München - Am Montagabend bevölkerten tausende Fürther die Kneipenmeile Gustavstraße und machten die Nacht zum Tage. Nur einer fehlte, den man dort unbedingt erwartet hätte: Präsident Helmut Hack weilte zeitgleich in Frankfurt und diskutierte im DFL-Vorstand über die Vergabe der TV-Rechte.

Das "Kleeblatt" ist im wahrsten Sinne des Wortes sein Verein. Seit 1997 trägt die Spielvereinigung nach der Fusion mit dem Dorfclub TSV Vestenbergsgreuth den Zusatz "Greuther".

Zusammenschluss überlebenswichtig



"Ohne den Zusammenschluss würde es das 'Kleeblatt' nicht mehr geben", sagt Hack, der seither als Präsident fungiert und vorher 13 Jahre lang Chef des Fußballclubs in seinem Wohnort Vestenbergsgreuth war.

Der dreifache Deutsche Meister (1914, 1926, 1929) war damals pleite. Schon ein Jahr darauf stieg das "Kleeblatt" unter Armin Veh in die 2. Bundesliga auf. Hack, im Hauptberuf Geschäftsführer eines Unternehmens mit 2.200 Mitarbeitern, ist ein Fußballverrückter, dessen Sachverstand noch von jedem Trainer gepriesen wurde.

Am vergangenen Freitag beobachtete er in der Schweiz einen potenziellen Neuzugang. Vor allem aber hat der 62-Jährige eine Vereinsphilosophie vorgegeben, an die sich jeder Manager und jeder Trainer zu halten hat. Man definiert sich als Ausbildungsverein, der junge Talent entwickelt und nicht lamentiert, wenn sie irgendwann zur finanzstärkeren Konkurrenz abwandern. "Niedergeschrieben" (Hack) ist auch die fußballerische Identität: "Wir spielen offensiven, dynamischen Fußball und suchen Spieler mit guter Grundschnelligkeit und Technik."

Hack: "Mike ist der Vater des Aufstiegs"



Wenn Hack über Mike Büskens spricht, sprudeln die Lobesworte nur so aus ihm heraus. "Mike ist der Vater des Aufstiegs. Er redet nicht nur von Leidenschaft, sondern lebt die jede Minute vor." Büskens, der in Fürth immer noch im Hotel lebt, sei ein Glücksfall für das "Kleeblatt" - genau wie Manager Rachid Azzouzi, den viele Fans liebevoll beim Vornamen nennen.

Den ehemaligen Mittelfeldspieler, dem man seine rheinischen Wurzeln immer noch anhört, haben sie in den letzten 15 Jahren als Spieler und Manager im Fränkischen längst "eingemeindet". "Wir haben uns in der Vergangenheit manchmal zu klein gemacht", sagt der Manager. Und betont, dass nicht nur Eintracht Frankfurt sondern auch sein Team schon zu Saisonbeginn "das Ziel Aufstieg selbstbewusst angekündigt hat."

"Wenn es einer verdient hat, dann ihr"



Und dennoch: In Fürth sind sie gefeit davor, dass Selbstbewusstsein in Überheblichkeit oder Größenwahn umschlägt. Dazu hat man in Fürth in den vergangenen 15 Jahren zu solide gearbeitet. Die Mannschaft punktuell verstärken, das Fanpotenzial erhöhen, den Umsatz steigern - all das schwebt Azzouzi und Präsident Helmut Hack nun eine Spielklasse höher vor.

Aber alles Schritt für Schritt. Dass Fürth in der Bundesliga nicht eben als Zuschauermagnet gilt, ficht Hack nicht an. "Die Liga kann sich auf uns freuen. Und ich glaube, das tut sie auch." Seit Montag habe er die Gratulationen von mehreren Hundert Menschen entgegengenommen. Der Tenor, so Hack, sei immer der gleiche: "Wenn es einer verdient hat, dann ihr."

Christoph Ruf