Cottbus - Es war ein denkwürdiger Abend im Stadion der Freundschaft, der die knapp 10.000 Fans begeistert und zwei bemitleidenswerte Übungsleiter ratlos zurückließ. "Alle Fußballverrückten im Stadion gehen nach so einer Partie sehr zufrieden nach Hause", sagte KSC-Coach Markus Schupp nach und fügte hinzu: "Bis auf die zwei Trainer."

Mit 0:2 war sein Team nach Toren von Nils Petersen (1.) und Marc-Andre Kruska (16.) früh in Rückstand geraten, in sensationeller Manier wendeten die Badener anschließend das Blatt: Macauley Chrisantus (26.), Michael Mutzel (29.), Anton Fink (34. ), Alexander Iashvili (40.) und Timo Staffeldt (55.) trafen für Karlsruhe. Nachdem beim Stand von 2:5 alles auf einen Gäste-Sieg hindeutete, schlugen die Hausherren zurück: Jiayi Shao (66.), Petersen (70.) mit seinem vierten Saisontor und Jules Reimerink (73. ) bescherten Cottbus in der Schlussphase doch noch einen Zähler.

Mit dem Torreigen sorgten die Teams für ein Novum: Es war das torreichste Montagsspiel, das je in der eingleisigen 2. Bundesliga ausgetragen wurde. "Ich weiß gar nicht, ob das heute etwas zum Freuen ist", lautete anschließend die erste Einschätzung von Energie-Coach Claus-Dieter Wollitz.

"Im Rückwärtsgang eine Katastrophe"

Sein Team hatte nach einem frühen Zwei-Tore-Vorsprung die Chance auf den dritten Saisonsieg verspielt, andererseits am Ende nach einem Drei-Tore-Rückstand einen Punkt gerettet. "Wir wissen sehr genau, dass unser Spiel im Rückwärtsgang eine Katastrophe war", räumte FCE-Verteidiger Markus Brzenska ein.

Und Torhüter Thorsten Kirschbaum meinte: "Unsere Ordnung fehlte, ebenso die Bindung zum Spiel." Der Keeper hatte mit einer starken Parade gegen den Karlsruher Christian Timm sogar noch das mögliche 5:6 verhindert. Cottbus' Trainer "Pele" Wollitz konnte der atemberaubenden Partie am Ende deshalb durchaus Positives abgewinnen: "Der Gegner war besser, wir haben glücklich 5:5 gespielt", sagte der 45-Jährige: "Da kann man dann natürlich auch von Moral sprechen."

"Das war sehr enttäuschend"

Mehr Grund sich zu ärgern hatten ohnehin die Karlsruher, die sich eine knappe halbe Stunde vor Schluss als sicherer Sieger wähnten: "So ein Spiel habe ich noch nie erlebt", sagte Trainer Schupp: "Ich ärgere mich sehr. Wenn man fünf Tore auswärts schießt, dann muss man die drei Punkte mitnehmen."

Mit dem zweiten Sieg in Folge hätten die Karlsruher das 1:4-Debakel am ersten Spieltag gegen Fürth vergessen machen können. So bleibt ein bitterer Beigeschmack. "Das war sehr enttäuschend", bilanzierte KSC-Mittelfeldspieler Timo Staffeldt: "Es waren nicht nur individuelle Fehler, die ganze Mannschaft hat nicht funktioniert in den letzten 20 Minuten."

Ein Blick auf die Zweitligahistorie verrät: Es hätte noch schlimmer kommen können für die Badener. St Pauli verlor 1984/85 trotz 4:1-Halbzeitführung bei Hessen Kassel noch mit 4:5. Und trotz fünf erzielter Tore zog Fortuna Köln 1989 gegen Wattenscheid mit 5:6 den Kürzeren. 1997 war es dann der SV Meppen, der sich sogar mit noch einem Tor mehr Kaiserslautern geschlagen geben musste. 7:6 siegte damals der spätere Meister FCK.

Andreas Messmer