Dass Marco Kurz zu übertriebener Euphorie neigt, lässt sich nun wirklich nicht behaupten. Gratulationen zum doch so unausweichlich scheinenden Aufstieg seines mit vier Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze der 2. Bundesliga stehenden 1. FC Kaiserslautern weist der Cheftrainer beharrlich zurück.

Die "Wir-schauen-nur-von-Spiel-zu-Spiel-Doktrin" ist ihm heilig, damit ist Kurz bislang in dieser Saison mit den Pfälzern gut gefahren. Und so ist es kein Wunder, dass der FCK-Coach auch nichts davon hält, einzelne Spieler hervorzuheben. "Wir sind ein Kollektiv", betont der stets im Trainingsanzug am Spielfeldrand mitfiebernde Kurz gerne.

Befreiungsschlag mit Dreierpack

Doch inzwischen dürfte es auch ihm schwer fallen, seiner Linie treu zu bleiben. Denn kein Zweitliga-Spieler ist derzeit in einer ähnlich überragenden Form wie Sidney Sam. Der Mittelfeld-Wirbler der Lauterer war an zehn der letzten 15 FCK-Tore direkt beteiligt, traf in den vergangenen sieben Spielen sieben Mal selbst und bereitete drei Treffer vor. In dieser Zeit blieben die Pfälzer ungeschlagen, feierten fünf Siege und holten zwei Remis.

Für die Aufstiegshoffnungen des FCK war diese Serie essentiell, schließlich hatte der zuvor souveräne Tabellenführer vom 17. bis zum 19. Spieltag zwei Mal verloren und war gegen Rot Weiss Ahlen nicht über ein 0:0 hinausgekommen. Der Befreiungsschlag folgte beim 3:0 in Aachen, der Mann des Abends auf dem Tivoli mit drei Toren: Sidney Sam.

Zwei Mal spielte Sam dem Aachener Seyi Olajengbesi Knoten in die Beine und traf mit seinem starken linken Fuß ins Tor. Ein verwandelter Elfmeter machte den "Dreierpack" perfekt. Auch beim überzeugenden 3:0-Erfolg im Spitzenspiel gegen den FC St. Pauli war Sam der beste Mann auf dem Platz und verkündete anschließend: "Wenn wir so spielen, kann uns nichts aufhalten."

Torschütze und Vorbereiter in Personalunion

Solch überschäumende Euphorie kommt bei Chef Kurz nicht sonderlich gut an. "Sidney Sam ist nicht allein", sagte der. Dass er auf die seit dem Sommer 2008 beim FCK spielende Leihgabe vom Hamburger SV aber nicht mehr verzichten möchte, lässt sich schon an den Zahlen ablesen: Sam, der beim HSV noch einen Vertrag bis 2011 besitzt, stand in allen 26 bislang absolvierten Zweitliga-Partien in der Startelf der "Roten Teufel".

Die Tatsache, dass der 22-Jährige nicht nur Torschütze (neun Saisontore) sondern auch Vorbereiter (sechs Torvorlagen) ist, beweist seine Mannschaftstauglichkeit. Zudem reißt Dribbler Sam mit seinem starken Antritt immer wieder Löcher in die gegnerische Abwehr, in die Kollegen wie Erik Jendrisek, Adam Nemec oder Jiri Bilek dann hineinstoßen können.

Dass der U-21-Nationalspieler Sam diese Teamfähigkeit mittlerweile an den Tag legt, ist auch ein großes Verdienst von Kurz. Deshalb wird der Trainer auch ein Auge zu drücken, wenn sein begabter Jungprofi verbal mal über das Ziel hinausschießt.

Bislang vier Bundesliga-Einsätze

Denn eines ist klar: Behalten würden sie den gebürtigen Kieler schon gerne in der Pfalz, am liebsten als Bundesligaspieler nach erfolgreich absolviertem Saisonendspurt. "Wenn wir aufsteigen, würde ich gerne hier bleiben", sagte Sam nach seiner Gala in Aachen.

Vier Kurzeinsätze für den HSV stehen in der Bundesliga bislang für den offensiven Mittelfeldmann zu Buche. Diese Zahl wird sich in der kommenden Saison so oder so deutlich erhöhen, das weiß auch Sam, der sich durch seine Leistungen in den Mittelpunkt gespielt: "Mein Ziel ist es auf jeden Fall, im nächsten Jahr in der Bundesliga zu spielen. Wo, das entscheidet letztendlich der HSV."

Matthias Becker