Duisburg - Ivica Grlic ist Fußballprofi und Teammanager in Personalunion. Bis zu zwölf Stunden täglich ackert er für den Zweitligisten MSV Duisburg. Im DFB-Pokalfinale gegen Schalke 04 am Samstag will sich der 35-Jährige für seine Mühen belohnen und sich gleichzeitig einen Kindheitstraum erfüllen.

"Natürlich ist es mein Traum den Pokal zu gewinnen. Wir Spieler können für den MSV Geschichte schreiben", so Grlic. Positive Schlagzeilen würden darüber hinaus auch der Stadt Duisburg gut zu Gesicht stehen.

Einsatzchancen "40 Prozent"

Ob Grlic im Endspiel im Berliner Olympiastadion allerdings als Spieler mit von der Partie sein kann, ist mehr als fraglich. Der Routinier laboriert derzeit an einer schweren Oberschenkelzerrung und darf deshalb nur Ausdauerläufe und ein leichtes Trainingsprogramm absolvieren. "Unsere medizinische Abteilung leistet hervorragende Arbeit und versucht alles, um mich und die anderen verletzten Spieler rechtzeitig fit zu bekommen", äußerte Grlic. Seine Chancen auf einen Einsatz beziffert Duisburgs Publikumsliebling aber nur auf 40 Prozent. Die endgültige Entscheidung darüber, wird erst nach einem letzten Belastungstest am Samstagvormittag getroffen.

"Ich werde nur auflaufen, wenn ich komplett schmerzfrei und zu 100 Prozent fit bin", verspricht Grlic. Nur dann könne er der Mannschaft mit seinen Qualitäten auf dem Platz weiterhelfen. Der frühere bosnische Nationalspieler verfügt über ein großes Maß an Erfahrung und viel Gefühl im Fuß. Standardsituationen sind seine Spezialität, mit fünf direkten Freistoßtoren hatte Grlic in der Schlussphase der Spielzeit 2006/07 maßgeblichen Anteil am Duisburger Bundesliga-Aufstieg.

"Allein seine Anwesenheit beflügelt die Jungs"

Seine große Bedeutung für die junge Elf der "Zebras" unterstreicht die Aussage von MSV-Trainer Milan Sasic: "Allein seine Anwesenheit in der Kabine beflügelt die Jungs." Grlic habe die fußballerischen Möglichkeiten, ein Spiel alleine zu entscheiden. So, wie etwa beim 2:1-Sieg im Pokal-Achtelfinale in Köln im letzten Dezember. Damals hatte Sasic "einen 35-Jährigen, der wie ein 25-Jähriger gespielt hat" gesehen.

Mit dem DFB-Pokal verbindet Grlic eine besondere Geschichte. Als Alemannia Aachen als bis dato letzter Zweitligist 2004 den Einzug ins Finale schaffte, war er es, der den Erfolg mit seinem Freistoßtor im Halbfinale gegen Borussia Mönchengladbach (1:0) perfekt machte. Trotz der 2:3-Endspielniederlage gegen Werder Bremen erinnert sich Grlic gerne an das "bislang größte Spieler seiner Karriere auf Vereinsebene".

Doppelfunktion als Spieler und Teammanager

Seit Saisonbeginn arbeitet Grlic beim MSV in einer Doppelfunktion auch als Teammanager. Ein Job, der ihm "absoluten Spaß" bereitet und "vollkommen ausfüllt". Dabei sei es nicht immer ganz einfach, alles unter einen Hut zu bekommen. "Meistens bin ich von morgens acht bis abends um acht im Dienste des Vereins unterwegs", sagt Grlic. Neben dem täglichen Trainingsprogramm muss er seine Büroarbeiten erledigen. Grlic ist beim MSV für das Organisatorische zuständig, koordiniert Trainingslager, bucht Reisen und übernimmt Aufgaben im Marketing.

Ob der gebürtige Münchner nach 14 Jahren als Profi, davon die Hälfte in Duisburg, am Ende der Saison seine Fußballschuhe an den Nagel hängt und die aktive Karriere beendet, ist noch offen. "Darüber will ich mir jetzt keine Gedanken machen", sagt Grlic. Eigentlich sei geplant, dass er ein weiteres Jahr als "Stand-by"-Profi mit Doppelfunktion beim MSV dranhänge.