Ganz Ahlen stand Kopf. In der Nachspielzeit der Partie der Rot Weissen gegen den TSV 1860 München am 3. Spieltag der noch jungen Saison 2008/09 in der 2. Bundesliga erzielte Rene Müller den 2:1-Siegtreffer. Anschließend brachen alle Dämme im Wersestadion.

Der Triumph über die "Löwen" - der zweite Heimsieg im zweiten Saisonheimspiel - katapultierte den Aufsteiger auf Platz 4. Ein gelungener Start, über den bundesliga.de mit Last-Minute-Held Müller spricht.

Der erst kurz vor Saisonbeginn verpflichtete Angreifer erinnert sich noch einmal an den Treffer gegen den TSV, erklärt, welche Substanz in seiner neuen Mannschaft steckt, und blickt auf den nächsten Gegner der Ahlener.

bundesliga.de: Herr Müller, das Siegtor in buchstäblich letzter Sekunde gegen 1860 geschossen. War dies ein besonderer Moment in Ihrer Laufbahn?

René Müller: Es war ein sehr schönes Gefühl, der Mannschaft geholfen zu haben. Ein Tor in buchstäblich letzter Sekunde ist immer etwas Besonderes, vor allem, wenn es zum Sieg führt. Wir hatten uns schließlich fest vorgenommen, drei Punkte im Heimspiel gegen den TSV zu holen.

bundesliga.de: Wie haben Sie die Sekunden nach dem Treffer erlebt?

Müller: Der Ball flog in den Strafraum hinein und über uns Angreifer hinweg. Als Stürmer denkt man da erstmal, dass die Chance damit vertan ist. Doch dann bekam Kevin Großkreuz den Ball im Liegen noch einmal flach hereingespielt. Aus dieser Hereingabe resultierte schließlich der Treffer. Die Sekunden danach waren einfach nur pure Freude. Bei allen Spielern kamen unglaubliche Emotionen hoch und wir wurden für die harte Arbeit der vorherigen 90 Minuten belohnt.

bundesliga.de: RW Ahlen hat einen sehr guten Start erwischt. Wie groß ist das Selbstbewusstsein im Team aktuell?

Müller: Wir sind mit zwei Heimsiegen gestartet. Das ist ein guter Anfang. Doch wir wissen genau, woher wir kommen, und was wir noch verbessern müssen. Von dem guten Start lassen wir uns keinesfalls blenden. Aber die sechs Punkte kann uns keiner wegnehmen. Wir haben ein großes Selbstvertrauen und wollen uns auch in den kommenden Spielen so teuer wie möglich verkaufen.

bundesliga.de: Worin liegen die Stärken des Teams?

Müller: Wir haben eine sehr eingespielte Mannschaft. Das ist unser großes Faustpfand. Die mannschaftliche Geschlossenheit und die Homogenität im Team sind unsere großen Stärken. Man hat den Stamm der Mannschaft, die den Aufstieg geschafft hat, in die 2. Bundesliga mitgenommen, und sich nur punktuell verstärkt. Wir sind einfach eine geschlossene Einheit.

bundesliga.de: Das Ziel ist sicher dennoch der Klassenerhalt. Was muss die Mannschaft tun, um auch in der kommenden Saison in der 2. Bundesliga zu spielen?

Müller: In erster Linie müssen wir die Vorgaben, die wir uns setzen, auch umsetzen. Wir wollen über ein schnelles Spiel nach vorn zum Erfolg kommen und müssen zusehen, dass wir dieses Konzept über die gesamte Saison abrufen können. Dann werden wir auch die nötigen Punkte einfahren. Denn die Qualität in der Mannschaft ist groß.

bundesliga.de: Eigentlich sollten Sie diese Saison gar nicht in Ahlen, sondern in Offenbach spielen. War der Gang zu Rot Weiss die richtige Entscheidung?

Müller: Absolut, zu hundert Prozent. Ich bin froh, dass der Wechsel so kurzfristig noch geklappt hat. Über die Einzelheiten ist ja nun viel gesprochen und geschrieben worden. Darauf möchte ich auch gar nicht mehr näher eingehen. Ich bin einfach nur glücklich, dass ich jetzt in Ahlen spielen darf.

bundesliga.de: Sie haben einen Einjahresvertrag in Ahlen unterschrieben. Dennoch die Frage: Wie sehen Ihre Perspektiven bei Rot Weiss aus und wie sind die Perspektiven des Vereins im Allgemeinen?

Müller: Wir haben uns erstmal auf einen Einjahresvertrag verständigt. Was danach kommt, schauen wir mal. Es liegt ja auch immer an einem selbst. Wenn ich vernünftige Leistungen anbiete, kann ich mir durchaus vorstellen, auch länger in Ahlen zu bleiben. Aber darüber jetzt zu reden, ist ein wenig verfrüht. Die Perspektiven des Vereins sind in meinen Augen auf jeden Fall sehr gut. Nach zweijähriger Abstinenz hat der Club den Sprung zurück in den Profifußball geschafft. Der Verein wird sehr solide geführt und möchte sich langsam wieder etablieren. Es ist schön, Teil dieser Entwicklung zu sein. Und natürlich möchte ich mit meiner Leistung dazu beitragen, dass es weiter voran geht.

bundesliga.de: Das nächste Spiel bestreitet Ahlen bei RW Oberhausen - einen Ihrer Ex-Clubs. Ist die Begegnung etwas Besonderes für Sie?

Müller: Meine Zeit in Oberhausen liegt nun schon einige Jahre zurück. Besonders würde ich nicht sagen, doch es ist schön, wieder auf ehemalige Mannschaftskameraden zu treffen. Man hat ja überall Freunde gefunden. Und der eine oder andere ist zwar nicht mehr selbst aktiv, steht jetzt dafür auf der Kommandobrücke bei RWO. Mit dem Trainer Jürgen Luginger und dem Co-Trainer Oliver Adler habe ich damals noch zusammengespielt. Auf dieses Wiedersehen freue ich mich.

bundesliga.de: Können Sie Punkte aus Oberhausen entführen?

Müller: Wir wollen natürlich auch auswärts unser Spiel so durchbringen, dass es zum Erfolg führt. Wenn wir unsere Stärken so abrufen, wie es uns in den beiden Heimspielen gelungen ist, dann sind unsere Chancen auf etwas Zählbares nicht schlecht. Nach den zwei Heimerfolgen können wir mit breiter Brust in Oberhausen auftreten. Ob es zu einem oder zu drei Punkten reicht, werden wir ja sehen. Auf jeden Fall wollen wir Punkte mitnehmen.

Das Interview führte Sebastian Stolz