Fürth - Mike Büskens löste zu Beginn der Woche Frank Kramer als Cheftrainer der Spielvereinigung Greuther Fürth ab. Im Interview mit www.bundesliga.de erläutert er seine Vorstellungen und Ziele und erklärt, warum er zunächst nur bis zum Saisonende unterschrieben hat.

bundesliga.de: Herr Büskens, in Ihrer ersten Zeit in Fürth haben Sie überlegt, ob Sie Ihre Familie aus Gelsenkirchen nachholen wollen. Diese Überlegung entfällt jetzt wohl, oder? Schließlich gilt Ihr Vertrag zunächst nur bis Saisonende.

Mike Büskens: Wir fokussieren uns total auf die zwölf Spiele. Wir richten eine heiße Leitung zwischen Fürth und unserem Haus in NRW ein, und zu den Heimspielen wird meine Familie natürlich als Unterstützung kommen.

"Es gibt keine Option. Für beide Seiten nicht"

bundesliga.de: Gibt es Absprachen zwischen Ihnen und Präsident Helmut Hack, welches Ziel erreicht werden muss, damit sich der Vertrag verlängert?

Büskens: Es gibt keine Option, für keine von beiden Seiten. Wir haben jetzt das Ziel, uns möglichst schnell von unten herauszuarbeiten. Was die Zukunft dann angeht, werden wir im Sommer ganz in Ruhe schauen. Das war übrigens mein Wunsch, weil es jetzt darum geht, aus dieser schwierigen Situation gemeinsam rauszukommen und um nichts anderes.

bundesliga.de: Vor der Saison gingen zahlreiche Leistungsträger. Ist wirklich so viel mehr drin, als das, was Frank Kramer erreicht hat?

Büskens: Ich schätze Frank als Menschen und als Trainer sehr. Oftmals hängt das Schicksal von uns Trainern an Kleinigkeiten. Springt der Ball vom Innenpfosten rein oder raus? Was letztendlich möglich ist, wird man sehen.

bundesliga.de: Vor allem die Leistungen zu Hause und die Torflaute dort gab Anlass zur Kritik. Wo wollen Sie den Hebel ansetzen?

Büskens: Es ist doch überhaupt keine Frage, dass wir versuchen werden, nach vorne wieder zwingender zu agieren. Die defensive Stabilität der vergangenen Wochen wollen wir dabei natürlich nicht verlieren.

"Der Betzenberg ist eine Herausforderung"

bundesliga.de: Kreativität kommt auch nach Erfolgserlebnissen. Wie misslich ist es da, dass Ihr erstes Spiel bei einem Aufstiegsaspiranten ist?

Büskens: Was wäre denn ein besseres Spiel? Die Liga ist doch ohnehin so ausgeglichen, das hat letztes Wochenende auch der FSV Frankfurt beim Sieg gegen den FCK gezeigt. Uns ist sehr wohl bewusst, dass Kaiserslautern zu den stärksten Teams der Liga gehört. Aber wir werden trotzdem nicht im Vorfeld schon die Flinte ins Korn werfen. Wir fahren überall hin, um etwas mitzunehmen. Der Betzenberg ist doch für jeden Fußballer eine Herausforderung.

bundesliga.de: Sie setzen in Ihrem Trainerstab wieder auf Mirko Reichel als Assistenten. Wieso?

Büskens: Es war keine Entscheidung gegen Mirko Dickhaut, sondern eine für Mirko Reichel, weil ich Mirko aus meiner ersten Amtszeit nicht nur als Kollege sondern auch als Freund sehr schätze. Ansonsten kenne ich auch Tobias Gitschier noch von früher. Manfred Düring und Torwarttrainer Frederik Gößling muss ich noch kennenlernen, beziehungsweise meine neue Kollegen auch mich. Der erste Eindruck ist aber sehr positiv.

"Hier ist wahsinnig viel entstanden"

bundesliga.de: Was hat sich verändert, seit Sie weg sind? Was sagen Sie zu den neuen Trainingsbedingungen?

Büskens: Vor allem die Infrastruktur. Das neue Trainingszentrum, das neue Nachwuchsleistungszentrum, die neue Geschäftsstelle – da ist wahnsinnig viel entstanden, auf das der Verein sehr stolz sein kann. Die Grundlage für diese tolle Infrastruktur haben wir damals alle zusammen in der erfolgreichen Phase von 2010 bis 2013 gelegt. Und so gab es für mich dann doch noch ein bisschen was Neues zu entdecken.

bundesliga.de: Haben Sie die Liga in den vergangenen Monaten beobachtet? Wer steigt auf, wen schätzen Sie stark ein?

Büskens: Natürlich habe ich die Zeit genutzt, um viele Spiele anzuschauen, in NRW haben wir ja doch den einen oder anderen Erst- und Zweitligastandort. Ich denke, nach 22 Spieltagen lügt die Tabelle nicht. Die ersten sechs, sieben in der Tabelle sind alle in der Lage aufzusteigen.

Das Interview führte Christoph Ruf