Die Ersten kamen gegen sechs Uhr morgens. Vier Stunden später hatten sich rund 4000 Fans des FC St. Pauli in langen Schlangen vor den Verkaufsschaltern am Millerntor-Stadion eingefunden. Um sich eine der knapp 3000 Karten für das DFB-Pokalspiel beim SV Werder Bremen am 23. September zu sichern.

Keine Frage: Die Fans der Hamburger stehen derzeit hinter ihrem Kiezklub wie zu besten Zeiten. Natürlich auch beflügelt durch den hervorragenden Start in der 2. Bundesliga, die der FC St. Pauli nach vier Spieltagen anführt.

Lebenslange Dauerkarte

"Der Fan-Zuspruch ist größer als im Vorjahr, das stimmt. Aber es sind schon für das erste Auswärtsspiel nach Aachen fast alle Tickets für Pauli-Fans verkauft worden. Und da standen wir noch nicht ganz oben und das war an einem Montagabend", sagt Olli (42), Hamburger und Fan der Braun-Weißen seit über 20 Jahren.

Olli gehört zu den etwa 350 Anhängern, die im Besitz einer lebenslangen Dauerkarte sind: "2005 in der Regionalliga, als es dem Club finanziell nicht so gut ging, wurde dieses Angebot gemacht: 1910 Euro kostete die Karte. 1910 ist das Gründungsjahr von St. Pauli."

Legendäre "Retter-Aktion"

Die lebenslange Dauerkarte war nicht die erste ungewöhnliche Aktion, mit der sich Fans und Verein gegenseitig unter die Arme griffen. Schon 2003 hatte St. Pauli durch die unvergessene "Retter-Aktion" fast 2 Millionen Euro einnehmen und damit den drohenden Lizenzentzug vermeiden können. Seinerzeit wurden mehr als 140.000 "Retter"-T-Shirts verkauft, der FC Bayern kam zum Benefizspiel ins Stadion am Millerntor.

Traditionell engagiert sich ein Großteil der Pauli-Fans über den Fußball hinaus sozial und politisch. Tradition wird besonders groß geschrieben in dem außergewöhnlichen Profi-Club, der unter seinem offiziellen Logo den Satz "Non established since 1910" führt.

Fans begrüßen Umbau des Millerntor-Stadions

Doch Tradition bedeutet nicht Stillstand, und so wird der Umbau des Millerntor-Stadions von der Mehrheit der Hamburger Fans ausdrücklich begrüßt. "Die Notwendigkeit, dass hier was passieren musste, war jedem klar, das Stadion entsprach einfach nicht mehr den Anforderungen für den Profifußball. Es wurden dann ja auch die verschiedensten Fan-Gruppierungen in die Planungen einbezogen. Wichtig war allen, dass sehr viele Stehplätze erhalten bleiben", erklärt Olli. Etwa 15.000 sollen es nach dem Umbau sein.

Nachdem diverse Um- und Ausbaupläne des Millerntor-Stadions in der Vergangenheit verworfen wurden, begann im Mai 2007 tatsächlich der Neubau der Südtribüne, die offiziell am 18. Juli 2008 mit einem Spiel gegen die kubanische Nationalmannschaft eröffnet wurde. Bis 2014 soll der Umbau abgeschlossen sein und Platz für 27.000 Besucher bieten.

Soziales und integratives Miteinander

Typisch St. Pauli, dass der Name "Millerntor-Stadion" nicht zu Zwecken der Werbung, des Sponsorings, der sonstigen Erhöhung der finanziellen Einnahmen oder als Gegenleistung für finanzielle Zuwendungen an den Verein oder verbundene Gesellschaften verkauft, erweitert oder verändert werden darf. Dies beschlossen die Mitglieder des FC St. Pauli auf der Jahreshauptversammlung am 18. November 2007 mit großer Mehrheit.

Die überaus enge Verbindung zwischen Fan und Verein kommt besonders durch die Abteilung Fördernde Mitglieder (AFM) mit ihren über 4000 Mitgliedern zum Ausdruck. Die AFM fördert Projekte in der Nachwuchsarbeit des Vereins und engagiert sich für ein soziales und integratives Miteinander.

Jugendarbeit trägt Früchte

"Dadurch hat sich in der Jugendarbeit sehr viel getan. Dennis Daube hat jetzt den Sprung aus der eigenen Jugend in den Profikader geschafft, Davidson Drobo-Ampem ist sogar Stammspieler. Das freut uns Fans natürlich besonders", sagt Olli.

Wie viele andere "Paulianer" ist Olli überzeugt, dass der Höhenflug seines Clubs kein Zufall ist: "Hut ab, was die sportliche Leitung für Transfers getätigt hat. Ich traue der Mannschaft einiges zu. Trainer Holger Stanislawski ist eine absolute Integrationsfigur auf St. Pauli!"

Fünfter Bundesliga-Aufstieg?

Ein Aufstieg in die Bundesliga wäre für den Club nichts Neues. Schon vier Mal gelang dem FC St. Pauli das Kunststück, die letzte Bundesliga-Spielzeit 2001/02 liegt auch nicht allzu weit zurück.

"Es wird wieder Zeit, nach oben zu kommen - und endlich mit St. Pauli in die neuen Bundesliga-Stadien zu fahren."