
FC Schalke 04 im Aufschwung: So wahrscheinlich ist der Aufstieg
Der FC Schalke 04 hat sich in dieser Saison eindrucksvoll zurückgemeldet. Unter Trainer Miron Muslić rangieren die Königsblauen auf Aufstiegsplatz zwei. Was sind die Gründe für den S04-Aufschwung und wie stehen die Chancen, in die Bundesliga zurückzukehren? bundesliga.de klärt auf.
Wer nach den Auswärtsspielen gegen Darmstadt (DFB-Pokal) und Karlsruhe (2. Bundesliga) auf ein länger andauerndes Leistungstief des FC Schalke 04 setzte, sah sich nach dem 12. Spieltag getäuscht. Die Königsblauen sind deutlich gefestigter als in den Vorjahren, vor allem im Vergleich zur letzten Saison (62 Gegentore): Auf die 0:4- und 1:2-Niederlagen folgte ein 1:0 im Verfolgerduell gegen Elversberg, das die beste Offensive der Liga gestellt hatte.
"Wir haben als Kollektiv trotz vieler Ausfälle gegen einen spielstarken Gegner sehr gut gearbeitet und bis auf einen Konter nahezu keine Chance gegen die torgefährlichste Offensive der Liga zugelassen. Das ist schon ein Statement", analysierte danach Ron Schallenberg. Trainer Miron Muslić sprach gar von dem "vielleicht stolzesten Moment in den vergangenen fünf Monaten". Trotz elf verletzter und gesperrter Spieler zwang S04 die Saarländer im Kollektiv in die Knie.

Geht Schalke hoch? Das sagt die Statistik
Schalke hat nun 27 Punkte auf dem Konto – das sind mehr als in den vergangenen beiden Spielzeiten nach zwölf Spieltagen zusammen! 2023/24 standen die Königsblauen zu diesem Zeitpunkt bei 13 Zählern, 2024/25 sogar nur bei zwölf. Selbst die Hinrundenausbeute dieser beiden Spielzeiten haben sie aktuell schon übertroffen. 2023/24 holten die Königsblauen ihren 27. Punkt am 24. Spieltag, 2024/25 nach 22 Runden.
Abstiegssorgen plagten die "Knappen" damals. Unter der Ägide von Miron Muslić träumen die Fans wieder von der Rückkehr in die Bundesliga. Seit Einführung der Drei-Punkte-Regel 1995 hatten bis vor dieser Saison 17 Mannschaften nach zwölf Runden 27 oder mehr Punkte auf der Habenseite, 14 davon stiegen am Saisonende auf (82 Prozent)! Die neun Siege sind schon fast genauso viele wie in der kompletten Vorsaison (2024/25 waren es zehn). Mehr als neun Dreier hatte Schalke in der Bundesliga oder der 2. Bundesliga nach zwölf Spieltagen nie zu Buche stehen.

Schalke im Siegesrausch
Spieler und Trainer wollen aktuell noch nicht das Wort Aufstieg in den Mund nehmen. Schallenberg nennt die 27 Punkte "eine gute Ausbeute" und schiebt nach: "Bis zum Winter wollen wir weiter fleißig punkten, um uns eine gute Ausgangslage für die Rückrunde zu schaffen." Auf Schalke herrscht nach den letzten Jahren Demut. Man will nicht mit großen Worten, sondern mit Taten glänzen.
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Die Schalker Bilanz war nur 1971/72 im Oberhaus und 1990/91 im Unterhaus besser als aktuell (damals jeweils neun Siege, ein Remis und zwei Niederlagen). Diese Spieljahre lagen noch vor der Einführung der Drei-Punkte-Regel, und so hat S04 nun erstmals überhaupt in einer der beiden höchsten Spielklassen zu diesem Zeitpunkt 27 Zähler auf dem Konto (zum Vergleich: in der Aufstiegssaison 2021/22 waren es fünf weniger). Bei Königsblau gibt es in dieser Saison nur ganz oder gar nicht: Als einziger Zweitligist teilten die Gelsenkirchener in der laufenden Saison nie die Punkte.
Defensive als Basis des Erfolgs
Nachdem man in der letzten Saison noch die drittschlechteste Abwehr der 2. Bundesliga stellte, hat Muslić in dieser Spielzeit ein echtes Bollwerk geformt. Sieben Gegentore nach zwölf Spieltagen sind der beste Wert eines Zweitligisten seit elf Jahren, seit dem FC Ingolstadt in der Saison 2014/15 (sechs) – die Schanzer stiegen am Ende auf. Für Schalke sind sieben Gegentore nach zwölf Runden eingestellter Vereinsrekord in einer der höchsten beiden Spielklassen, ebenso wenige waren es nur 2005/06 in der Bundesliga unter Coach Ralf Rangnick und mit Keeper Frank Rost.
