Osnabrück - Die Relegationsspiele zwischen der 2. Bundesliga und der 3. Liga sind gelaufen und durch ein 1:1 und eine 1:3-Niederlage nach Verlängerung ist der VfL Osnabrück abgestiegen.

Im Interview mit bundesliga.de analysiert der ehemalige VfL-Stürmer Thomas Reichenberger die zweite Partie gegen Dynamo Dresden und erklärt, was letztendlich den Ausschlag für den Drittligisten gegeben hat.

bundesliga.de: Herr Reichenberger, der VfL Osnabrück hat am Dienstagabend die Relegation gegen Dynamo Dresden verloren. Wie geht es Ihnen einen Tag danach?

Thomas Reichenberger: Es ist natürlich bitter, abzusteigen. Wir hatten eine lange Saison hinter uns und haben bis zuletzt gehofft, dass wir es in der Relegation noch packen können, aber es sollte wohl nicht sein.

bundesliga.de: Was hat denn Ihrer Meinung nach den Ausschlag gegeben? Nach der 1:0-Pausenführung sah es doch eigentlich gut aus für den VfL.

Reichenberger: Grundsätzlich muss ich sagen, dass ich die Einstellung und das Auftreten der Mannschaft ganz toll fand. Eine solche Leistung in so wichtigen Spielen auf den Platz zu bringen, ist schwer. Das weiß ich ja noch aus eigener Erfahrung. Das haben die Jungs aber geschafft und daher ein Lob an sie und die Trainer. Letztlich hatte ich den Eindruck, dass der 1:1-Ausgleich den Jungs den Mut genommen hat. Vorher war sich die Mannschaft sicher, den Klassenerhalt zu schaffen, doch das Tor hat dann den Kopf wieder ins Spiel gebracht und die Jungs haben angefangen zu überlegen, was passiert, falls es doch nicht klappen sollte.

bundesliga.de: Im zweiten Durchgang ist die Mannschaft insgesamt verhaltener aufgetreten. Allerdings schon vor dem Ausgleich der Dresdener durch Cristian Fiel.

Reichenberger: Würde ich jetzt nicht unbedingt so sehen. Wir hatten aber auch schon in der ersten Halbzeit ein, zwei brenzlige Situationen zu überstehen, wo ein Mal Tobias Nickenig und ein zweites Mal Tino Berbig alles riskiert haben. Da hätte das Spiel schon kippen können. Trotzdem hatte ich den Eindruck, dass die Mannschaft wach war. Aber das 1:1 war für mich das entscheidende Ereignis.

bundesliga.de: Hat sich diese Ohnmacht dann bis in die Verlängerung durchgezogen?

Reichenberger: Ohnmacht will ich gar nicht sagen. Das wäre zu hart. Aber wenn man so viel gibt und die ganze Saison über immer kämpft, dann aber immer wieder durch einfache Tore bestraft wird, demoralisiert das. Dass Kopf und Körper durch solche Ereignisse, das 1:1 war ja auch abgefälscht, etwas schwächer werden, dafür habe ich vollstes Verständnis. Das ist einfach so.

bundesliga.de: Vergangene Woche sagte Michael Wiesinger im Gespräch, dass bei diesen Relegationsspielen immer ein leichter psychologischer Vorteil beim Drittligisten ist, weil der im Gegensatz zum Zweitligisten eigentlich nichts zu verlieren hat. Spielt das wirklich eine derart tragende Rolle?

Reichenberger: Das spielt auf jeden Fall eine tragende Rolle. Der Drittligist konnte in der Saison natürlich viel mehr Erfolgserlebnisse sammeln, während der Zweitligist quasi die gesamte Spielzeit über mit dem Rücken zur Wand stand. Das nimmt man dann auch mit in die Relegationsspiele. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass die Chancen in der Relegation 50:50 stehen. Allerdings denke ich schon, dass emotional leichte Vorteile beim Drittligisten liegen.

bundesliga.de: Jetzt hat der VfL es leider nicht geschafft und ist in die 3. Liga abgestiegen. Was bedeutet der Abstieg für den Verein?

Reichenberger: Richtig abschätzen kann man das in dieser Kürze nicht. Wir müssen alle wieder auf die Beine kommen und am besten schon gestern anfangen, neu zu planen. Wir wissen, wie sich ein Abstieg anfühlt und die Vorsitzenden wissen, was jetzt zu tun ist. Ich bin mir sicher, dass sie die richtigen Entscheidungen treffen werden, um den Verein über kurz oder lang wieder dahin zu führen, wo er hingehört: in die 2. Liga.

bundesliga.de: Welchen Einfluss wird das auf die Fans haben und die Zuschauerzahlen haben? Die osnatel ARENA war ja die gesamte Saison über gut besucht.

Reichenberger: Wir sind froh, so tolle Fans zu haben. Das ist eine Macht und eine unglaublich große Unterstützung in den Spielen. Aber wir müssen die Fans nach dieser Enttäuschung des Abstiegs auch wieder im Kopf erreichen und in der kommenden Saison dafür sorgen, dass sie wieder zahlreich ins Stadion kommen.

Das Gespräch führte Gregor Nentwig