München - "Ich werde sicher nicht sagen, dass wir aufsteigen, damit sind wir oft genug auf die Schnauze gefallen", sagte 1860 Münchens Präsident Dieter Schneider, als er auf die Qualität seiner Neuzugänge angesprochen wurde. Aber alles andere als ein Platz unter den ersten Drei als Ziel wäre mit diesem Kader eigentlich eine Überraschung.

Makos, Wojtkowiak, Stoppelkamp, Tomasov und Volz - der TSV hat sich qualitativ hochwertig verstärkt. Doch mit den fünf klangvollen Namen, dazu dem "gefühlten Neuzugang" Daniel Halfar, der endlich wieder fit ist, nicht genug: Mit Ismael Blanco hat der TSV auch noch Griechenlands zweimaligen Torschützenkönig verpflichtet. bundesliga.de stellt die bisherigen Neuzugänge der "Löwen" vor, die eines gemeinsam haben: das Ziel Bundesliga-Aufstieg.

Makos: EM-Star "ohne Schwächen"

Gestern EM-Viertelfinale gegen Özil, heute 2. Bundesliga mit 1860: Mit dem griechischen Nationalspieler Grigoris Makos hat Trainer Reiner Maurer seinen "Wunschsspieler" verpflichtet. "Wir haben einen Top-Mann bekommen, der praktisch keine Schwächen hat", erklärt der Coach. Der Mittelfeld-Zerstörer mit dem markanten Bart ist es gewohnt, Verantwortung zu übernehmen: Bei Panionios Athen trug er mit 19 die Kapitänsbinde, mit 21 hatte er über 100 Ligaspiele bestritten. Beim Top-Club AEK wurde er Pokalsieger, spielte Europa League. Nach der EM "gab es auch andere Angebote", sagt der 25-Jährige. "Aber ich habe mich gegen das Finanzielle und für die Vernunft entschieden." Sein Ziel: "Ich will in die erste Liga!"

Wojtkowiak: Nur Piszczek ist besser

In Polen hat er schon alles gewonnen: 2009 wurde Grzegorz Wojtkowiak mit Lech Posen Pokalsieger, 2010 Meister. Dort war der 28-Jährige Kapitän und spielte Europa Leauge. Bei der EM saß der Rechtsverteidiger (19 Länderspiele) nur auf der Bank, da mit Dortmunds Lukasz Piszczek der direkte Konkurrent zu stark war. Zudem schied Gastgeber Polen auch noch in der Vorrunde aus. Wojtkowiak: "Nach der EM stand ich wie unter Schock. Ich wollte eine Woche lang niemanden sehen und hören." Für 1860 war es sicherlich kein Nachteil. Der 28-Jährige stieß fit und verletzungsfrei zur Mannschaft. "Ich habe die EM verdaut, bin richtig heiß. Jetzt zählen nur noch die Löwen!" Schon im ersten Testspiel in Zürich (2:1) traf er per Kopf.

Stoppelkamp: Schlangen und Verlieren verboten

Beim Sieg in der Schweiz traf auch Moritz Stoppelkamp, der Neuzugang aus Hannover - sehr zur Freude von Maurer: "Er geht sehr geschickt in die Tiefe und bewegt sich gut vorne. Er ist jetzt im Sturm die erste Option neben Benny Lauth." Bei 96 kam der Angreifer mit der Schlangen-Phobie ("Ich hasse Schlangen!") nie richtig zum Schuss. Nach zehn Spielen als Stammspieler musste er seinen Platz wegen eines Außenbandrisses an Lars Stindl abgeben. Dennoch: "Die hätten mich gerne behalten. Aber ich sehe Sechzig als Chance. Der Club ist vom Anforderungsprofil her ein Erstligist." Denn "Stoppel" will immer gewinnen: "Egal ob auf dem Platz, beim Backgammon oder auf der Playstation. Sonst kann ich richtig unangenehm werden!"

"Ich hoffe, dass wir ganz schnell eine Wohnung finden, denn im Hotelzimmer kann ich nicht kochen." Die fehlende Küche ist für Moritz Volz, der bei Star-Koch Alfons Schubeck kürzlich "Die Küchenschlacht" gewonnen hat, ein großes Problem. Aber nicht nur hinterm Herd will er in München überzeugen. "Wir sind in der Lage aufzusteigen, das Potenzial ist da", sagt Volz, der als Linksverteidiger eingeplant ist. Mit 16 wechselte er zu Arsenal und blieb zehn Jahre auf der Insel. Dort wurde er Kultfigur - unter anderem, weil er mit dem Klapprad zum Training fuhr. Der Buchautor ("Unser Mann in England"), der sogar schin ein Mal im A-Kader Deutschlands stand, war auch bei St. Pauli Stammspieler, entschied sich aber für 1860.

Tomasov: Sukers Geheimtipp

"Ich bin immer noch geschockt! Den ersten Satz, den Trainer Reiner Maurer nach dem Kennenlernen zu mir gesagt hat, war: 'Welche Position möchten Sie spielen?'", erzählt Marin Tomasov. 1860 bemühte sich intensiv um den 24-Jährigen Kroaten, der sich mit seinem Arbeitgeber Hajduk Split überworfen hatte. Nach einer starken Hinrunde mit acht Toren und vier Vorlagen drängte ihn sein Club, seinen Vertrag zu verlängern, um ihn dann an den Höchstbietenden zu verschachern. Der Techniker stellte sich quer, wurde suspendiert und verpasste die Nominierung für Kroatiens EM-Kader. In einer "schweren Zeit" kam über Ex-1860-Profi Davor Suker der Kontakt nach München zustande. Trotz Tomasovs langer Pause sagt Maurer: "Er hat hervorragende Ausdauerwerte. Wir werden noch viel Freude an ihm haben."


Christoph Gschoßmann