Berlin hat endlich wieder zwei Proficlubs. Doch während man bei Hertha BSC zittert, herrscht beim 1. FC Union Berlin große Euphorie. Nach elf Spieltagen steht der Aufsteiger auf einem sensationellen 4. Platz in der 2. Bundesliga.

Der 1:0-Sieg gegen den FSV Frankfurt am vergangenen Spieltag war bereits der siebte "Dreier" der Berliner. Einer der Aufstiegshelden und jetzigen Leistungsträger der "Eisernen" ist Karim Benyamina.

Der in Berlin aufgewachsene Angreifer spricht im Interview mit bundesliga.de über die Tugenden, die die Unioner so erfolgreich machen und das anstehende Gastspiel in Karlsruhe. Außerdem erklärt Benyamina, warum Berlin auch eine Fußballhauptstadt ist.

bundesliga.de: Herr Benyamina, gegen den FSV Frankfurt dominierte Union mit 18:7 Torschüssen. Am Ende hieß es aber "nur" 1:0. War das Spiel ein schweres Stück Arbeit?

Karim Benyamina: Ja, das war es. Aber wir haben es gewonnen und das zählt am Ende. Manchmal muss man sich eben durchbeißen. Das haben wir getan und nun geht es weiter.

bundesliga.de: Nach einem kurzzeitigen Tief mit zwei Niederlagen in Folge hat Union nun wieder zwei Spiele in Serie gewonnen. Manch ein Aufsteiger bleibt in solch einem Loch stecken. Wie hat sich Union da wieder rausgespielt?

Benyamina: Wir haben uns nicht verrückt machen lassen. Wir waren in den Spielen gegen Duisburg und Fürth ja nicht klar unterlegen. Wir haben in beiden Partien entscheidende Fehler gemacht, aber wir hatten auch unsere Chancen. Darauf aufbauend haben wir einfach ruhig weitergearbeitet.

bundesliga.de: Sie selbst sind in Berlin groß geworden. Für welchen Verein hat ihr Herz als Junge, der im Märkischen Viertel aufgewachsen ist, damals geschlagen?

Benyamina: Das war die große Zeit von Borussia Dortmund! Deutscher Meister, Champions-League-Sieger: Daran kam man damals kaum vorbei, die fand ich gut.

bundesliga.de: Berlin ist ja mehr oder weniger in zwei Lager gespalten. Die einen Fans jubeln mit Union, die anderen zittern mit der Hertha. Denken Sie, dass Berlin langsam aber sicher auch zu einer Fußballhauptstadt wird?

Benyamina: Fußball hat hier schon immer eine große Rolle gespielt, aber natürlich hilft es, wenn zwei Teams im Profibereich spielen. Eine gesunde Rivalität schafft immer auch öffentliches Interesse und jetzt kann man sich eben positionieren: rot-weiß oder blau-weiß. Natürlich konkurriert in Berlin Fußball mit anderen Sportarten und einem riesigen Freizeitangebot, aber es gibt keine Rivalität, die größer ist.

bundesliga.de: Mit 78 Treffern sind Sie der beste Torschütze in der Unioner Vereinsgeschichte. Macht Sie das stolz? Und können Sie sich überhaupt vorstellen, eines Tages Berlin zu verlassen?

Benyamina: Natürlich macht mich das stolz. Ich bin jetzt auch schon einige Jahre in Berlin und habe mich konstant weiterentwickelt und immer wieder durchgesetzt. Im Moment läuft es einfach gut und ich sehe keinen Grund, Berlin zu verlassen. Ich weiß aber, dass man im Profifußball mit allem rechnen muss. Wer weiß schon, was die Zukunft bringt.

bundesliga.de: Man könnte meinen, jetzt warten die "Wochen der Wahrheit" auf Union. Sind die Spiele gegen den KSC, Lautern, St. Pauli, Cottbus und Bielefeld echte Wegweiser?

Benyamina: Sie sind genauso wegweisend wie die Spiele gegen Oberhausen, Frankfurt oder Aachen. Es gibt für jedes Spiel drei Punkte und jede Mannschaft hat die Chance, sie zu holen. Klar dominieren im Moment Bielefeld und Kaiserslautern, aber wir haben in jedem Spiel eine Chance.

bundesliga.de: Zuerst geht es gegen den KSC, der seit fünf Spielen auf einen Sieg wartet. Wo sehen Sie die Stärken, beziehungsweise die Schwächen der Badener?

Benyamina: Karlsruhe ist eine erfahrene Mannschaft, die sich den Saisonstart ganz bestimmt anders vorgestellt hat. Wir werden die Stärken und Schwächen vor dem Spiel sicherlich noch genauer betrachten, aber wir wollen vor allem unser Spiel machen.

bundesliga.de: Und wie muss Union dort auftreten, um erfolgreich zu spielen?

Benyamina: Wie immer: hoch konzentriert, mit Leidenschaft und Kampfgeist. Wir gewinnen keine Spiel im Vorbeigehen, sondern nur mit absoluter Hingabe. Wenn wir auf den Punkt unsere Leistung abrufen, dann haben wir es selbst in der Hand.

bundesliga.de: Für einen Aufsteiger hat der Klassenerhalt immer oberste Priorität. Aber angenommen die "Eisernen" meistern auch die kommenden Hürden mit Bravour, muss man dann über größere Ziele nachdenken?

Benyamina: Ich wüsste nicht warum. Wir gehen in jedes Spiel mit dem Ziel, zu gewinnen. Wenn man das schafft, steigt man auf. Jeder weiß aber, dass das gar nicht möglich ist, also lassen wir es auf uns zu kommen. Wir haben jetzt 23 Punkte - damit hat noch niemand die Klasse gehalten. Lassen Sie uns mal 40 haben und dann gucken wir, welcher Spieltag es ist. Sollte es dann noch Fragen geben, können Sie mich ja nochmal anrufen.

Die Fragen stellte Sebastian Stolz