München - Die Rückkehr von Drittligameister Eintracht Braunschweig in die 2. Bundesliga beginnt mit einem echten "Klassiker". Schon am allerersten Spieltag der Bundesliga am 24. August 1963 trafen die beiden Traditionsvereine mit den Löwen in den Wappen aufeinander (1:1). Jetzt kreuzen der Meister von 1966 (München) und der von 1967 (Braunschweig) wieder die Klingen zum Saisonauftakt.

Außerdem empfängt am Sonntag der Karlsruher SC Pokalfinalist MSV Duisburg, während Aufsteiger Hansa Rostock gegen den SC Paderborn sein Comeback in der 2. Bundesliga gibt (alle Spiele ab 15:15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio).


Eintracht Braunschweig - 1860 München

Für die Münchner geht es schon in die achte Zweitligasaison in Folge, die mit dem jordanischen Investor Hassan Ismaik im Rücken möglichst mit dem Wiederaufstieg enden soll - Braunschweig hingegen will sich nach vier Jahren Abstinenz wieder im "Unterhaus" etablieren.

Beim Drittligameister können die Verantwortlichen den Saisonstart kaum erwarten. "Die Vorfreude auf die 2. Bundesliga ist bei uns allen riesig. Vor uns liegen 34 Herausforderungen, die wir mit Optimismus und Selbstbewusstsein angehen werden", sagte Trainer Torsten Lieberknecht. