Köln - Es ist vorbei mit der Ruhe und Beschaulichkeit. Der Bundesliga-Aufstieg der Spielvereinigung Greuther Fürth hat dem Verein und der mittelfränkischen 116.000-Einwohner-Stadt in eine ungeahnte Aufmerksamkeit beschert. "Ein Orkan ist über unsere Stadt gekommen", beschreibt es Nicolas Heckel.

Der Verantwortliche für den Bereich Fanwesen bei der Spielvereinigung sitzt quasi im Epizentrum des Orkans in der Fürther Geschäftsstelle. Seitdem feststeht, dass der dreimalige Deutsche Meister (1914, 1926 und 1929) erstmals in die Bundesliga aufsteigt, stehen Telefone und Faxe nicht still, Mails strömen unaufhörlich in den Posteingang. Fragen nach Dauerkarten, Mitgliedschaft, Fanklubgründung und natürlich Glückwünsche aus aller Welt sind dabei.

"Fanshop ist praktisch leer gekauft"



"Nachdem der Aufstieg feststand, haben sich allein vier neue Fanklubs gegründet. Ich weiß schon gar nicht mehr, wie viele Gründungsformulare ich an Interessenten verschickt habe. Nach unserem letzten Spiel beim FSV Frankfurt haben wir in zwei Tagen 30 neue Mitglieder für unseren Kids-Club Ronhof Racker dazubekommen. Der Fanshop ist praktisch leer gekauft, in der ganzen Stadt hängen Fahnen. Wir erleben eine Welle der Euphorie, das ist einfach unbeschreiblich", schwärmt Heckel.

Wer die gegenwärtige überschäumende Stimmung in Fürth verstehen will, der muss sich auch mit der Vergangenheit beschäftigen. Als unaufsteigbar galt die Spielvereinigung, für die maximal der 5. Platz in der 2. Bundesliga reserviert schien. "Die wollen doch gar nicht aufsteigen" war ein geflügeltes Wort unter der großen Schar der langjährigen Pessimisten in Fürth.

Große Aufstiegsfeier am Sonntag vor dem Rathaus



Den scheinbaren Stempel der ewigen Zweitklassigkeit hatte Fürth aber schon in der Vorsaison selbstbewusst ironisch für die Kampagne "Unaufsteigbar Tour" genutzt, die in der aktuellen Spielzeit "wegen des großen Erfolges verlängert" wurde. Der Fürther Mannschaftsbus fuhr etwa mit dem unübersehbaren Schriftzug "Die Unaufsteigbar Tour 2011/2012" durch die Republik.

Heute ist das "un" aus dem Wort unaufsteigbar gestrichen. Jeder, der in Fürth am Rathaus vorbeikommt, kann das große Plakat am dortigen Balkon lesen, das die Aufstiegsfeier am Sonntag 29. April ankündigt. Nach dem letzten Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf wird die Mannschaft per Autocorso zum Rathaus fahren, wo sie gegen 18 Uhr im Beisein von geschätzten 20.000 Fans erwartet wird.

Vorfreude auf fränkisches Derby in der Bundesliga



Dass Fans und Mannschaft erstklassig feiern können, hatten alle schon spontan am Abend des 16. Aprils unter Beweis gestellt. Nach der Niederlage des Aufstiegskonkurrenten Düsseldorf in Dresden erlebte Fürth eine spontane und lange Aufstiegsnacht. Die Kneipenmeile Gustavstraße platzte mit etwa 4000 Feiernden aus allen Nähten, manche Kneipe war am Ende tatsächlich leer getrunken.

Der Lärmpegel war vielleicht sogar bis Nürnberg zu hören. Aus der großen Nachbarstadt, die im Westen direkt an Fürth grenzt, kamen unerwartet viele Glückwünsche zum Aufstieg des fränkischen Rivalen; zahlreiche Clubberer fiebern einem der ältesten Derbys nun erstmals in der Bundesliga entgegen. Schließlich waren der Club und das Kleeblatt mal der Nabel der deutschen Fußballwelt. 1920 standen sich beide Vereine im Endspiel um die deutsche Meisterschaft gegenüber, das Nürnberg mit 2:0 in Frankfurt gewann.