München - "Er bringt den 'Bumms' mit, den wir in der Hinrunde manchmal haben vermissen lassen", stellte FC-Coach Holger Stanislawski seinen Neuzugang vor: Der Österreicher Stefan Maierhofer spielt bis zum Saisonende für den 1. FC Köln. Für den aktuell größten Spieler im deutschen Profifußball (2,02 Meter) ist es die fünfte Station in Deutschland. Lange Zeit hat es aber so ausgesehen, als ob es für Maierhofer gar nicht zum Profi reichen würde. Bis er eine E-Mail versichickte.

Dieser Klick sollte das Leben des damals 23 Jahre alten Amateurspielers von einem Tag auf den anderen komplett verändern. Als Kochlehrling im elterlichen Gastronomiebetrieb spielte Maierhofer nebenher beim österreichischen Viertligisten SV Langenrohr und hatte irgendwann die verrückte Idee, sich als Spieler beim FC Bayern München zu bewerben - per elektronischer Post. Und es klappte. Im Sommer 2005 bekam der "Lange" einen Vertrag bei der zweiten Mannschaft des Rekordmeisters.

Bundesliga-Debüt bei den Bayern



"Er kommt aus einer Liga, in der sie wahrscheinlich gerade mal ihre Schuhe unfallfrei zumachen können", sagte FCB-Amateurcoach Hermann Gerland bei der Ankunft des Angreifers. Doch Maierhofer biss sich durch. Das machte auch beim "harten Hund" Gerland Eindruck: "Er spielt mit ungeheuerem Einsatz und er ist unheimlich lernwillig." So debütierte Maierhofer im Oktober 2006 unter Coach Felix Magath in der Bundesliga. Beim FCB reichte es aber nur zu einem weiteren Einsatz.

Auch bei seinen nächsten Stationen Koblenz und Greuther Fürth blieb er nur ein halbes Jahr, ohne den echten Durchbruch zu schaffen. So wechselte Maierhofer Anfang 2008 zurück in die Heimat - eine goldrichtige Entscheidung. Mit Rapid Wien wurde der Hüne unter dem heutigen Dresden-Coach Peter Pacult auf Anhieb Meister.

Nach 31 Liga-Toren in 49 Spielen in Wien wollte er seine Torgefährlichkeit auch in der Premier League unter Beweis stellen. Bei den Wolverhampton Wanderers konnte er sich aber nicht durchsetzen und ging im Sommer 2010 zurück nach Deutschland. Mit Zweitligist Duisburg spielte sich der Stürmer-Riese 2010/11 bis ins DFB-Pokalfinale vor, bei dem er aber verletzt zuschauen musste. Da der MSV auch den Bundesliga-Aufstieg verpasste, war Maierhofer nicht zu halten. Ihn zog es erneut in die Heimat - nach Salzburg.

Viele Tore und schwere Zeiten in Salzburg



In der Mozartstadt landete Maierhofer im August 2011 und wurde auf Anhieb Torschützenkönig (14 Treffer) und Doublegewinner mit den Red Bulls. Nach der Inthronisierung von Sportdirektor Ralf Rangnick und Trainer Roger Schmidt im Sommer 2012 brachen für Maierhofer allerdings schwere Zeiten an - nicht nur sportlich. Sein älterer Bruder starb im Juni im Alter von nur 31 Jahren. Im Salzburger Team spielte der "Major", wie ihn die Teamkollegen nannten, kaum noch eine Rolle. Das neue Führungsduo aus Deutschland setzte stattdessen auf schnelle, wendige Spieler und löste Anfang Januar den Vertrag mit Maierhofer auf.

In Köln ist er nun der Hoffnungsträger und kann sich der Rückendeckung des Trainers sicher sein: "Ich hatte einige sehr positive Gespräche mit Holger Stanislawski, der mich unbedingt haben wollte." Stanislawski selbst erwartet von seinem Neuzugang aber in keinster Weise Wunderdinge: "Maierhofer ist sicher kein Messi am Ball - aber das ist bei einer Körpergröße von über zwei Metern auch schwer. Er bringt Mentalität mit, viel Erfahrung, seine Körperlichkeit." Maierhofers Vorzüge haben sich längst rumgesprochen. Die Zeiten sind längst vorbei, in denen der "Major" sich per E-Mail bewerben muss.

Christoph Gailer