Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer verlassen ihre kleine Insel Lummerland und landen in einer Wüste mit dem Namen "Das Ende der Welt". Zweitligist FC Augsburg, der seit dieser Saison eng mit der Augsburger Puppenkiste zusammenarbeitet, befindet sich momentan ebenfalls auf einer Reise.

Das Ziel des "FC Lummerland", wie der FCA in den Medien zuletzt schon getauft wurde, ist aber nicht das "Ende der Welt", sondern der Aufstieg in die erste Bundesliga.

"Habe ein sehr gutes Gefühl"

"Wir sind auf einem sehr guten Weg, haben hier in Augsburg viele Möglichkeiten und sehr gute Perspektiven. Ich habe ein sehr gutes Gefühl", sagte Trainer Jos Luhukay vor dem Pokal-Halbfinale am Dienstagabend bei Werder Bremen.

In Bremen waren die Augsburger bereits mit einem Plakat empfangen worden, das Jim Knopf und Lukas den Lokomotivführer zeigt. Ein Image, mit dem Manager Andreas Rettig jedoch sehr gut leben kann: "Das zeigt doch, dass wir mittlerweile in ganz Deutschland positiv wahrgenommen werden."

Rettig und Luhukay sind die "Lokomotivführer" der Augsburger. Beide verlängerten unlängst vorzeitig ihre Verträge bis 2012. "Sie genießen unser uneingeschränktes Vertrauen. Wir haben die Weichen für die nächsten Jahre gestellt", sagte FCA-Präsident Walther Seinsch zuletzt. Auch der Aufsichtsratvorsitzende Peter Bircks sprach von "eminent wichtigen Eckpfeilern des Erfolges".

Acht Punkte Vorsprung auf Rang 4

Euphorie und Zuversicht bei den Schwaben sind groß, erstmals in der 103-jährigen Vereinsgeschichte den Sprung ins Fußball-Establishment zu schaffen. Noch vor einigen Jahren hatte es danach überhaupt nicht ausgesehen. Im Jahr 2000 stieg der Traditionsklub in die Bayernliga ab. Damals konnte der FCA seine Stromrechnungen nicht mehr bezahlen. Der Profifußball war in weite Entfernung gerückt.

Erst mit dem Einstieg von Walter Seinsch, der seit 2000 als Präsident fungiert, gewann der Klub einen neuen Schaffner, der die "Lokomotive Augsburg" wieder in Fahrt brachte. Seinsch investierte in den Verein und führte ihn wieder auf das richtige Gleis.

Unter der Führung von Seinsch und Rettig gelang 2006 der Aufstieg in die 2. Liga. Trainer Luhukay, seit 2009 im Amt, sorgte dafür, dass sich der FCA dort etabliert und dieses Jahr sogar sehr gute Chancen auf den Aufstieg hat. Derzeit liegen die Schwaben auf dem zweiten Tabellenplatz und haben bereits acht Punkte Vorsprung auf den 4. Rang.

"Er ist der Vater des Erfolgs"

Dass dies zu großen Teilen Seinsch zu verdanken ist, weiß auch Geschäftsführer Rettig: "Er ist der Vater des Erfolgs. Ohne ihn gäbe es hier keinen Profifußball", sagte der 46-Jährige, nannte aber auch weitere Gründe für den Aufschwung: "Die Augsburger sind verlässlich, keine Sprücheklopfer, wirtschaftlich solide. Und sie haben ein paar pfiffige Ideen."

Zudem war ein gutes Händchen bei der Transferpolitik bislang äußerst hilfreich. Ausgemusterte Erstliga-Profis wie etwa Torwart Simon Jentzsch oder Stürmer Michael Thurk erleben beim FCA ihren zweiten Frühling. Der frühere Wolfsburger Jentzsch ist ein starker Rückhalt, der ehemalige Mainzer Thurk führt mit 21 Treffern souverän die Torschützenliste an. Auch Nando Rafael, Dominik Reinhardt, Ibrahima Traore oder Marcel Ndjeng wurden als Schnäppchen nach Augsburg geholt und entwickelten sich dort zu Leistungsträgern.

Luhukay ist "überrascht" von der Entwicklung seiner Mannschaft: "Die Zahnräder haben schneller ineinander gegriffen, als ich ursprünglich dachte." Der Zug mit dem "FC Lummerland" ist nur noch schwer zu stoppen.

Vorschau: Werder vs. FCA - Duell um den Pott und Europa