Köln - Wenn Tausende Fans von Fortuna Düsseldorf am Donnerstag zum ersten Relegationsspiel nach Berlin aufbrechen, sind sie schon lange da. Der Fortuna-Fanclub Havelpralinen hat seine Heimat in der Hauptstadt und fiebert dem Kampf um den Bundesliga-Aufstieg von F95 ganz besonders entgegen.

"Seit Sonntag ist bei uns ein mittleres Chaos ausgebrochen. Alle wollen Karten von uns: Mitglieder, Bekannte, Verwandte und andere Fanclubs. Wir haben auf einmal so viele Freunde, die wir selbst noch gar nicht kannten", lacht "Goldi", Gründungsmitglied der Havelpralinen. Der E-Mail-Verteiler des Fanclubs mit etwa 120 Adressen lässt den Posteingang derzeit förmlich überquellen.

Fanclubgründung mit zwei Fortunen und einem Unioner



Dabei ist es für den inoffiziellen Fortunen-Fanclub schon nicht einfach, den Kartenwünschen der eigenen Mitglieder nachzukommen. Etwa 50 Mitglieder zählen die Havelpralinen heute, die 2008 von drei Fans in Berlin gegründet wurden. "Wir waren zwei Fortuna-Fans und einer von Union Berlin. Wir wollten ein Fanclub für alle möglichen Fußballverrückten sein und alle aufnehmen, die zu uns passen", erinnert sich "Goldi" an die Anfangstage.

Mit der Zeit gesellten sich viele "Exil-Düsseldorfer" dazu, die meist der Beruf nach Berlin geführt hat. Aber auch in Düsseldorf selbst wohnen einige Mitglieder dieses ungewöhnlichen Fanclubs, der ohne Vorstand, Präsidenten und andere "Pöstchen" auskommt.

Ranisav Jovanovic ist "Ehrenpraline"



Bekannt sind die Havelpralinen in ganz Berlin für ihr jährliches Kickerturnier, das sie zur inoffiziellen deutschen Fanclub-Tischfußballmeisterschaft erklärt haben. Hier treten 16 verschiedene Fanclubs von mehr als zehn Vereinen gegeneinander an - lautstark, aber fair; ganz nach dem Motto der Berliner Fortunen, die neben dem Union-Fan noch jeweils einen Anhänger von Energie Cottbus, Hertha BSC und Lok Leipzig zu ihren Mitgliedern zählen. Ranisav Jovanovic, gebürtiger Berliner und aktueller Fortuna-Profi, ist seit 2010 "Ehrenpraline".

Als Düsseldorfer Fanclub in Berlin hatten die Havelpralinen in der laufenden Saison quasi 33 Auswärtsspiele und ein "Heimspiel" bei Union Berlin. Zu den Auswärtsfahrten in die nähere Umgebung - etwa nach Cottbus oder zum Hamburger Millerntor - finden sich dementsprechend mehr Mitfahrer ein als für die rund 600 Kilometer langen Touren in die Düsseldorfer ESPRIT arena.

Lieber gegen Köln - aber nicht in der 2. Bundesliga



Auch wenn die Havelpralinen die kurze Fahrt zum Relegationshinspiel ins Olympiastadion durchaus zu schätzen wissen, hätten die meisten Mitglieder doch lieber ein Duell mit dem 1. FC Köln gesehen. Der Vergleich mit dem rheinischen Rivalen wäre für die Fortunen-Anhänger einfach prickelnder gewesen.

Doch auf das Duell mit den Kölnern wollen die Havelpralinen künftig in der 2. Bundesliga gerne verzichten. Der Aufstieg soll klappen und damit auch den Havelpralinen um "Goldi" noch mehr Rückenwind geben: "Es ist immer schöner, mit einem großen Reisebus zu den Spielen zu fahren als mit PKWs. Und in der Bundesliga hätten wir sicher öfter genug Mitfahrer, um einen Reisebus buchen zu können."