Köln - Seit acht Spielen ist Eintracht Braunschweig ungeschlagen, nun kommt es am Montagabend zum Topspiel gegen den Verfolger Dynamo Dresden. Die Niedersachsen wollen den Aufsteiger auf Distanz halten und selbst wieder auf einen direkten Aufstiegsplatz klettern. Vor dem Hit spricht Braunschweigs torgefährlicher Verteidiger Ken Reichel im Interview mit bundesliga.de über die Stärken der Löwen und die Trümpfe im Aufstiegsrennen.

bundesliga.de: Ken Reichel, die Eintracht hat aus den ersten beiden Spielen der englischen Woche vier Punkte geholt. Wie zufrieden sind Sie mit der Ausbeute? Wie schätzen Sie die Ausgangsposition der Löwen vor dem Saisonendspurt ein?

Ken Reichel: Es ist momentan oben sehr eng. Jetzt mischt auch noch Dynamo Dresden mit. Das Team hat besonders in letzter Zeit gut gepunktet und ist herangerückt. Wir haben jetzt einen Fünfkampf um die drei Plätze an der Spitze.

bundesliga.de: Die Eintracht steht aktuell auf Platz drei und ist seit acht Spielen ungeschlagen. Wie hat es die Mannschaft geschafft, den zwischenzeitlichen Durchhänger zu überwinden und wieder die Kurve zu kriegen?

Reichel: Wichtig war, dass wir auch in dieser Phase immer an uns und unsere Stärken geglaubt haben. So kamen wir aus der Minikrise heraus und sind wieder seit acht Spielen ungeschlagen.

bundesliga.de: Die "Minikrise" waren immerhin elf Spiele mit nur zwei Siegen nach dem fast perfekten Saisonstart. Was macht die Eintracht insgesamt besonders gut in dieser Saison?

Reichel: Für unsere Gegner ist es extrem schwer, sich Torchancen herauszuspielen und Tore gegen uns zu schießen. Wir haben nach dem 1. FC Kaiserslautern mit nur 27 Gegentoren die zweitbeste Defensive. Das ist ein sehr wichtiger Faktor. Angefangen vorne bei den Stürmern bis hinten in die Abwehrreihe verteidigen wir sehr gut. Dazu haben wir gerade eine gute Phase, in der die Stürmer und auch andere Spieler Tore erzielen.

bundesliga.de: Sie selbst haben auch schon vier Mal getroffen. Sind Sie mit Ihrer Ausbeute zufrieden?

Reichel: Definitiv. In den vergangenen Jahren lief es ganz gut für mich. Vor zwei Jahren habe ich vier Tore gemacht, in der Saison 2015/2016 sieben. Jetzt stehe ich wieder bei vier Treffern. Aber mir sind die Tore nicht so wichtig, entscheidend ist, dass wir überhaupt welche erzielen und Spiele gewinnen.

bundesliga.de: Sie sind schon seit zehn Jahren bei der Eintracht. Das ist für einen Profi eine sehr lange Zeit.

Reichel: Ich bin mit 20 Jahren von den Amateuren des Hamburger SV zur Eintracht gekommen. Nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga fand in Braunschweig ein großer Umbruch statt. Die Qualifikation zur 3. Liga war damals das Ziel. Es lief noch nicht alles reibungslos. Wir haben die Qualifikation gerade so geschafft. Danach ging es stetig bergauf. Ich habe mich immer weiterentwickelt, und im Verein hat sich sehr viel getan.

bundesliga.de: Also spielt der Wohlfühlfaktor auch eine wichtige Rolle?

Reichel: Definitiv. Der Wohlfühlfaktor ist enorm, ich fühle mich rund um wohl und sehr heimisch. Ich habe hier meine Frau kennengelernt, unser Sohn wurde hier geboren. Wir sind hier fest verwurzelt.

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bundesliga.de: Dazu haben Sie in Braunschweig bereits die Erfahrung gemacht, wie es ist, in die Bundesliga aufzusteigen. Hilft Ihnen diese Erfahrung in der aktuellen Situation oder können Sie sich nichts dafür kaufen?

Reichel: Ein Aufstieg ist immer ein schönes Erlebnis. Aber in der jetzigen Situation können wir uns wenig dafür kaufen. Es ist so eng an der Tabellenspitze, da helfen einem die Erfahrungen auch nicht richtig weiter. Wir wollen jetzt in den noch ausstehenden sieben Spielen so viele Punkte wie möglich holen und schauen dann, auf welchem Tabellenplatz wir landen.

bundesliga.de: Aber Sie haben schon Blut geleckt und wollen in die Bundesliga?

Reichel: Ja, klar. Wir waren zur Winterpause Erster, sind dann ein bisschen abgerutscht. Dann lagen wir zwischenzeitlich auf dem zweiten Platz, aktuell sind wir Dritter. Es ist ein stetiges Hin und Her. Aber wenn man die ganze Zeit oben dabei ist, will man dort auch am Ende der Saison stehen.

bundesliga.de: Wie intensiv beschäftigen Sie sich mit dem Restprogramm?

Reichel: Wir kennen unser Restprogramm, denken aber nur von Spiel zu Spiel.

bundesliga.de: Auf Eintracht Braunschweig warten nun zwei große Herausforderungen. Erst das Spiel gegen Dresden, dann das Derby bei Hannover 96. Gegen Dynamo hat die Eintracht nach dem 2:3 im Hinspiel nach einer 2:0-Führung noch eine Rechnung offen.

Reichel: Nach dem Aufstieg spielt Dynamo eine sehr gute Runde. Wir haben im Hinspiel gesehen, dass man mit ihnen rechnen muss. Sie haben eine sehr gute Truppe, die wir definitiv nicht unterschätzen werden. Das Hinspiel spielt aber keine große Rolle mehr, das haben wir abgehakt. So etwas passiert im Fußball. Für uns ist es wichtig, dass wir in den nächsten beiden Partien möglichst die maximale Punktzahl holen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski