Sisyphosarbeit - irgendwie drängt sich dieses Wort auf, wenn man an die SpVgg Greuther Fürth denkt. Der Club aus dem Frankenland scheint nämlich mit demselben Schicksal gestraft zu sein wie Sisyphos, die Figur aus der griechischen Mythologie.

Letzterer wurde der Sage nach von Zeus wegen Verrats bestraft und musste fortan einen Felsblock auf einen Berg rollen - eine unmögliche Aufgabe. Jedes Mal, wenn Sisyphos den Gipfel fast erreicht hatte, glitt ihm der Brocken aus der Hand und rollte an den Fuß des Berges hinab - und die Arbeit fing wieder von vorne an.

Sechs Mal knapp gescheitert

Viel Arbeit in eine Sache zu stecken und stets kurz vor dem Ziel zu scheitern, ist auch den Franken nicht fremd. Das "Kleeblatt" ist in seiner mittlerweile elfjährigen Zweitligageschichte nämlich so oft wie kein anderes Team nur hauchdünn am Aufstieg vorbeigeschrammt.

Sechs Mal belegte Fürth nach dem 34. Spieltag den 5. Platz - dabei fehlten nie mehr als sechs Punkte zur großen Überraschung. Am engsten war es in der Saison 2006/07. Am 32. Spieltag lagen die Franken auf Rang 4, punktgleich mit dem drittplatzierten MSV Duisburg. Doch dann setzte es in den letzten beiden Saisonspielen zwei Niederlagen und es blieb erneut nur Platz 5.

Die "Aufstiegsmacher"

Und auch in dieser Saison ist es bisher das alte Lied. Fürth ist oben mit dabei und liegt mit 29 Zählern auf Rang 4, nur zwei Punkte hinter dem Spitzenreiter 1. FSV Mainz 05. Die Aufstiegsränge sind zum Greifen nah, doch die Fürther erreichten sie noch nicht. Noch nicht, wohlgemerkt. Denn damit es in Franken endlich ein Happy-End gibt, haben die Verantwortlichen im Winter gehandelt und zwei "Aufstiegsexperten" an den Ronhof gelotst.

Alexander Voigt (30) und Christian Rahn (29) sind - zusammengenommen - bereits sieben Mal aus der 2. Bundesliga aufgestiegen. Voigt bejubelte den Aufstieg mit dem 1. FC Köln 2000, 2003 und 2005 sowie mit Borussia Mönchengladbach 2008. Rahn schaffte das Kunststück mit dem FC St. Pauli 2001, Köln 2005 und Hansa Rostock 2007. 2004/05 schafften Voigt und Rahn also sogar gemeinsam die Rückkehr in die Bundesliga.

Nun sollen sie dem "Kleeblatt"-Team mit ihrer Erfahrung aus insgesamt 196 Bundesliga- und 269 Zweitligaspielen beim langersehnten Sprung nach oben helfen.

"Erfahrung und Führungsqualitäten"

"Wir wollten erfahrene Spieler, die die 2. Bundesliga kennen. Alexander Voigt und Christian Rahn werden uns weiterbringen und mit ihrer Nervenstärke, Zweikampfhärte und ihren Führungsqualitäten unserer jungen Mannschaft helfen können, sich weiterzuentwickeln", begründet SpVgg-Präsident Helmut Hack die Verpflichtung der beiden Routiniers.

Eine Rolle, mit der sich auch die Neuzugänge anfreunden können. "Ich kann für die jungen Spieler ein ganz guter Ansprechpartner sein", erklärt Rahn, der dem "Unternehmen Aufstieg" durchaus positiv gegenübersteht. "Auch beim 1. FC Köln kam ich in der Winterpause und ein halbes Jahr später waren wir in der Bundesliga", erklärt der ehemalige, fünffache Nationalspieler.

Für Aufstieg gerüstet

Was dafür zu tun ist, weiß der zweite "Neue" bei den Fürthern. "Wir haben viele junge, gute Spieler, aber es fehlt die Erfahrung. Vielleicht können Christian und ich die letzten Prozente einbringen", sagt Alexander Voigt gegenüber bundesliga.de und fügt hinzu: "Ich weiß, wie man aufsteigt."

Es scheint so, als habe die SpVgg Greuther Fürth endlich das letzte Puzzleteil gefunden, das den Aufstieg des "Zweitliga-Sisyphos" auf den "Fußballgipfel" möglich macht.

Gregor Nentwig