Köln - Seit Jahresbeginn spielt Felix Kroos für den 1. FC Union Berlin. Mit den "Eisernen" will der 25 Jahre alte Bruder von Weltmeister Toni Kroos mittelfristig in die Bundesliga aufsteigen. Im Interview mit bundesliga.de spricht der neue Kapitän der Berliner über seine Ambitionen und den verpatzten Saisonauftakt.

bundesliga.de: Felix Kroos, Union hat zum Auftakt der 2. Bundesliga beim VfL Bochum mit 1:2 verloren. Was hat zu einem besseren Saisonstart noch gefehlt? Wie war die Leistung einzuschätzen?

Felix Kroos: Es ist natürlich schade, dass wir das erste Spiel verloren haben. Trotzdem haben wir viele Dinge, die wir vorher trainiert haben, ordentlich umgesetzt. An unserer Chancenverwertung müssen wir natürlich arbeiten. In Bochum haben wir zu viele Möglichkeiten liegenlassen. In der Defensive haben wir zwei einfache Gegentore kassiert, das darf uns so nicht wieder passieren. Jetzt gilt es, die Niederlage zu vergessen und die guten Eindrücke aus dem Bochum-Spiel mit in die Partie gegen Dresden zunehmen.

bundesliga.de: Sie haben die "Eisernen" als Kapitän aufs Feld geführt. Hat Ihr Bruder Toni schon angerufen und Ihnen zur "Beförderung" gratuliert?

Kroos: Nicht direkt. Wir sind ständig im Austausch. Da geht es aber oft auch mal um andere Themen als immer nur um Fußball. Wie das unter Brüdern so üblich ist.

bundesliga.de: Hat es Sie überrascht, dass Trainer Jens Keller Sie zum Kapitän ernannt hat? Was ändert sich dadurch für Sie?

Kroos: Überrascht ist das falsche Wort. Ich habe beim 1. FC Union Berlin unterschrieben, weil ich hier eine Führungsposition einnehmen wollte. Dass ich jetzt gleich die Mannschaft als Kapitän auf das Feld führe, war nicht geplant. Es ehrt mich dennoch. Allzu viel hat sich für mich jedoch nicht verändert, außer, dass ich jetzt noch öfter zu Interviews gebeten werde.

"Bei Union stimmt die Perspektive"

bundesliga.de: Sie haben im Sommer für die nächsten drei Jahre bei Union unterschrieben. Warum ist Union aktuell der beste Verein für Sie?

Kroos: Bei Werder Bremen bin ich nicht mehr auf die Einsatzzeiten gekommen, die ich mir gewünscht hätte. Ich war an dem Punkt, wo ich etwas verändern musste. Das Leihangebot von Union kam dann zum richtigen Zeitpunkt. Ich habe mich von Beginn an hier sehr wohl gefühlt. Zudem stimmt die Perspektive. Die Ambitionen des Vereins decken sich mit meinen persönlichen Zielen.

bundesliga.de: In der Rückrunde der vergangenen Saison war Union bereits punktgleich mit Aufsteiger Leipzig die viertbeste Mannschaft. Sind deshalb die Erwartungen vor dieser Spielzeit noch einmal gestiegen? Fühlen Sie sich dem Druck gewachsen?

Kroos: Sicherlich wissen wir um die Erwartung im Umfeld. Wir haben eine gute, spielstarke Mannschaft. Mit Jens Keller sitzt zudem ein junger Trainer mit viel internationaler Erfahrung auf der Bank. In der Vorbereitung konnten wir uns bereits viele Dinge seiner Spielphilosophie erarbeiten. Der Start ist nun leider misslungen. Umso wichtiger ist jetzt, dass wir die kommenden Spiele im August erfolgreicher gestalten.

bundesliga.de: Der Verein will mittelfristig in die Bundesliga. Halten Sie den Aufstieg in die Bundesliga mit Union schon in dieser Saison für möglich?

Kroos: Hannover 96 und der VfB Stuttgart sind in dieser Saison sicherlich die beiden großen Aufstiegsfavoriten. Hinzu kommen Mannschaften wie St. Pauli, Bochum und Nürnberg. Da steckt viel Potenzial in der Liga. Unser Ziel ist es, in dieser Saison so lange wie möglich den Anschluss an die obere Tabellenregion zu halten. Am Ende werden wir sehen, ob es für ganz vorne reicht.

bundesliga.de: Die 2. Bundesliga ist in dieser Saison so prominent besetzt wie nie. Sind die jeweils mit einem Sieg gestarteten Absteiger aus Stuttgart und Hannover die großen Aufstiegsfavoriten oder haben Sie noch andere Teams und wenn ja welche auf der Rechnung?

Kroos: Wie bereits gesagt sind Stuttgart und Hannover für mich die klaren Favoriten. Dahinter gibt es fünf bis sechs weitere Mannschaften, die oben mitspielen wollen. Da zählen wir uns dazu.

bundesliga.de: Am Montag kommt es zum Prestigeduell mit Aufsteiger Dynamo Dresden. Wie stark schätzen Sie den Gegner? Wie muss Union das Spiel angehen, um einen Fehlstart in die Saison zu vermeiden?

Kroos: Dynamo Dresden hat im letzten Jahr eine klasse Saison gespielt und ist völlig verdient aufgestiegen. Die Dresdener sind physisch sehr stark und werden uns sicherlich alles abverlangen. Nichtsdestotrotz spielen wir vor ausverkauftem Haus an der Alten Försterei. Wir werden hochkonzentriert in das Spiel gehen und wollen von Beginn an das Spiel bestimmen. Wenn uns das gelingt, denke ich, dass wir drei Punkte holen sollten.

Die Fragen stellte Tobias Gonscherowski