Kaiserslautern - "Na klar", sagt Kosta Runjaic, "im Moment genießen wir den Blick auf die Tabelle." Euphorisch wirkt der Trainer des 1. FC Kaiserslautern aber nicht, als er diese Worte sagt. Das ist gerade erst ein paar Minuten alt, aber der 42 Jahre junge Runjaic ist ohnehin viel mehr ein Analytiker und Entwickler als einer, der sich in Emotionen suhlt.

Weil Köln gegen Ingolstadt verloren hat, steht der FCK nach dem Erfolg im Spitzenspiel erstmals in dieser Runde auf Tabellenplatz 1 und thront nun so erhaben auf dem Gipfel der zweiten Liga wie das Fritz-Walter-Stadion auf dem Betzenberg über der Stadt Kaiserslautern. Eine Momentaufnahme sei das, sagt Runjaic indes gelassen: "Erst im Mai zählt es." Doch natürlich nimmt der Trainer diesen schönen Moment gerne als Motivationshilfe mit auf den langen Weg zum erhofften Aufstieg. Die Fans feierten den Erfolg gebührend und riefen: "Wir wollen wieder in die erste Liga."

FCK braucht eine Halbzeit Anlauf



Gegen Union hat der FCK allerdings eine Halbzeit Anlauf gebraucht, um sein Spiel durchzudrücken. In der Analyse der Berliner war der Platzverweis für Deniz Özbek kurz vor dem Halbzeitpfiff spielentscheidend. Özbek traf beim Sprintduell mit dem Ellenbogen Olivier Occean ins Gesicht. Es war ein Platzverweis, den man geben kann, aber nicht muss. "Keine Absicht", mokierte sich Unions-Kapitän Torsten Mattuschka. Fakt ist: Nach der Roten Karte hatten die Berliner Lautern fast nichts mehr entgegenzusetzen.

Bis zum Pausenpfiff hatten die körperlich robusten Köpenicker mir drei defensiven Mittelfeldspielern und nur einer Spitze den Lauteren das Leben ziemlich schwer gemacht. Gegen zehn Gegenspieler aber spielten die Lauterer nicht nur schneller als in der ersten Halbzeit, sondern auch viel zielstrebiger. Aber auch das 1:0 für Lautern durch Occean (54.) nach einer Freistoß-Flanke von Chris Löwe war strittig. Hat der Torschütze Unions Innenverteidiger Fabian Schönheim vor der entscheidenden Ballberührung umgeschubst?

Union verspielt seine einzige Konterchance



Glaubt man Schönheim: Ja. Der ehemalige Lauterer erklärte: "Ich falle ja nicht aus dem Spaß an der Freude um." Allerdings hatten die Berliner mit ihrem einzigen gelungenen Konter in der zweiten Halbzeit die Chance, dem Spiel noch eine Wende zu geben. Ein technischer Fehler von Mattuschka aber machte diese zunichte.

Lautern schraubte in der Schlussphase das Ergebnis durch Tore von Florian Dick (79.) und Enis Alushi (87.) noch in die Höhe. Union Trainer Uwe Neuhaus wollte seiner Mannschaft keine großen Vorwürfe machen, sie habe in voller Stärke Lautern mit Disziplin das Leben schwer gemacht und das System gut umgesetzt. Die hohe Niederlage war am Ende eine Enttäuschung.

Lautern weniger abhängig von Idrissou



In der Pfalz herrscht nach dem verdienten Erfolg große Zuversicht, nicht von dem unter Runjaic eingeschlagenen Weg abzukommen. Zu stabil wirkt derzeit die Mannschaft derzeit - und im Vergleich zu früher auch kreativer. "Wir sind unberechenbarer geworden", sagt Runjaic. Die Abhängigkeit von Torjäger "Mo" Idrissou ist geringer geworden.

Trifft der Kameruner nicht, dann halt Occean – oder Zoller, oder Matmour, oder sogar Dick und der nach einer langen Verletzungspause wieder fitte Alushi. Und: Bei ruhenden Bällen ist der FCK seit Runjaics Amtsantritt deutlich gefährlicher geworden, neun der letzten 13 Tore resultierten aus Standardsituationen. Auch der Konkurrenzkampf stimuliert den Kader zusätzlich.

Wiedersehen im Pokal



Neben dem gesetzten Markus Karl im defensiven Mittelfeld können Jenssen, Ring und jetzt auch Alushi spielen. Gegen Union bot Runjaic in Zoller, Idrissou und Occean alle drei nominellen Stürmer auf. Als Alternativen stehen Gaus (gegen Union gesperrt) oder Fortounis für die Offensive zur Verfügung. Und hinten kehrt bald auch der verletzte Kapitän Marc Torrejon zurück.

Die Perspektive stimmt hoffnungsfroh, doch Runjaic warnt: "Wir müssen von Spiel zu Spiel denken. Schon nächste Woche in Dresden wartet ein guter Gegner." Und danach steht ja schon das DFB-Pokal-Achtelfinale ausgerechnet bei Union Berlin an. Union-Kapitän Mattuschka sagt: "Ich glaube auf dieses Pokalspiel ist nach dem Spiel in Lautern jetzt die ganze Mannschaft heiß."

Aus Kaiserslautern berichtet Tobias Schächter