Braunschweig - Ein Fußballplatz im Braunschweiger Westen. Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt jagen über 30 Jugendliche den Ball. Trotz der Kälte geht es heiß her. Jedes Tor wird frenetisch bejubelt.

Soweit, so alltäglich. Auffällig ist das wilde Sprachgemisch, mit dem die Kids sich verständigen. Die Jugendlichen sind Flüchtlinge aus der ganzen Welt, die ohne Familie nach Deutschland gekommen sind. Man sieht ihnen an, wie befreiend das Toben auf dem Rasen für sie ist. Ermöglicht hat dieses Training die Initiative "Willkommen im Fußball". Ein Integrationsprogramm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, das die Bundesliga-Stiftung gemeinsam mit Staatsministerin Aydan Özoguz, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, fördert.

"Fußball schafft Begegnung"

Insgesamt 1,05 Millionen Euro stellen Bundesliga-Stiftung und Bundesregierung für das Programm "Willkommen im Fußball" zur Verfügung. "Fußball schafft Begegnung, folgt gemeinsamen Regeln, bietet Struktur, ist gesund und macht einfach Spaß. Das ist insbesondere für junge Menschen, die keinen geregelten Alltag haben, sehr wichtig", erklärt Stefan Kiefer, Vorstandsvorsitzender der Bundesliga-Stiftung, den Ansatz der Initiative. Ziel ist es, an möglichst vielen Standorten Willkommensbündnisse zu schaffen. Diese Bündnisse bringen Akteure, die sich für Flüchtlinge einsetzen, zusammen. In Braunschweig haben die Eintracht Braunschweig Stiftung, die Stadt Braunschweig und die Landesaufnahmebehörde Niedersachen mit Standort in Braunschweig das "Braunschweiger Willkommensbündnis für Flüchtlinge" gestartet.

Ende September leitete Murat Korkmaz zum ersten Mal ein Training für Flüchtlinge. Korkmaz ist Coach der 2. Mannschaft des VfB Rot-Weiss Braunschweig, auf dessen Platz die Flüchtlinge Fußball spielen können. Er hat ein Händchen für den Umgang mit Jugendlichen. Das merkt man sofort. Er spricht Deutsch, Englisch, Türkisch und ein wenig Arabisch. Und falls er damit nicht weiterkommt, findet sich immer einer, der übersetzen kann. Korkmaz redet von "meinen Jungs", wenn er über die Flüchtlinge spricht und erzählt, wie stolz er auf die Truppe ist. Drei der Jugendlichen nehmen bereits am regulären Trainingsbetrieb des VfB teil. "Die Jungs wollen sich integrieren und dazugehören. Wir müssen ihnen nur die Hand reichen", beschreibt Korkmaz seine Erfahrungen.

Zahlreiche Bündnisse sind geplant

Einer, der nach dem Flüchtlings- noch am Vereinstraining teilnimmt, ist der 16-jährige Sami aus dem Irak. Seit zehn Monaten lebt er in Deutschland und seine Sprachkenntnisse sind beeindruckend. Seine hellwachen grünen Augen strahlen, als er erzählt, dass er mittlerweile vier Mal in der Woche trainiert. Auf die Frage, was Fußball für ihn bedeutet, lacht er kurz auf und sagt dann ernst: "Alles."

Diese Strahlkraft des Sports nutzt "Willkommen im Fußball", um geflüchtete Kinder und Jugendliche durch das qualifizierte Training auch an Sprach-, Bildungs- und Kulturangebote heranzuführen und auch und insbesondere einfach Begegnung zu schaffen. An drei Standorten sind bereits Willkommensbündnisse entstanden. Neben Eintracht Braunschweig arbeiten bereits der 1. FSV Mainz 05 und Hertha BSC mit der Bundesliga-Stiftung und dem Projektträger, der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, zusammen. Bis Anfang 2016 sollen noch 17 weitere Bündnisse hinzukommen. Sami und seine Freunde haben sicher nichts dagegen.

Florian Reinecke