Berlin - Ein ganzes Stadion in Feierstimmung. Schon vor dem Anpfiff sangen die Fans minutenlang die Hertha-Hymne "Nur nach Hause geh‘n wir nicht" weiter, obwohl die Musik aus den Lautsprechern schon längst verstummt war.

Hertha BSC hatte schon am Montag in Duisburg die Rückkehr in die Bundesliga perfekt gemacht, nun sollte auch die Meisterschale der 2. Bundesliga her.

Doch mit einem Sieg wurden die Anhänger von Hertha in der Partie gegen 1860 München nicht belohnt. Sie klatschten trotzdem. Nur den Hertha-Spielern war nicht nach Feiern zumute.

Maßlos enttäuschte Herthaner

Nach dem Abpfiff brauchten die Berliner einige Zeit, um die 1:2-Niederlage gegen die Münchner zu verdauen. Völlig enttäuscht von der vergebenen Möglichkeit sammelte sich die Mannschaft im Mittelkreis, um dann gemeinsam auf die Ehrenrunde zu gehen. Der Applaus der vielen im Stadion verbliebenen Fans war so auch nur ein kleiner Trost.

"Das war heute einfach nicht clever genug von uns", meinte Rechtsverteidiger Christian Lell, der das 1:0 vorbereitet hatte. "Wenn du in Führung gehst, darfst du mit unseren tollen Fans im Rücken das Spiel nicht mehr verlieren."

Zwei Standard-Gegentore trüben die Stimmung

Die Hertha-Anhänger hatten sich schon lange vor Spielbeginn auf eine große Party eingestimmt. "Mission erfüllt" - das T-Shirt zum Aufstieg, dass die Berliner bereits in Duisburg präsentiert hatten, wurde zum Kassenschlager.

Gegen 1860 wollten sich die Berliner die "Radfelge" sichern, wie Christoph Janker die Optik der Meisterschale der 2. Bundesliga beschrieb. Doch die Freude über die zwischenzeitliche Führung währte nur 180 Sekunden, denn zwei Standardsituationen drehten die Partie. "Das Spiel hätten wir niemals verlieren dürfen", erklärte Kapitän Andre Mijatovic. "Bisher haben wir sehr wenig Tore durch Standards kassiert, diesmal gleich zwei."

Wenig Zeit für Erholung

Den Berlinern merkte man an, dass ihnen die Frische fehlte. Denn nach dem Rückstand waren die Hauptstädter bemüht, noch den Ausgleich zu erzielen. Doch der Akku schien leer. "Es war einfach keine gute Leistung heute. Deswegen hat es auch nicht gereicht. Die 'Löwen' haben es immer wieder verstanden, uns wehzutun", stellte Hertha-Coach Markus Babbel fest. "Aber nach dem Highlight am Montag ist es auch nicht sehr leicht gewesen, gleich Freitag wieder zu spielen."

Drei Siege hatte sich die Hertha zu Saisonende noch vorgenommen, um mit ihren Fans den Wiederaufstieg zu feiern. Das ist nun nicht mehr möglich.

Zwei weitere Matchbälle

Trotzdem stehen die Berliner kurz vor der Meisterschaft in der 2. Bundesliga. Am kommenden Wochenende hat die Mannschaft beim FC Erzgebirge Aue den nächsten Matchball, um den Zweitliga-Titel unter Dach uns Fach zu bringen, anschließend kommt der FC Augsburg am 34. Spieltag ins Olympiastadion.

Spätestens dann will sich Hertha die Zweitliga-Trophäe sichern. Und wenn es auch durch ein 1:1 zustande kommt, wie Fabian Lustenberger ausführt: "Hauptsache, man hat was in der Hand."

Aus Berlin berichtet Jessica Pulter