
Hertha gegen Schalke: Ein wegweisendes Topspiel der 2. Bundesliga
Das erste Topspiel der 2. Bundesliga 2026 steht an – und hat es direkt in sich: Zum Rückrundenauftakt treffen die beiden Aufstiegsaspiranten Hertha BSC und der FC Schalke 04 aufeinander. Bühne frei für einen deutschen Fußball-Klassiker!
Gerade einmal fünf Monate ist es her, dass der FC Schalke 04 und Hertha BSC die aktuelle Saison der 2. Bundesliga 2025/26 eröffneten. Im Vorfeld wussten beide Teams nach einer enttäuschenden Vorsaison nicht so recht, wo sie standen – Platz elf für Hertha und Rang 14 für Schalke entsprachen bei Weitem nicht den Erwartungen.
Jetzt, fünf Monate später, sieht die Welt schon wieder sehr viel freundlicher aus – besonders auf Seiten der Schalker, die die Rückrunde als Tabellenerster antreten werden. Doch auch die Berliner legten eine starke erste Halbserie hin ...

Starke Steigerung nach schwachem Start
Nach vier sieglosen Spielen zum Auftakt in die neue Spielzeit (zwei Unentschieden, zwei Niederlagen) erhielten die vor Saisonbeginn hochgesteckten Ziele bei der Hertha schnell einen herben Dämpfer.
Doch im Anschluss berappelte man sich, legte eine Serie von sechs Siegen in Folge hin, feierte einen goldenen November, in dem man kein einziges Gegentor kassierte, und zog nebenher mit einem fulminanten 6:1 gegen den Ligakonkurrenten 1. FC Kaiserslautern ins Viertelfinale des DFB-Pokal ein.
Gegebenheiten, die dazu führen, dass man in Berlin wieder das Träumen wagt. Das Träumen vom Aufstieg. Erst vor Kurzem wurde Torhüter Tjark Ernst im Interview mit der Bild auf dieses große Wort angesprochen – und seine Antwort war überraschend deutlich: "Das ist das Ziel und ich bin fest davon überzeugt, dass wir das Zeug dazu haben. Es sind noch 17 Spiele zu spielen."
Abwehrbollwerk BSC
Doch dieser sicherlich nicht schadende Optimismus hat seine Gründe, schließlich hat Ernst einen großen Anteil an der guten Hinrunde der Hertha: Nur zwei Teams erhielten weniger Gegentore als die Berliner (16) – und nur Schalkes Loris Karius hielt in der 2. Bundesliga so oft die Null wie er (neunmal). Auch in Sachen abgewehrte Torschüsse weisen Ernst (79 Prozent) und Karius (78 Prozent) die besten Quoten aller Zweitliga-Keeper auf.
"Unsere Mannschaft hat eine extrem hohe individuelle Qualität", sagte der 22-Jährige Hertha-Keeper gegenüber Bild – und es wäre nur allzu logisch, wenn er in dieser Aussage auch sich selbst inkludierte. Doch auch die passende Teamchemie lobte er in hohen Tönen: "Wir sind innerhalb der Hinrunde auch als Mannschaft noch einmal enger zusammengewachsen, haben einen Teamspirit entwickelt."
All das seien Gründe, die ihn optimistisch machen, "dass wir diesen Traum verwirklichen, wenn wir genau das in großen Teilen in der Rückrunde auf den Platz bekommen." Da kommt der Gradmesser FC Schalke 04 zum Auftakt in die Rückrunde vielleicht gerade recht.

Die neue alte Schalker Mentalität
Es glich fast schon einer Hinrunde der Superlative, die S04 hinlegte: 37 Punkte, zwölf Siege und nur zehn Gegentore in 17 Spielen (Vereinsrekord) sorgten für die erste Herbstmeisterschaft seit 25 Jahren (damals in der Bundesliga).
Dass die Knappen dabei alles kurz und klein schlugen, was ihnen in den Weg kam, kann man bei lediglich 22 erzielten Toren nicht gerade behaupten. Kurios: Sogar Schlusslicht Dynamo Dresden durfte mehr Treffer (24) bejubeln als der Tabellenerste. Gegner Hertha hat sogar noch weniger (21).
Vielmehr bestand die Kunst darin, den Gegner vom eigenen Tor fernzuhalten: So verzeichnete man mit die meisten intensiven Läufe (durchschnittlich 713), zog die meisten Sprints an (durchschnitt 171) und bestritt die drittmeisten Zweikämpfe (durchschnittlich 219). Das Ergebnis: Nur 151 zugelassene Torschüsse und ein xGoals-Wert der Gegner von zusammengerechnet nur 16,6 (beides Bestwerte).
"Wir können noch sehr viel verbessern"
All die Werte dürften bei den Königsblauen für eine gewisse Zufriedenheit sorgen, könnte man annehmen. Doch wie Sommer-Neuzugang und Fan-Liebling Nikola Katić jüngst durchklingen ließ, fehlt von dieser jede Spur: "Ich weiß, es klingt verrückt, weil wir erst zehn Gegentore bekommen haben. Aber: Wir können noch sehr viel verbessern in der Defensive. Und ich hoffe, das tun wir auch."
Was negativ klingen mag, ist jedoch womöglich genau die Einstellung, die es braucht, um auch noch nach der zweiten Saisonhälfte von der Tabellenspitze aus zu grüßen. Und dennoch hat der 29-jährige Abwehrmann auch ein paar lobende Worte übrig, die an Trainer Miron Muslić gerichtet sind: "Er ist der beste Trainer, mit dem ich jemals zusammengearbeitet habe. Er hat eine klare Struktur, ist hungrig, will immer den größtmöglichen Erfolg – da sind wir uns sehr ähnlich."
Dieser Hunger ist es, der Katić, Muslić und ganz Schalke durch die Rückrunde treiben soll. Um am Ende vielleicht doch eine gewisse Zufriedenheit zu verspüren. Dann, wenn das Ziel erreicht ist.

