Freiburg - Mit dem SC Freiburg steht ein Team als Herbstmeister fest, das viele Konkurrenten für die derzeit beste Mannschaft der Zweiten Liga halten. Doch im Lager der Gepriesenen will man auch nach dem souveränen 3:0-Sieg gegen Union Berlin keine Lobhudeleien hören.

Christian Streich schaute ein wenig skeptisch drein, als sein Berliner Kollege Sascha Lewandowski den SC über den grünen Klee lobte. Schließlich ist es dem Freiburger Trainer alles andere als Recht, wenn die Konkurrenz allzu positiv über sein Team spricht, das er selbst ja "gar nicht so stabil" findet, wie die Konkurrenz das gerne darstellt. Doch selbst der kritische SC-Trainer war "sehr zufrieden" mit dem, was seine Mannschaft da beim 3:0 gegen Union Berlin gezeigt hatte: Nicht mehr und nicht weniger als einen blitzsauberen 3:0-Sieg nämlich, der der würdige Abschluss einer Hinrunde war, die der SC als Tabellenführer beendet.

Nicht nur Petersen knipst

Freiburg ist somit Herbstmeister der Spielzeit 2015/2016. Und das mit 35 Zählern und einer Tordifferenz von 39 zu 20 Treffern – mehr Tore erzielte keiner der 18 Zweitligisten. Doch damit nicht genug der Superlative: Auch der Torschützenkönig der Hinrunde spielt im SC-Dress: Nils Petersen steuerte allein 15 der 39 Freiburger Treffer bei.

Typisch für Christian Streich ist es allerdings, dass er nach dem Spiel nicht diesen Rekord (15 Tore in 16 Spielen bedeuten eine Torquote von 0,94 Treffern pro Spiel) hervorhob, sondern die Tatsache, dass "der Nils" gegen Union eben nicht einen einzigen Torerfolg zu verzeichnen hatte. Stattdessen trafen Mike Frantz (20.), Marc-Oliver Kempf (30.) und Immanuel Höhn (69.), zwei Verteidiger und ein Mittelfeldmann also.

Freiburger Spiel ist schwer auszurechnen

Dass sich somit insgesamt zehn SC-Spieler in die Torschützenliste eintragen konnten, ist aus Sicht des SC-Coachs dann auch ein weiteres gutes Zeichen, spricht es doch für die Variabilität des Freiburger Spiels, das eben nicht einseitig auf seinen Top-Scorer zugeschnitten ist. Viel wichtiger, findet Streich, ist es sowieso, sich im Laufe des Wettbewerbs kontinuierlich weiterzuentwickeln und die Konzentration bis zum letzten Spieltag hochzuhalten.

"Es ist eine Entwicklung zu sehen", freute sich dann auch Freiburgs Mittelfeldspieler Mike Frantz nach dem Spiel gegen die dichtgestaffelte Berliner Defensive. "Es ist mit das Schwerste im Fußball, gegen tiefstehende Mannschaften zu spielen. Das hat heute aber gut geklappt." Überhaupt habe man sich im Laufe der Saison stetig verbessert. "Das Trainerteam bereitet uns auf jeden Gegner optimal vor", verriet der ehemalige Nürnberger. Jeder Spieler gehe deshalb in eine Trainingswoche mit der Gewissheit, gegen jeden Konkurrenten bestehen zu können. Auch gegen das ungewöhnliche 5-1-3-1-System der Berliner, das nach Auskunft von Streich so schwer zu bespielen sei, dass man sich die "ganze Woche über im Training" darauf eingestellt habe.

Ein Trainer, "der immer motzt"

Streich, der noch am vergangenen Donnerstag betont hatte, dass er ein Trainer sei, "der immer motzt", hatte am Samstag dann auch alle Mühe, seine verbale Zurückhaltung aufrecht zu erhalten. Am Auftritt der eigenen Elf gab es am Samstag jedenfalls auch für den gestrengen Trainer nicht das Geringste auszusetzen. Da bleibt also nur die Warnung vor einer "absolut unberechenbaren Liga", in der jeder jeden schlagen könne und in der auch sein Sportclub "in einigen Spielen weit mehr Probleme hatte" als der Tabellenstand glauben lassen würde. 

Eines steht jedenfalls fest. Sollten die Freiburger Spieler weiterhin so konzentriert zu Werke gehen wie sie das in den allermeisten der vergangenen 17 Partien taten, könnte der komfortable Vorsprung auf einen Nicht-Aufstiegsplatz dann doch mehr sein als die "erfreuliche Momentaufnahme", von der Immanuel Höhn nach dem Spiel sprach. Auch im Lager der Köpenicker traut man den Freiburgern den Aufstieg jedenfalls ohne Umschweife zu: "Das war heute die beste Mannschaft, gegen die wir bislang gespielt haben", sagte Union-Kapitän Benjamin Kessel. Klingt also, als hätte der SC ganz gute Chancen, in der kommenden Spielzeit wieder gegen Hertha statt gegen Union spielen zu dürfen.

Aus Freiburg berichtet Christoph Ruf