Karlsruhe - Dirk Orlishausen hatte sich zu früh gefreut. Als zehn Minuten vor Schluss der Partie gegen 1860 München fröhliche "St. Pauli"- Rufe durch den Wildpark schwappten, glaubte er, der KSC könne als Zweitplatzierter direkt aufsteigen.

"Ich habe da natürlich gedacht, dass die Hamburger in Darmstadt den Ausgleich geschafft hätten", berichtete "Orle". Doch die KSC-Fans waren einer Ente aufgesessen. Darmstadt hatte sich dank eines 1:0-Sieges direkt den Aufstieg gesichert.

Gesundes Selbstvertrauen beim KSC

Der Sieg des Karlsruher SC gegen erschreckend schwache Münchner bedeutete hingegen gleich für beide Teams die Relegation: Während die Löwen nun gegen Holstein Kiel den Absturz in die Drittklassigkeit vermeiden müssen, hat der KSC zwei Spiele gegen den HSV vor der Brust - gleich am Donnerstag geht es in Hamburg zur Sache, das Rückspiel wird am Montag im Wildpark angepfiffen. Und dabei, glaubt Orlishausen, ist das Ergebnis vollkommen offen. "Die Hamburger sind in der letzten Saison mit 27 Punkten dringeblieben und haben jetzt gerade mal 25 Tore geschosse", sagte Orlishausen. "Irgendwann ist der HSV fällig."

Der Karlsruher Kapitän war nicht der einzige, der mit optimistischen Statements auffiel. Warum das Team dennoch der Versuchung widerstanden hat, abzuheben, wurde auch am Sonntag deutlich. Da wurde Trainer Markus Kauczinski mit der Aussage seines Spielers Philipp Max ("Wir wollen dafür sorgen, dass beim HSV die Uhr stehenbleibt") konfrontiert und war alles andere als begeistert. "Es gibt wirklich keinen Grund, sich jetzt zu erheben. Der HSV ist natürlich Favorit." Der KSC müsse sich allerdings nicht verstecken und habe zudem den Vorteil, zuerst nach Hamburg zu müssen. "Das Rückspiel dann mit den eigenen Fans im Rücken, so ist das schon besser..."

Taktische Disziplin als Stärke

Kauczinski und Sportdirektor Jens Todt wissen dabei um Stärken und Schwächen der eigenen Mannschaft, die in der Breite besser besetzt sein könnte. Wie kein zweites Team ist der KSC deshalb auch auf taktische Disziplin angewiesen. Wie Darmstadt 98 hat man in 34 Spielen nur 26 Gegentore bekommen, die Badener schossen aber zwei Treffer mehr.

"Diese Mannschaft hat doch schon oft gezeigt, dass sie Charakter hat", durfte Verteidiger Daniel Gordon dann auch sagen. "Vor zwei Wochen haben uns doch alle schon abgeschrieben. Und jetzt sind wir voll da." Das wiederum konnte man nun wirklich nicht bestreiten. Es war schon beeindruckend zu sehen, wie der KSC die ersatzgeschwächten Löwen von Beginn an in der eigenen Hälfte einschnürte, sich weder in der Defensive noch im Angriffsbereich größere Konzentrationsmängel leistete und auch spielerisch überzeugte.

Dass mit Reinhold Yabo der eigentliche Mittelfeldmotor gelbgesperrt fehlte, fiel gar nicht auf. Nach dem Eigentor von Münchens Verteidiger Kai Bülow (9.) erzielte Torres den Endstand (69.). Zweitliga-Torschützenkönig Rouwen Hennings (17 Treffer) blieb hingegen ein Erfolg versagt - trotz einiger Chancen. Am Donnerstag, im Spiel bei seinem Ex-Verein dürfte der Angreifer umso motivierter sein, nachzuweisen, dass er auch gegen Bundesligisten treffen kann.