Cottbus/Berlin - Mit dem 2:0-Erfolg im Spitzenspiel der 2. Bundesliga gegen die SpVgg Greuther Fürth am Dienstagabend hat der FC Energie Cottbus seine erstklassige Position in der Tabelle und den großartigen Saisonstart untermauert.

Mann des Abends war wieder einmal Nils Petersen. Schon zum siebten Mal netzte der Cottbuser Angreifer im fünften Saisonspiel ein. Zum dritten Mal in der noch jungen Saison erzielte er das so wichtige 1:0.

Im Interview mit bundesliga.de spricht Petersen über seinen beeindruckenden Start in die noch junge Saison sowie die starke Frühform der Lausitzer. Weiterhin erklärt er, warum Cottbus im Vergleich zum Vorjahr wie ausgewechselt spielt und welchen Stellenwert das Derby gegen Hertha BSC (Freitag ab 17:45 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) hat.

bundesliga.de: Herr Petersen, herzlichen Glückwunsch zum Sieg gegen Fürth. Wie bewerten Sie die Leistung von Cottbus gegen die Spielvereinigung?

Nils Petersen: Für uns als Mannschaft war dieses Spiel ein weiterer Schritt nach vorn. Wir haben aus den Fehlern in den vorangegangenen Partien gelernt, waren defensiv als Team besser organisiert, ohne an Effektivität im Angriff einzubüßen.

bundesliga.de: Trotz eines Heimspiels hatte Cottbus nur rund 35 Prozent Ballbesitz. Es heißt, sehr gute Mannschaften können auch weniger gute Spiele für sich entscheiden. Ist Cottbus eine sehr gute Mannschaft?

Petersen: Wir sind eine gute Mannschaft. Zu einer sehr guten fehlt uns noch etwas. Wenn jeder Einzelne Woche für Woche ans Limit geht, gehören wir ins obere Tabellendrittel. Aber wenn wir nur ein paar Prozent nachlassen, reicht es halt nicht mehr. Doch wir befinden uns mitten in der Entwicklung und haben als junge Mannschaft den Zenit längst nicht erreicht. Fürth hat uns als sehr spielstarker und ballsicherer Gegner auch läuferisch und kämpferisch alles abverlangt. Zudem musste Greuther Fürth nach unserer Führung mehr investieren, während wir großes Augenmerk auf die Abwehrarbeit gelegt haben. So erklärt sich dann auch mal ein ungewöhnlicher Prozentsatz an Ballbesitz.

bundesliga.de: In der Vorsaison kämpfte Energie bis zum Schluss gegen den Abstieg. Jetzt dieser grandiose Start. Warum greift das System von Trainer Claus-Dieter Wollitz auf einmal so gut?

Petersen: Die meisten von uns kennen sich jetzt schon ein Jahr, wir haben die Philosophie des Trainers verinnerlicht und können sie nun besser umsetzen. Zudem wurden durch die gezielte Verpflichtung neuer Spieler positionelle Lücken geschlossen. Als Team sind wir reifer geworden und entwickeln immer mehr die Mentalität, die uns Pele Wollitz vorlebt.

bundesliga.de: Sie haben bereits sieben Mal in den ersten fünf Spielen getroffen. Sie müssen ja auf Fußballwolke sieben schweben. Wie erklären Sie sich diesen tollen Start?

Petersen: Die Ursache liegt in unserer offensiven Ausrichtung und unserer Qualität im Spiel nach vorn. Wir Stürmer leben von der Vorarbeit der Kollegen, ohne sie wären keine Tore möglich. Ich wurde bislang hervorragend eingesetzt und konnte die starken Leistungen des Teams mit Treffern belohnen. Natürlich wachsen auch mit jedem Erfolgserlebnis die Sicherheit vor dem Tor und das Selbstvertrauen.

bundesliga.de: Sie haben vier Mal mit links, zwei Mal mit rechts und ein Mal per Kopf getroffen. Würden Sie sich als kompletten Stürmer bezeichnen oder gibt es eine "Schokoladenseite"?

Petersen: Auch wenn die bisherige Quote etwas anderes vermuten lässt: mit dem Kopf klappt es eigentlich am besten. Ansonsten ist Vielseitigkeit im Abschluss wohl eine meiner Stärken. Mit dem schwächeren linken Fuß die meisten Treffer erzielt zu haben, überrascht mich selbst ein wenig.

bundesliga.de: Vergangene Saison haben Sie mit zehn Saisontreffern bereits auf sich aufmerksam gemacht. Woran haben Sie im Sommer besonders gefeilt, um sich weiter zu verbessern?

Petersen: An der Konzentration beim Torabschluss. In jedem Training. Mein Anspruch ist es, weniger Chancen liegen zu lassen.

bundesliga.de: Am 6. Spieltag kommt es nun zum absoluten Spitzenkracher im Derby gegen Hertha BSC. Energie hat nur eines der vergangenen sechs Derbys verloren. Sehen Sie Ihr Team im Vorteil?

Petersen: Qualitativ hat uns Hertha zweifellos einiges voraus. Aber die Fans im eigenen Stadion können für eine gefühlte Überzahl sorgen. In diesem einen Spiel kann das von größerer Bedeutung sein als die individuelle Klasse.

bundesliga.de: Nun gibt es auch gegen Hertha "nur" maximal drei Punkte zu holen. Aber würde ein Sieg dennoch etwas ganz Besonderes sein?

Petersen: Es sind drei Punkte mit einer Krone oben drauf. Die wollen wir uns gemeinsam mit den Fans nach dem Spiel möglichst aufsetzen.

Die Fragen stellte Sebastian Stolz