München - Verkehrte Welt in Hamburg: Während der HSV den schlechtesten Bundesliga-Start aller Zeiten hinlegte, läuft es beim Lokalrivalen FC St. Pauli so gut wie nie zuvor. Der Zweitligist steht punktgleich mit dem Spitzenreiter SpVgg Greuther Fürth auf Rang 2 der Tabelle. Dabei gewannen die "Braun-Weißen" nie zuvor im Profifußball sechs der ersten acht Partien. Im Heimspiel gegen Erzgebirge Aue soll diese Erfolgsserie weiter ausgebaut werden.

In den weiteren Freitagsspielen des 9. Spieltags muss der FC Ingolstadt in der Energieteam Arena beim SC Paderborn antreten. Der FSV Frankfurt empfängt den überraschend starken Aufsteiger Eintracht Braunschweig (alle Spiele ab 17.45 Uhr im Live-Ticker).

FC St. Pauli - Erzgebirge Aue

Vier Heimspiele, vier Heimsiege - der FC St. Pauli hat bislang eine blitzsaubere "Heimweste". Gegen Erzgebirge Aue soll nun der fünfte Streich in Folge her und damit einher auch die vorübergehende Tabellenführung für mindestens zwei Nächte.

Obwohl zwischen den beiden Teams elf Plätze und zwölf Zähler liegen, erwarten die Gastgeber gegen die "Veilchen" ein hartes Stück Arbeit. "Das wird ein sehr unangenehmes Spiel gegen eine physisch starke Mannschaft, die alles in die Waagschale werfen wird, um bei uns etwas mitzunehmen. Wichtig wird es sein, dass wir unser Spiel durchsetzen, dominant auftreten und das Spiel gestalten", äußert sich Abwehrspieler Ralph Gunesch zu der Begegnung. St-Pauli-Trainer Andre Schubert legt derweil sein Hauptaugenmerk auf die Defensivarbeit und mahnt seine Akteure. "Wir müssen noch mehr in die defensiven Laufwege investieren. Wir spielen sehr offensiv und versuchen, viele Spieler vor dem Ball zu haben, doch bei Ballverlust müssen wir schnell umschalten, da es sonst für unsere Defensive schwer wird." Verzichten muss der 36-Jährige weiterhin auf Jan-Philipp Kalla (Oberschenkel-OP) sowie auf Carlos Zambrano, Deniz Naki und Moritz Volz, die sich allesamt im Aufbautraining befinden.

Alles andere als rund läuft es dagegen derzeit beim Gegner aus Aue. Nach dem 1:0-Auftaktsieg gegen Alemannia Aachen sind die Erzgebirgler nun schon seit sieben Spielen sieglos (vier Remis, drei Niederlagen). In der vergangenen Saison musste Aue nie länger als drei Spiele auf einen Sieg warten. "Es ist nicht alles schlecht, nur die Ergebnisse stimmen nicht. Realismus ist wichtig, um die jetzige Saison einzuordnen. Ich bin absolut optimistisch, dass wir wieder erfolgreich sein werden", sagt Trainer Rico Schmitt, der sich trotz der klaren Außenseiter-Rolle für die Partie bei den "Kiezkickern" etwas ausrechnet. "Einer der Knackpunkte wird sein, stabil die Anfangsphase zu überstehen und lange das Spiel offen zu halten. Wenn wir die tolle Kulisse für uns absorbieren und mit breiter Brust in die Partie gehen, dann kann es uns auch gelingen, auswärts bei St. Pauli den Gegner zu Fehlern zu zwingen und diese zu nutzen." Wie in den vergangenen Spielen kann der Übungsleiter dabei aus dem Vollen schöpfen.




SC Paderborn - FC Ingolstadt

Der SC Paderborn ist gegen den FC Ingolstadt noch ungeschlagen, allerdings duellierten sich die beiden Clubs in der 2. Bundesliga auch erst zwei Mal (ein Sieg, ein Remis). Dennoch gehen die Ostwestfalen als Favorit in die Partie, setzten sie zuletzt doch ein dickes Ausrufezeichen.

Am vergangenen Sonntag gewannen sie mit 4:0 beim VfL Bochum und feierten damit ihren höchsten Auswärtssieg in der 2. Bundesliga. Überhaupt ist die Elf von Trainer Roger Schmitt seit vier Partien ungeschlagen (zwei Siege, zwei Remis) und steht momentan auf Platz 8. Einziger Makel: In den bisherigen drei Heimspielen klappte es noch nicht mit einem "Dreier". Das soll sich gegen Ingolstadt nun ändern. "Wir wollen nicht nur gut spielen, sondern dies auch im Ergebnis ausdrücken. Unsere Anhänger sollen jetzt auch nach einem Heimspiel Grund zum Feiern haben", sagt Schmitt. Hinter vier Spielern stehen noch Fragezeichen. Während Kapitän Markus Krösche an einer Knieprellung laboriert, plagen sich Florian Mohr, Jens Wemmer und Sören Brandy mit Erkältungen herum.

Ein Befreiungsschlag gelang dem Gegner aus Ingolstadt am vergangenen Freitag mit dem 4:2-Heimsieg über Aufsteiger Dynamo Dresden. Durch diesen Erfolg machten die "Schanzer" in der Tabelle einen großen Sprung auf Rang 10. "Es dürfte einige Zeit her sein, dass der FC in der 2. Bundesliga so weit oben stand", freut sich auch Trainer Benno Möhlmann. Doch viel Zeit zum Freuen bleibt nicht, wartet mit dem SC Paderborn doch schon die nächste Bewährungsprobe auf seine Elf. Die Auswärtsbilanz sieht momentan nämlich alles andere als gut aus. Dort stehen vier Niederlagen aus vier Partien zu Buche. Und so ist sich auch Mittelfeldmann Andreas Buchner der Bedeutung der Partie bewusst. "Wir kommen nur nach oben, wenn wir auch mal auswärts so eine Leistung zeigen wie zuhause gegen Dresden - am besten schon am Freitag in Paderborn." Dabei hat sich die Personalsituation bei den Gästen nicht wirklich entspannt. Neben Andreas Görlitz (Rotsperre) kann Möhlmann verletzungsbedingt nicht auf Caiuby, Leonhard Haas, Malte Metzelder und Ahmed Akaichi zurückgreifen.




FSV Frankfurt - Eintracht Braunschweig

Es ist eine Premiere: Noch nie trafen diese beiden Teams in der 2. Bundesliga aufeinander. Der FSV hofft gegen den Aufsteiger aus Braunschweig auf die Trendwende. Bisher gelang der Elf von Trainer Hans-Jürgen Boysen erst ein Saisonsieg.

Zudem gab es zuletzt eine deutliche 0:4-Niederlage beim TSV 1860 München. "Wir wissen, wo der Hebel anzusetzen ist und das werden wir auch tun. Wir wollen wieder dahin kommen wie zuletzt gegen Aue, nämlich zum gegnerischen Tor. Das haben wir in München zu selten geschafft", bemängelt der FSV-Coach, der mit seinem Team bereits zehn Zähler hinter den Niedersachsen zurückliegt. Dennoch gibt sich Boysen zuverischtlich: "Wenn wir es schaffen, von der ersten Minute an hellwach zu sein, selbst Spielfreude und Motivation finden, gegen diesen Gegner erfolgreich sein zu wollen, dann können wir die Braunschweiger schlagen. Und das muss auch das Ziel sein." Dabei sind die Einsätze von Marc Heitmeier (Beckenprellung) sowie Mario Fillinger (Adduktorenprobleme) noch fraglich. Verzichten müssen die Gastgeber weiterhin auf Jutae Yun und Tufan Tosunoglu.

Wer hätte das vor dem Saisonbeginn gedacht? Mit 17 Punkten aus den ersten acht Spielen stehen die Braunschweiger "Löwen" auf dem 4. Rang, schnuppern an den Aufstiegsplätzen und strotzen derzeit nur so vor Selbstvertrauen. Wenn am 9. Spieltag für die Braunschweiger alles optimal läuft, könnten sie sogar mit einem weiteren Sieg auf Platz 1 springen. "Wir fahren nach Frankfurt, um drei Punkte zu holen", sagt Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht, der klar stellte, dass die vergangene 0:4-Pleite der Hessen in München kein Gradmesser für die Partie am Freitag sei. "Der FSV ist auf dem Weg, sich in der 2. Bundesliga mit erfahrenen Spielern und ergänzt durch Talente aus der 3. Liga zu etablieren. Wir wissen aus der Vergangenheit, dass der FSV gerade nach Niederlagen immer eine Antwort parat hatte", warnt der 38-Jährige seine Mannen. Im Vergleich zum vergangenen Spiel gegen den FC Energie Cottbus muss der Fußball-Lehrer seine Startformation umbauen, da Angreifer Dominick Kumbela gelb-rot-gesperrt fehlt. Weiterhin nicht auflaufen können zudem Keeper Marjan Petkovic (Aufbautraining), Deniz Dogan (Wadenprellung) und Pascal Gos (Reha).