Punktgleich mit Tabellenführer St. Pauli nimmt Union Berlin derzeit den 2. Platz in der Tabelle ein. Mit drei Siegen aus den ersten vier Spielen und noch ungeschlagen sorgt der Aufsteiger aus der Hauptstadt für viel frischen Wind in der 2. Bundesliga.

Im Interview mit bundesliga.de spricht Union-Kapitän Marco Gebhardt über den gelungenen Saisonstart der "Eisernen" und über die enge Bindung zu den Union-Fans, die sogar seinem Wohnzimmer einen neuen Anstrich verpassten.

Gleichzeitig warnt der erfahrene Profi davor, das Saisonziel Klassenerhalt zu revidieren und verrät das Rezept gegen den kommenden Gegner aus Paderborn (Sonntag, ab 13:15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio).

bundesliga.de: Herr Gebhardt, der Saisonstart mit drei Siegen und einem Remis hätte für Union Berlin kaum besser sein können. Haben Sie selbst damit gerechnet?

Marco Gebhardt: Nein, damit konnte keiner rechnen. Wir sind sicherlich überrascht über die zehn Punkte, die wir geholt haben. Allerdings sind wir nicht überrascht über das, was wir können und wie wir spielen. Denn das haben wir schon in der vergangenen Saison gezeigt und es jetzt mit rübergenommen.

bundesliga.de: Haben Sie nach diesem furiosen Auftakt schon überlegt, das Saisonziel zu revidieren?

Gebhardt: Klar, wir wollen jetzt Meister werden mit zehn Punkten Vorsprung (lacht). Nein, wir wissen, dass man als Aufsteiger nur ein Ziel haben kann - und das lautet Klassenerhalt. Dafür haben wir jetzt zehn Punkte, also ein Viertel von dem, was wir brauchen.

bundesliga.de: Trotz des hervorragenden Starts bleiben Sie also auf dem Teppich...

Gebhardt: Ja, dafür sorgt schon unser Trainer Uwe Neuhaus. Wir haben außerdem einen guten Charakter in der Mannschaft, die über zwei Jahre mit geringen Veränderungen gleich geblieben ist. Wir wissen, wie wir mit den zehn Punkten umzugehen haben.

bundesliga.de: Am Sonntag kommt Mitaufsteiger SC Paderborn an die Alte Försterei. Gehen Sie mit breiter Brust in das Spiel?

Gebhardt: Unser Coach weiß, wie er uns einstellen muss. Gegen Paderborn hatten wir schon in der vergangenen Saison zwei schwere Spiele. Natürlich auch die grandiose Partie, als wir 0:2 in Rückstand lagen und die Partie trotz Unterzahl noch zum 3:2-Sieg gedreht haben. Wir wissen, dass sie kompakt stehen. Aber wir wissen auch, was wir zu tun haben.

bundesliga.de: Mal angenommen, Union Berlin würde tatsächlich aufsteigen. Würden wir einen Marco Gebhardt mit seinen 37 Jahren dann in der Bundesliga sehen?

Gebhardt: Darüber mache ich mir, ehrlich gesagt, überhaupt keine Gedanken. Fragen Sie mich noch mal an Weihnachten oder im März danach. Prinzipiell würde ich mir das aber zutrauen. Ich habe keinerlei Verletzungen, eine super Vorbereitung gemacht und gute Werte. Und es macht immer noch jeden Tag Spaß, auf dem Platz zu stehen.

bundesliga.de: Union Berlin gilt im deutschen Profifußball als einmalig, vor allem, was die Fans betrifft. Sie haben schon einige Stationen durchlaufen. Was macht den Unterschied zu den "Eisernen" aus?

Gebhardt: Man ist wirklich eine große Familie hier, das habe ich bis jetzt noch nirgendwo erlebt. Wir haben unsere Fans in der Woche auf der Baustelle gesehen, und am Wochenende dann im Stadion, an der Raststätte oder im ICE. Bei uns ist es auch so, dass du nie Pfiffe hören wirst - selbst wenn wir mal in Rückstand liegen.

bundesliga.de: Ist also auch der Bezug zu den Fans außerhalb des Stadions intensiver?

Gebhardt: Das ist auf jeden Fall so. Ein Fan hat zum Beispiel bei mir zuhause gemalert und wenn wir mal eingeladen werden, dann sagt kaum jemand "Nein". Es macht Spaß und ist wirklich einmalig.

bundesliga.de: Die Fans haben beim Neubau des Stadions kräftig mit angepackt. Fast scheint es so, als wollten Sie sie mit guten Leistungen dafür belohnen.

Gebhardt: Das stimmt. Wir freuen uns, dass wir wieder zurück sind in unserem "Wohnzimmer". Die Fans haben so viel Tolles geleistet und wir wollen das mit jedem Spiel zurückzahlen. Wir sind auf einem guten Weg und freuen uns auf die unglaubliche Stimmung in jedem Heimspiel.

Das Gespräch führte Johannes Fischer