Köln - Der Karlsruher SC rollt im Moment das Feld von hinten auf. Nach dem Fehlstart sind die Badener nun seit fünf Spielen ungeschlagen und haben den Anschluss ans Mittelfeld wieder hergestellt. Vor dem Topspiel beim 1. FC Nürnberg am kommenden Montagabend spricht KSC-Stürmer Dimitrij Nazarov im Interview mit bundesliga.de über den Aufschwung, seine eigene Form und Trainer Markus Kauczinski.

bundesliga.de: Dimitrij Nazarov, am vergangenen Wochenende haben Sie Ihren ersten Saisontreffer erzielt. Wie groß war die Erleichterung über das Tor, nachdem Sie längere Zeit nicht mehr getroffen hatten?

Dimitrij Nazarov: Die war sehr groß. Ich hatte eine lange Durststrecke von über 20 Spielen ohne Tor im Verein. In der Nationalmannschaft (von Aserbaidschan, die Red.) lief es ein bisschen besser. Da habe ich regelmäßig getroffen. Es war eine Befreiung, dass es endlich geklappt hat. Ich war in den letzten Spielen auch immer wieder mal nah dran. Der Trainer hat mir Mut zugesprochen und gesagt, dass ich kurz davor sei und einfach weiter machen solle. Es wäre nur eine Frage der Zeit. Ich habe nie aufgegeben. Jetzt hat es geklappt, und ich versuche, gegen Nürnberg gleich nachzulegen.

bundesliga.de: Der KC verzeichnet mit fünf Spielen ohne Niederlage einen Aufwärtstrend und hat auch gegen starke Gegner gepunktet. Ist die Mannschaft nach dem nicht so guten Start wieder in der Spur?

Nazarov: Wir sind ganz klar im Aufwind. Das sieht man auch an der Art und Weise wie wir spielen. Die ist positiv. Wir waren auch gegen Freiburg sehr nah am Dreier, vorher auch gegen Düsseldorf. In den Partien hat noch ein Quäntchen gefehlt. Wir haben aber nie aufgegeben und weiter an uns geglaubt. Wir mussten nur an kleinen Details arbeiten.

bundesliga.de: An welchen zum Beispiel?

Nazarov: Am Torabschluss. Wir hatten auch in den Spielen davor unsere Chancen. Im letzten Jahr hat uns unsere Chancenverwertung noch stark gemacht. Daran haben wir Woche für Woche gearbeitet. Wir haben die Abläufe und Laufwege der Offensivreihe verstärkt trainiert. Die Abstimmung passt nun immer mehr. Wir haben noch Luft nach oben, sind aber auf einem sehr guten Weg. Es wird für die Gegner schwer, uns in dieser Form zu schlagen.

"Wir haben alles aus der Welt geschafft"

bundesliga.de: War der schleppende Start in die Saison auch noch mit den Nachwehen der unglücklich verlaufenen Relegation zu begründen?

Nazarov: Es kam vieles zusammen. Wir hatten auch Abgänge wie die von Rouwen Hennings oder Philipp Max. Trotzdem gingen die Leistungen in den ersten Wochen gar nicht. Wir waren eine leblose Mannschaft. Die Niederlagen waren verdient. Danach hat sich das gesamte Team zusammengesetzt und gesagt, dass es so nicht weitergehen kann. Wir haben uns in die Augen geguckt und uns ausgesprochen. Wir haben alles aus der Welt geschafft und wurden wieder eine richtige Einheit. Jeder ist für den anderen da und bügelt dessen Fehler aus. Das hat uns in den letzten zwei Jahren stark gemacht. Wir sind jetzt wieder dabei, zu alter Stärke zurückzufinden.

bundesliga.de: In dieser Phase hat auch der Trainer seinen Abschied zum Saisonende bekannt gegeben. Hat das die Mannschaft sehr überrascht?

Nazarov: Ich war bei der Nationalmannschaft, als ich es erfahren habe. Für mich kam es auch überraschend. Aber das Fußballgeschäft ist leider so. Der Trainer ist seit einigen Jahren beim KSC. Es war seine persönliche Entscheidung, dass er auch einmal einen Tapetenwechsel braucht. Das ist nachvollziehbar und kann man ihm nicht übelnehmen. Wir als Mannschaft haben uns vorgenommen, dass wir den eingeschlagenen Weg mit dem Trainer weitergehen wollen. Markus Kauczinski ist immer noch mit 120 Prozent Engagement dabei, motiviert und korrigiert uns. Das ist ganz wichtig für uns. Wir wollen eine sehr gute Runde zu Ende spielen.

"Der Trainer verzeiht auch Fehler"

bundesliga.de: Sie selbst spielen Ihre dritte Saison in Karlsruhe. In der vergangenen Runde kamen Sie oft als Joker, nun sind Sie Stammspieler. Wie sehen Sie selbst Ihre Rolle auch nach dem Abgang von Rouwen Hennings?

Nazarov: Ich spüre momentan das absolute Vertrauen des Trainers. Das hat mir vielleicht im Vergleich zum letzten Jahr einen Schub gegeben. Damals fehlte mir noch die Konstanz. Die ist jetzt da. Der Trainer spricht mit viel mir über meine Stärken. Ich habe mir in der Nationalmannschaft viel Selbstvertrauen geholt. Momentan bin ich in einer sehr guten Form. Es ist gut zu wissen, dass der Trainer hinter mir steht und mir auch Fehler verzeiht. Er sagt, dass ich mein risikoreiches Spiel beibehalten soll. Es passt ganz gut im Moment.

bundesliga.de: Nächster Gegner des KSC ist am kommenden Montag der 1. FC Nürnberg, eine sehr heimstarke Mannschaft, die den Erwartungen etwas hinterher hinkt. Wie sehen die Aufgabe?

Nazarov: Wir bereiten uns auf den Club vor, wir sind im Aufwind und wollen den bestätigen. Dann wird es auch für Nürnberg schwer, uns zu schlagen. Wir müssen kompakt stehen und unsere Chancen eiskalt ausnutzen. Dann holen wir ein positives Resultat.

bundesliga.de: Was ist in dieser Saison noch drin?

Nazarov: Das ist schwer zu sagen. Die 2. Bundesliga ist so ausgeglichen. Jedes Spiel muss erst einmal gespielt werden. Wir gucken nur von Spiel zu Spiel. Damit sind wir schon in der letzten Saison gut gefahren.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski