München - In der Bundesliga schwächelt der Rekordmeister, eine Etage tiefer lehrt der "FC Bayern der 2. Bundesliga" die Konkurrenz dagegen weiterhin das Fürchten.

Spätestens mit dem 1:0 (0:0) im Duell bei Verfolger Energie Cottbus hat sich Hertha BSC in die Rolle des Aufstiegsfavoriten gespielt. Berlin dominiert die 2. Bundesliga mit einer Selbstverständlichkeit, dass es so wirkt, als habe Trainer Markus Babbel das Siegergen aus seiner Münchner Zeit auch auf die Hertha übertragen.

Duisburg und Augsburg patzen

"Ich hoffe, dass der Sieg bei der Konkurrenz Eindruck hinterlässt. Wir stehen da, wo wir auch am Ende der Saison stehen wollen", sagte Babbel. Die Hertha ist Tabellenführer und hat 16 von 18 möglichen Punkten auf dem Konto. Der Vorsprung des Absteigers auf Cottbus, Rot-Weiß Oberhausen (1:0 gegen den VfL Osnabrück) die SpVgg Greuther Fürth (1:0 gegen den FC Ingolstadt) sowie Aufsteiger Erzgebirge Aue (1:0 bei Arminia Bielefeld) beträgt drei Zähler.

Auch der MSV Duisburg konnte nicht Schritt halten. Die "Zebras" verloren ausgerechnet bei Herthas erstmals in dieser Saison siegreichem Stadtrivalen 1. FC Union Berlin mit 0:2 und liegen damit vier Punkte hinter dem Tabellenführer. Und auch der FC Augsburg gehört nicht mehr zur Spitzengruppe. Die Schwaben, mit drei Siegen in die Saison gestartet, unterlagen im bayerischen Derby dem TSV 1860 München mit 1:2 (0:1), kassierten die zweite Niederlage in Folge und sind nun punktgleich mit den "Löwen".

"Ist doch schön, der FC Bayern zu sein..."

In Berlin hat Babbel mit Konsequenz und Akribie aus dem verunsicherten Absteiger der Vorsaison einen selbstbewussten Spitzenreiter geformt. Längst haben auch die Spieler den ausgeprägten Siegeswillen ihres Trainers übernommen. "Viele sagen, dass wir der FC Bayern der 2. Bundesliga sind. Ist doch schön, der FC Bayern zu sein", sagte der Brasilianer Raffael. Und Mittelfeld-Abräumer Peter Niemeyer ergänzte: "Wenn alle weiterhin verinnerlichen, dass zur 2. Bundesliga auch Kampf und Grätschen gehören, dann sind wir das Maß aller Dinge."

Den großen Sprüchen folgen bislang große Taten. Bis auf das 1:1 im Stadtderby bei Union hat die "alte Dame" Hertha alle Spiele gewonnen - meist souverän. Auch beim Prestige-Erfolg in Cottbus machte der Absteiger deutlich, dass er sich auf dem Weg zurück ins Oberhaus wohl nur selbst ein Bein stellen kann. Das Siegtor von Rob Friend (60.) war die Konsequenz einer kämpferisch wie spielerisch überzeugenden Leistung.

Wollitz: "Wir hatten keinen Spielfluss"

Die zuvor punktgleichen Cottbuser wussten die erste Saisonniederlage richtig einzuorden. "Es ist keine Schande, gegen Hertha zu verlieren", sagte Trainer Claus-Dieter Wollitz. Allerdings waren die meisten der Zuschauer im Stadion der Freundschaft enttäuscht, dass Energie offensiv nicht an die zuletzt herausragende Form anknüpfte. "Wir hatten keinen Spielfluss", sagte Wollitz.

Energie-Spielmacher Jiayi Shao hat sich anscheinend schwer verletzt. Der Chinese, der nach diversen Verletzungen erstmals in dieser Saison in der Startelf gestanden hatte, musste mit Verdacht auf Kreuzbandriss ausgewechselt werden.

Schwere Zeiten erlebt derzeit auch Arminia Bielfeld. Der frühere Bundesligist ist nach dem 0:1 (0:0) gegen Aue - der fünften Niederlage im sechsten Spiel - am vorläufigen Tiefpunkt angelangt.