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Die Defensivabteilung um Abwehrboss Nikola Katić spielte bisher sechsmal zu Null (nur Hertha öfter: siebenmal) und kassierte nur einmal mehr als ein Gegentor (in Karlsruhe), so selten wie keine andere Mannschaft. S04 ließ in der laufenden Zweitliga-Saison die wenigsten gegnerischen Torschüsse zu (106, das macht im Schnitt neun pro Partie) und hat den niedrigsten gegnerischen xGoals-Wert (11,7). Wenn die gegnerische Offensivreihe doch mal durchbricht, ist Loris Karius zur Stelle: Der 32-Jährige vereitelte 64 Prozent der gegnerischen Großchancen – mit Abstand bester Wert aller Zweitliga-Keeper!
Wie einst unter einer Schalker Legende
Auch Elversberg-Trainer Vincent Wagner musste am 12. Spieltag anerkennen, dass die Gelsenkirchener wahnsinnig schwer zu knacken sind: "Schalke hat es im Rahmen dessen, wie sie es in den vergangenen Monaten schon gestaltet haben, defensiv extrem gut organisiert. Nach einem frühen Rückstand war es gegen sie unheimlich schwer."
S04-Rückkehr? "Wäre sicher offen dafür"
Die Statistik belegt: S04 erzielte sechs Tore in der Anfangsviertelstunde – kein anderer Zweitligist mehr als drei. Fünf dieser sechs Treffer bedeuteten eine 1:0-Führung (einmal war es das 2:0). Alle fünf Partien mit einer frühen Führung gewann Schalke, davon vier ohne Gegentor. Die Hälfte der zwölf Saisonspiele endete 1:0 – viermal für, zweimal gegen die Königsblauen. Kein anderer Zweitligist gewann in dieser Spielzeit so oft mit 1:0 wie die Königsblauen (viermal) – das erinnert an die Zeit unter Huub "Die Null muss stehen"-Stevens.
Dominanz gegen den Ball statt mit dem Ball
Damit die Defensiver der Schalker funktioniert, bedarf es ein hohes Maß an Intensität, die Muslić immer wieder von seiner Mannschaft einfordert: S04 zog die zweitmeisten Sprints an (im Schnitt 170 pro Spiel), beging die drittmeisten Fouls (166) und führte die fünftmeisten Zweikämpfe (im Schnitt 213 pro Partie). Gelbe Karten kassierte Schalke die drittmeisten (34), dazu gab es noch einen Platzverweis.
"Wir mussten heute leiden, das war klar. Den Kampf haben wir aber von Beginn an angenommen. Elversberg hatte keinen Schuss aufs Tor. Das zeigt, dass wir gut verteidigt haben und die Qualität des Gegners ein Stück weit eliminieren konnten. Jeder Einzelne bringt sich bei uns zu 100 Prozent ein. Das ist unsere Struktur, das Fundament", resümierte Muslić nach dem Elversberg-Sieg.
Mit dem Ball gibt es Verbesserungsbedarf
Überraschend dagegen für einen Tabellenzweiten: Schalke ist in der laufenden Zweitliga-Saison das Team mit dem wenigsten Ballbesitz (43 Prozent). Das liegt nicht zuletzt an den vielen frühen Führungen, nach denen man sich zurückziehen und den Gegner kommen lassen kann. Zudem spielte man die wenigsten Pässe und hat die schwächste Passquote der Liga (74 Prozent).
Ein Faustpfand sind offensiv dagegen die Standards. Was letzte Saison noch eine der Schwächen war, ist diese Saison einer der wesentlichen Stärken: Die Hälfte der 16 Saisontore resultierte aus Standards – so hoch ist dieser Anteil bei keinem anderen Zweitligisten.
Muslić hat den FC Schalke 04 wachgeküsst. Völlig unerwartet beißen sich die Königsblauen in der Aufstiegszone fest. Am 13. Spieltag wartet auswärts Preußen Münster und dann kommt es zum großen Härtetest gegen Tabellenführer Paderborn. Sollte S04 das Pensum gegen den Ball bis ins Frühjahr aufrechterhalten können und spielerisch noch eine Schippe drauflegen, steht der Rückkehr ins Oberhaus nach zwei Jahren 2. Bundesliga wohl nichts mehr im Wege. Wer hätte das nach Platz 14 in der letzten Saison gedacht?
