Köln - Der 1. FC Nürnberg rollt das Feld von hinten auf. Nach dem Fehlstart mit nur zwei Punkten aus den ersten sechs Partien ist der Club seit sieben Spielen, darunter fünf Siege, ungeschlagen. Am Montag gastieren die Franken nun beim Tabellen-Zweiten VfB Stuttgart. Vor dem Hit gegen die Schwaben spricht Nürnbergs "Vorlagenkönig" Kevin Möhwald über den Saisonverlauf und die Ziele des FCN.

bundesliga.de: Kevin Möhwald, der 1. FC Nürnberg steht derzeit in der Tabelle im Niemandsland auf Platz 10. Aber der Trend der letzten Wochen geht nach sieben Spielen ohne Niederlage eindeutig nach oben. Wie ordnen Sie den aktuellen Stand ein?

Kevin Möhwald: Wir schauen im Moment gar nicht so sehr auf die Tabelle. Wir haben nach unserem verkorksten Saisonstart noch etwas gutzumachen und sind froh, dass wir sieben Spiele in Folge nicht verloren haben. Aber wir wissen auch, dass noch viel Luft nach oben ist. Das hat man in unserem letzten Heimspiel gegen Würzburg (das 2:2 endete, die Red.) gesehen. Es ist nicht einfach und auch keine Selbstverständlichkeit, Spiele zu gewinnen.

bundesliga.de: Sehen Sie Parallelen zur Vorsaison, als die Mannschaft erst später ins Rollen kam?

Möhwald: Ja, da haben Sie recht. Wir haben uns wieder auf die Basics besonnen, wollen kompakt stehen und so wenig wie möglich zulassen. Vorne haben wir genügend individuelle Qualität, um immer ein Tor erzielen zu können. Wir haben da eine sehr gute Statistik und in den letzten 34 Spielen immer getroffen. Darauf verlassen wir uns zwar nicht, aber wir haben es im Hinterkopf. Deswegen lautet unsere erste Devise, dass wir zu null spielen wollen.

bundesliga.de: Das hat am Anfang nicht geklappt, da gab es sogar in Braunschweig sechs und in Bochum fünf Gegentore. Lag das am Trainerwechsel und einigen Veränderungen im Mannschaftskader?

Möhwald: Es ist müßig, Gründe dafür zu suchen, warum es am Anfang nicht gut lief. Vermutlich hat auch noch die Relegation mit reingespielt. Wir haben versucht, das abzuhaken. Das haben wir inzwischen geschafft und sind froh, dass es jetzt wieder besser läuft. Den Trend der letzten sieben Spiele wollen wir fortsetzen. Eigentlich ging es ja sogar schon mit dem Spiel gegen Fürth los. Obwohl wir das noch leider verloren haben, war die fußballerische Leistung gut. Die Niederlage im Derby hat uns alle gekratzt. Aber seitdem sind wir auf dem richtigen Weg.

bundesliga.de: Auch bei Ihnen läuft es sehr gut. In der letzten Saison kamen Sie auf ein Tor und zehn Torvorlagen, in dieser stehen bereits zwei Treffer und sieben Assists zu Buche. Wie zufrieden sind Sie mit der Ausbeute?

Möhwald: Auch ich hatte einen holprigen Saisonstart und habe mich dann ebenfalls über die Konzentration auf die Basics zu meinem Spiel zurückgefunden. Das hat gut funktioniert. Ich bin froh, dass sich jetzt die Arbeit auf dem Platz auch im Ertrag widerspiegelt und hoffe, dass es so weitergeht.

"Wir müssen uns in der Winterpause neu formieren"

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bundesliga.de: Sind Sie der mannschaftsdienliche Typ, der mit Vorlagen lieber andere glänzen lässt, als selbst den Abschluss zu suchen?

Möhwald: Ich stelle mich nicht in den Vordergrund. Für mich ist die Mannschaft das Wichtigste. Wenn die Mannschaft verliert, stehe ich auch schlechter da. Es tut natürlich gut, wenn man die Anerkennung für seine Arbeit bekommt. Aber ich bin nur ein kleines Teil in einem großen Puzzle.

bundesliga.de: Sie sind erst 23 Jahre alt, haben aber bereits über 140 Spiele in der 3. Liga und der 2. Bundesliga bestritten. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Werdegang bisher?

Möhwald: Ich hatte das Glück, dass ich bei meinem Heimatverein Erfurt direkt in den Profibereich kam und so viele Spiele wie möglich machen durfte. Es war wichtig für mich, dass ich mich sofort bei den Profis etablieren konnte. In diesem Jahr will ich beim Club eine feste Größe werden. Das letzte Jahr war noch so etwas wie ein Einstiegsjahr, in dem man mit Höhen und Tiefen rechnen musste. Ich denke, dass ich auf einem guten Weg bin, habe aber auch noch eine Menge Arbeit vor mir und gewaltig Luft nach oben.

bundesliga.de: Der Club stellt mit 24 Saisontreffern zusammen mit Braunschweig und Hannover die beste Offensive der 2. Bundesliga. Aber auch 22 Gegentore hagelte es schon. Spektakel ist also auch in dieser Saison Programm in Nürnberg.

Möhwald: Eigentlich ist unsere erste Devise, wie gesagt, hinten die Null zu halten. Das hat am Anfang der Saison überhaupt nicht funktioniert. Wir waren kopflos auf dem Platz, jeder war mit sich selbst beschäftigt. Aber inzwischen machen wir das viel besser, wir haben auch ein paar Spiele zu null gespielt.

bundesliga.de: Am kommenden Motag gastiert der Club beim VfB Stuttgart. Wie groß ist Ihre Vorfreude, unter Flutlicht und vor voller Hütte in Stuttgart auflaufen zu können?

Möhwald: Bei uns ist die Vorfreude auf jedes Spiel groß, weil wir alle wissen, dass es ein Segen ist, Fußballprofi sein zu dürfen. Vor dem Spiel in Stuttgart ist die Vorfreude sicher noch etwas größer, in einem so stimmungsvollen Stadion gegen einen Gegner, der normalerweise nicht in die 2. Bundesliga gehört, anzutreten. Wir wollen auch in Stuttgart gewinnen.

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bundesliga.de: Auch vom 1. FC Nürnberg heißt es, dass er ein Verein ist, der in die Bundesliga gehört.

Möhwald: Das ist sicher hier in der Region auch das Anspruchsdenken. Der Club müsste auch in der Bundeliga spielen. Die Realität sieht leider im Moment etwas anders aus. Wir als Mannschaft versuchen natürlich, das zu beheben. Man geht ja in jede Spielzeit mit dem Ziel, so erfolgreich wie möglich zu sein. Wir haben uns aber nicht das Ziel Aufstieg gesteckt. Wir müssen immer noch gucken, dass wir den Saisonstart ausmerzen und uns in der Winterpause neu formieren. Dann schauen wir einmal, was in dieser Saison noch drin ist.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski