Augsburg - Zurzeit wird FCA-Coach Jos Luhukay samstags um 17:20 Uhr immer wieder ziemlich nachdenklich. Stuttgart, Bremen, Wolfsburg - alle diese Hochkaräter weigern sich Spieltag für Spieltag, endlich aus dem Tabellenkeller der Bundesliga herauszukommen.

"Die gehören da doch alle gar nicht hin", sagt er nach dem 2:1-Sieg gegen Aue im Augsburger Presseraum. "Und dann können wir in der Relegation auf die treffen." Der Niederländer schüttelte den Kopf und lachte. "Wir gegen Werder Bremen. Können Sie sich das vorstellen?"

Lob für Jentzsch

Seit Montagabend ist der FC Augsburg dem dringlichen Wunsch seines Coachs - "bitte am Ende der Saison nicht Platz 3" - ein Stück näher gekommen. 2:1 stand es nach dem Schlusspfiff nach Toren von Nando Rafael (65.) und Jan-Ingwer Callsen-Bracker (72.). Die Auer Führung hatte zuvor Mark Hensel (52.) beigesteuert. Mit einer Energieleistung und einem Simon Jentzsch, den seine Teamkollegen Axel Bellinghausen ("unglaublich, was der alte Mann draufhat") und Jan-Ingwer Callsen Bracker wortgleich zum "besten Torwart der Liga" adelten, hatten die Hausherren die Partie umgebogen.

Dem Gepriesenen, der im ersten Durchgang vier hochkarätige Chancen der Gäste zunichte gemacht hatte, war das Lob dabei fast ein wenig peinlich: "Fußball ist ein Mannschaftssport und außerdem ist bei solchen Paraden auch immer Glück dabei." Im nächsten Heimspiel - schon am kommenden Montag erwartet der FCA die Düsseldorfer Fortuna in der heimischen impuls arena - müsse man "ganz anders auftreten. Die Auer hätten uns ja schon im ersten Durchgang abschießen können. Kompliment an diese Mannschaft."

"Konzentration hochhalten"

Auch Siegtorschütze Callsen-Bracker, der erst im Januar aus Mönchengladbach geholt worden war, mahnte zur Besonnenheit: "Das waren wichtige drei Punkte, mit denen wir unsere Position festigen konnten. Wenn wir jetzt nicht nachlegen, nützt uns das aber auch nichts. Es gilt jetzt, die Konzentration hochzuhalten."

Der FCA liegt nun mit 47 Punkten auf Platz 2 hinter Hertha BSC Berlin (49 ), Bochum hat als Dritter 45 Punkte, Fürth und Aue folgen mit 43 Zählern, selbst der MSV Duisburg (40) und Energie Cottbus (39) machen sich noch Hoffnung auf den Aufstieg.

In Aue weigert man sich allerdings standhaft, in einem Atemzug mit den finanzkräftigen Clubs aus Berlin und Augsburg genannt zu werden. "Der FCA hat einen anderen Weg und ein anderes Ziel als wir. Für uns wird die kommende Zweitligasaison schon hart genug", sagte Aue-Trainer Rico Schmitt am Montagabend und lobte "die individuelle Qualität" der Schwaben.

Der Aufstieg ist das klare Ziel

Tatsächlich besitzt der FCA ja einige Spieler in seinen Reihen, die sich auch problemlos in eine Bundesliga-Mannschaft einpassen lassen würden. Und das nicht von ungefähr, schließlich macht in Augsburg keiner ein Hehl daraus, dass alles andere als der Aufstieg als Schlag ins Kontor empfunden würde. "Wir brauchen noch sechs, besser sieben Siege, dann sind wir durch", hat Geschäftsführer Andreas Rettig vor der Partie errechnet.

Seit Montagabend, 22:04 Uhr, ist es einer weniger, der Blick geht nach den zuletzt enttäuschenden Heimpartien gegen Bochum und Duisburg wieder nach oben. Gegen Platz 2 oder gar 1 hätte Trainer Jos Luhukay jedenfalls nichts einzuwenden. Gegen Werder Bremen, den VfL Wolfsburg oder den VfB Stuttgart will er schließlich unbedingt bald mal spielen. Nur eben in der Bundesliga. Und nicht in einem Relegationsspiel.

Aus Augsburg berichtet Christoph Ruf