bei uns nichts geht und beim Gegner viel. Das heutige Spiel müssen wir schnell abhaken und nach vorne gucken. Wir spielen nächsten Freitag schon wieder im Pokal in Essen, da wollen wir eine Runde weiter kommen, aber das wird auch eine schwere Aufgabe.

bundesliga.de: Die Spielanlage von Union sah gar nicht so schlecht aus.

Mattuschka: Ja, sicher - aber was soll man nach einem 0:4 sagen? Da können wir noch so schön spielen, am Ende zählen einfach Ergebnisse. Wir müssen unsere Chancen konsequenter nutzen. Gerade in den ersten fünf Minuten hatten wir zwei Chancen. Wenn wir da 1:0 in Führung gehen, läuft das Spiel vielleicht anders. So macht Fürth mit der ersten Chance das Tor.

bundesliga.de: Hätte Union nicht auch einen Punkt holen können?

Mattuschka: Ich denke nicht. Fürth hatte auch in der ersten Halbzeit noch zwei, drei weitere Riesenchancen, wo wir gerade noch retten konnten. Nach einem 0:4 kann man einfach nichts schönreden. Wir müssen das auswerten und dann aus dem Kopf kriegen. Dann bin ich mir sicher, dass wir zeigen, was wir drauf haben und unsere Spiele auch gewinnen.

bundesliga.de: Wie war es beim Elfmeter in der 76. Minute - letzte Woche hat Neuzugang Silvio erfolgreich einen Strafstoß geschossen. Haben Sie vorher noch mit ihm gesprochen?

Mattuschka: Ja, wir haben kurz gesprochen. Er meinte, ich soll schießen. Ich habe mir den Ball genommen und ihn dann leider nicht reingemacht. Das ist bitter, das tut mir leid. Vielleicht haben wir heute einfach nichts anderes verdient.

Das Gespräch führte André Anchuelo