Spiele auf dem Aachener Tivoli sind nicht nur für Fans und Spieler der Alemannia immer wieder etwas Besonderes. Auch bei den gegnerischen Zuschauern steht das Fußball-Stadion des TSV Alemannia Aachen für außergewöhnliche Stimmung, intensive Momente und ein ganz spezielles Flair.

Nach über 81 Jahren hat die trotz zahlreicher Modernisierungen in die Jahre gekommene Arena nun Abschied vom Profi-Fußball genommen und dient zukünftig nur noch der Aachener Reserve als Heimspielstätte.

Die Partien in der 2. Bundesliga werden jetzt im neu errichteten Tivoli unweit des Originals ausgetragen. Der legendäre und nun übernommene Name des Stadions stammt von dem früheren großen "Gut Tivoli" in der Nähe, dessen Park an die Gärten des italienischen Ortes Tivoli erinnerte.

Modernisierung zum Jubiläum

Obwohl das neue Stadion denselben Namen trägt, bleibt die Geschichte des 1928 fertiggestellten Tivolis einzigartig. Das Eröffnungsspiel vor 10.000 Zuschauern im ausverkauften Rund an der Krefelder Straße wurde gegen Preußen Krefeld mit 4:3 gewonnen. Zum 25. Geburtstag wurde der Tivoli erstmals umfangreich modernisiert.

Eine zusätzliche Stehplatztribüne wurde ebenso errichtet wie der berühmte Spielertunnel, durch den die Fußballer bis heute den Rasen betreten. 1957, vier Jahre nach dem ersten Ausbau, wurde der Tivoli erneut erweitert. Die Sitzplätze erhielten eine Überdachung, eine Flutlichtanlage wurde installiert und die Stehplatztribüne wurde vergrößert, so dass im Einweihungsspiel gegen Espanyol Barcelona (2:4) 32.000 Zuschauer Platz finden konnten.

Legendäre Streichholzparade

Durch das neue Flutlicht erhielt bei Abendspielen auch die Streichholzparade Einzug in das legendäre Stadion: Die Flutlichtmasten wurden für eine kurze Zeit ausgeschaltet und die Zuschauer verwandelten mit angezündeten Streichhölzern, Wunderkerzen und Feuerzeugen den Tivoli in ein Lichtermeer. Nachdem 1980 die Stehplätze überdacht wurden, dauerte es 19 Jahre, ehe der Aufstieg in die 1. Bundesliga eine erneute Modernisierung unausweichlich machte: Der Rasen wurde ausgetauscht, eine Rasenheizung installiert und der Höhenunterschied des Spielfelds beseitigt.

Zudem erhielten die Flutlichter stärkere Lampen und die Tribünen wurden durch Zäune voneinander getrennt. Im Winter 1999 sorgte dann ein Geschenk für große Freude bei den Aachener Verantwortlichen: Der niederländische Verein Roda Kerkrade spendierte der Alemannia die alten Plastik-Sitzschalen aus dem Roda-Stadion, die im Tivoli auf die alten Holzbänke geschraubt wurden, ehe sie 2004 im Zuge der letzten Renovierung des Tivolis ausgetauscht wurden.

Meijer blickt gern zurück

"Es ist jedes Mal ein geiles Gefühl, wenn sich die schwarz-gelbe Welle ihren Weg aus der Stadt zum Stadion bahnt, die meisten zu Fuß. Wenn du über den Hügel kommst und das Flutlicht brennt – unbeschreiblich. Da fängt mein Motor an zu laufen, das Adrenalin ist plötzlich da", beschreibt Stürmer Erik Meijer seine Beziehung zum Tivoli, auf dem er durch den Sieg gegen Bayern München mit der Alemannia das DFB-Pokal-Endspiel 2004 erreichte und somit die Qualifikation für den Uefa-Cup glückte.

Mit einem Spiel und 3:2-Sieg gegen Werder Bremen wurde der alte Tivoli am 26. Juli verabschiedet, in Anlehnung an die unvergessliche DFB-Pokalbegegnung 1986 auf dem Tivoli, als Bremens Torhüter Dieter Burdenski vor 21.000 elektrisierten Zuschauern den entscheidenden Elfmeter verschoss.

0:5 zur Premiere

"Der Stehplatzbereich ist das Zuhause eines Stadions", sagt Architekt Stefan Nixdorf, der mit der über 10. 000 Zuschauern Platz bietenden Südtribüne die Stimmung aus der alten Spielstätte in die neue Arena übertragen möchte. Von den 32.900 Plätzen entfallen insgesamt 11.681 auf den Stehbereich. Dies stellt die höchste Stehplatz-Quote der neu gebauten Arenen in Deutschland dar.

Nur einen Steinwurf vom alten Tivoli entfernt wurde die neue, im traditionellen Gelb gehaltene Arena, mit fünf Trainingsplätzen inmitten des Sportpark Soers errichtet. Somit bietet sich auch für neue Spielergenerationen die Anfahrt zum legendären Tivoli, die einst Erik Meijer zu sportlichen Glanzleistungen animierte.

Die Premiere des neuen Tivoli in der 2. Bundesliga ging allerdings gründlich daneben für die Alemannia. Am Montag, den 17. August erlebten 32.900 Zuschauer eine 0:5-Heimniederlage der Schwarz-Gelben gegen den FC St. Pauli!