Leipzig - Mit nur zwei Punkten Rückstand auf einen direkten Aufstiegsplatz liegt der starke Aufsteiger RB Leipzig weiterhin aussichtsreich im Rennen.

Am heutigen Sonntag empfängt der Tabellensiebte den Spitzenreiter aus Ingolstadt zum Topspiel. Im Interview mit bundesliga.de spricht RBL-Innenverteidiger Marvin Compper über das bisherige Abschneiden, seine Beweggründe für den Wechsel nach Leipzig und die Aussichten in dieser Saison.

bundesliga.de: Marvin Compper, wie zufrieden sind Sie mit der Rolle, die RB Leipzig bisher in der 2. Bundesliga gespielt hat?

Marvin Compper: Ich bin bisher zufrieden. Wenn man die ganze Situation und den Ist-Zustand realistisch betrachtet, sieht man, dass wir eine sehr talentierte, junge Truppe sind, die aber auch noch sehr viel Entwicklungspotenzial und viel Luft nach oben hat. In dem einen oder anderen Spiel wurde deutlich, dass wir uns noch verbessern müssen. Wenn man aber bedenkt, dass in der aktuellen Mannschaft neun Spieler dabei sind, die letztes Jahr noch in der 3. Liga gespielt haben, dann spielen wir bisher eine richtig gute Runde.

"Ich habe in das System reingefunden"

bundesliga.de: In welchen Bereichen muss sich die Mannschaft noch verbessern?

Compper: In allen Bereichen, sowohl individuell als auch im mannschaftstaktischen Bereich. Das ist auch für eine junge Mannschaft völlig normal. Wenn es einem der Gegner wie zuletzt Sandhausen schwer macht, muss man Mittel und Wege finden, solche Abwehrreihen auszuhebeln.

bundesliga.de: Stichwort Abwehr: RB Leipzig hat in 15 Spielen erst zehn Gegentore bekommen. Ist eine stabile Abwehr die Grundvoraussetzung für den Erfolg?

Compper: Grundsätzlich verteidigen wir als Mannschaft. Es ist nicht korrekt, dass nur auf uns Abwehrspieler zu reduzieren. Wir sind glücklich darüber, dass wir die wenigsten Gegentore kassiert haben, müssen aber auch schauen, dass wir weiter dranbleiben. Das ist die Basis für Erfolg. Jede Mannschaft auf der Welt, die wenig Gegentore bekommt, stand am Ende der Saison immer oben mit dabei. Für uns wäre es schön, wenn wir als Mannschaft diesen Weg weitergehen können und weiter so gut verteidigen.

bundesliga.de: Sie wurden mit Ihren 29 Jahren als Führungsspieler geholt. Wie sehen Sie Ihre eigene Rolle und Ihren Stellenwert in Leipzig?

Compper: Es wird  immer mehr sichtbar, dass ich die Erfahrung habe und auch eine gute Qualität mitbringe. Am Anfang der Saison hatte ich noch mit Fitnessrückständen zu kämpfen. Jetzt habe ich in das System reingefunden und die nötige Fitness. Dementsprechend sind meine Leistungen mit Ausnahme des Darmstadt-Spiels besser geworden. Ich spiele konstant, habe aber auch noch Luft nach oben. Auch ich möchte mich gemeinsam mit der Mannschaft weiterentwickeln.

"Die 2. Bundesliga ist unglaublich eng"

bundesliga.de: Sie sind ein gestandener Bundesliga-Profi, ein Ex-Nationalspieler und spielen jetzt in der 2. Bundesliga. Muss man in seiner Karriere auch manchmal einen Schritt zurückgehen, um auf Sicht nach vorne zu kommen?

Compper: In diesem Fall ging es nicht darum, einen Schritt zurückzumachen. Ich bin jetzt 29 Jahre alt und habe überlegt, was ich den kommenden Jahren meiner Karriere machen will. Unter meinen Angeboten und Optionen schien mir die Offerte aus Leipzig am reizvollsten zu sein, mit diesem Kader, diesem Verein, diesem Trainer, diesem Sportdirektor und dieser Stadt diesen Weg zu gehen. Mit jedem Tag bin ich glücklicher, dass ich diese Entscheidung getroffen habe.

bundesliga.de: Jetzt sagen alle Experten, dass Leipzig ein Aufstiegskandidat ist und früher oder später in der Bundesliga landen wird, vielleicht sogar schon am Ende dieser Saison. Lastet dadurch ein besonderer Druck auf der Mannschaft? Wie gehen Sie mit den Erwartungen um?

Compper: Es ist völlig normal, dass die Erwartungen da sind. Nichtsdestotrotz ist diese 2. Bundesliga unglaublich eng. Das zeigt das Tabellenbild. Man darf sich keine drei schwachen Spiele in Folge leisten, sonst wird man ganz schnell nach hinten durchgereicht. Es ist zwar eine Floskel, aber auch die Wahrheit vor dem Hintergrund, dass wir jung und entwicklungsfähig sind. Wir gucken nur von Spiel zu Spiel. Alles andere bringt uns nicht weiter. Jeder neue Gegner gibt einem neue Aufgaben. Niemand ist einfach zu schlagen, das hat das Beispiel Düsseldorf gezeigt, die als Tabellenzweiter beim Schlusslicht in Aalen verloren haben.

bundesliga.de: Der Verein ist in Leipzig beliebt, wird aber bundesweit kritisch gesehen. Schweißt das die Mannschaft zusammen? Entwickelt sie eine Art Wagenburgmentalität und will sie es dem Rest der Republik jetzt erst recht zeigen?

Compper: Das hat keinen großen Einfluss, es bestärkt das Zusammenschweißen aber sicherlich. Alles in allem müssen sich alle vor Augen halten, was in Leipzig von jedem Einzelnen geleistet wird. Wir sind die Mannschaft, die am meisten läuft. Wir kriegen nichts geschenkt und erarbeiten uns alles. Wenn am Ende etwas Großartiges wie ein Aufstieg dabei heraussrpingen sollte, wären wir natürlich happy. Aber wichtig ist, dass wir hart für den Erfolg arbeiten. Das machen wir.

"Wollen uns oben festsetzen"

bundesliga.de: Harte Arbeit wird auch gegen den nächsten Gegner gefragt sein. RB Leipzig empfängt am Sonntag den Tabellenführer FC Ingolstadt 04. Wie stark schätzen Sie den Gegner ein, der den Nimbus der Unbesiegbarkeit verloren hat?

Compper: Grundsätzlich ist in der 2. Bundesliga jeder Gegner schlagbar. Wir spielen zuhause und sind da noch ungeschlagen. Das soll auch so bleiben. So werden wir auch in das Spiel gehen. Wir werden 90 Minuten Vollgas geben und hoffen, dass am Ende die drei Punkte bei uns bleiben.

bundesliga.de: Und wohin geht am Ende der Saison die Reise für Leipzig? Wollen Sie sich im oberen Tabellendrittel festsetzen?

Compper: Natürlich wollen wir uns oben festsetzen. Wir gehen in die Spiele mit dem Ziel, sie zu gewinnen. Daher ist es auch ein Ziel, sich in eine möglichst gute Position zu bringen, dass wir am Ende vielleicht sogar um den Aufstieg mitspielen könnten. Aber es sind noch 19 Spiele zu gehen. Wenn wir zehn Spieltage vor Schluss tatsächlich in unmittelbarer Nähe der Aufstiegsplätze sind, dann bin ich bereit das Ziel Aufstieg laut auszusprechen. Bis dahin wollen wir so viele Punkte wie möglich sammeln und gucken, wo wir dann stehen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski