Ein Sprichwort sagt: "Zum Erfolg gibt es keinen Lift. Man muss die Treppe benutzen." Doch während manche Menschen offenbar eine Rolltreppe finden und nahezu mühelos ans Ziel gelangen, waren in Lukas Sinkiewicz´ Treppe bisher mehrere Stufen morsch oder fehlten sogar komplett. Denn immer wieder wurde der 24-Jährige auf dem Weg nach oben durch Rückschläge ausgebremst.

Dabei begann die Karriere des gebürtigen Polen sehr verheißungsvoll: Schon in seiner Jugend spielte er für den 1. FC Köln, wechselte später in die zweite Mannschaft und bekam in der Saison 2003/04 seine ersten vier Einsätze als Innenverteidiger im Profiteam. Außerdem spielte Sinkiewicz, der die doppelte Staatsbürgerschaft besitzt, ab 2004 in der deutschen U-21-Nationalmannschaft.

Für den Defensivmann ging es erfolgreich weiter, vom damaligen Bundestrainer Jürgen Klinsmann wurde er am 23. August 2005 erstmals in den Kader der A-Nationalmannschaft berufen. Sein erstes Länderspiel bestritt er nur wenige Tage später, am 3. September, bei der 0:2-Niederlage gegen die Slowakei.

Schönes Geschenk zur Rückkehr

Beim 1. FC Köln war die Freude über einen weiteren Nationalspieler aus den eigenen Reihen groß. Viele Experten sagten ihm eine große Karriere voraus. Auch Kölns Präsident Wolfgang Overath war davon überzeugt, dass Sinkiewicz ein Mann für die WM 2006 sei.

Doch dann kam alles ganz anders: Bei der U-21-Europameisterschaft im Mai 2006 riss sich Sinkiewicz im Gruppenspiel gegen Portugal das vordere Kreuzband im rechten Knie. Außerdem wurde der Meniskus stark beschädigt. Die Weltmeisterschaft in Deutschland war ab sofort kein Thema mehr. Bis zum Jahresende fiel er aus.

Sinkiewicz zeigte anschließend, seine Kämpfernatur und arbeitete sich zur Rückrunde der Saison 2006/07 wieder in Kölns Startelf. Diese Rückkehr wurde ihm außerdem mit der Wahl zum Mannschaftskapitän versüßt.

Immer wieder Verletzungen

Dass Sinkiewicz keinen Stillstand ertragen kann, bewies er nach der Saison erneut: Da dem 1. FC Köln der Aufstieg in die Bundesliga nicht gelungen war, wechselte er zu Bayer Leverkusen, wo er die Lücke schließen sollte, die der Brasilianer Juan durch seinen Weggang hinterlassen hatte.

Doch auch auf der anderen Seite des Rheins lief es für den ambitionierten Defensivmann alles andere als rund: Wieder warfen ihn mehrere Verletzungen zurück: Im Mai 2008 war es ein erneuter Kreuzbandriss, der ihn zu einer sechsmonatigen Pause zwang, im Juli des vergangenen Jahres zog er sich in der Vorbereitung während eines Testspiels einen Muskelfaserriss zu.

Danach konnte er sich keinen Stammplatz mehr in der Elf von Trainer Jupp Heynckes erkämpfen – lediglich sieben Spiele bestritt er in der Saison 2009/10 für Leverkusen, ein einziges Mal davon stand er in der Startelf.

Nicht mit dem Mittelmaß zufrieden

Dass ihm das nicht genügt, ist verständlich. Nun wagt Sinkiewicz den nächsten Schritt. In die 2. Bundesliga. In der kommenden Saison spielt er beim FC Augsburg. "Es war für mich eine sehr schöne Zeit in Leverkusen, aber mit meiner Situation konnte ich natürlich nicht zufrieden sein", begründete der 24-Jährige den Wechsel.

Der Abwehrspezialist, dessen wichtigste Eigenschaft nach eigener Aussage der große Ehrgeiz ist und der sich nicht mit dem Mittelmaß zufrieden gibt, sieht den Schritt in die 2. Bundesliga nicht als Rückschritt, er freut sich auf seine neue Aufgabe: "Ich möchte mithelfen, den FCA in die Bundesliga zu bringen", sagte er.

Das kommt den Verantwortlichen des FCA sehr gelegen, schließlich verpasste die Mannschaft von Trainer Jos Luhukay in der vergangenen Saison nur knapp den Aufstieg und will in der neuen Saison wieder angreifen.

Sinkiewicz kommt zu guten Bekannten

"Wir freuen uns, dass Lukas sich für uns entschieden hat. Er ist im Defensivbereich auf mehreren Positionen einsetzbar. Lukas wird uns mit seiner Qualität nochmals ein Stück weiter nach vorne bringen", freute sich Luhukay über den Transfer. Er und Augsburgs Geschäftsführer Andreas Rettig kennen Sinkiewicz schon aus der gemeinsamen Zeit beim 1. FC Köln. Luhukay war dort zwischen 2002 und 2005 Co-Trainer, Rettig fungierte in derselben Zeit als Manager.

Bleibt nur zu hoffen, dass Sinkiewicz dieses Mal von Verletzungen verschont bleibt und eventuelle morsche Stufen überspringen kann.

Isabell Groß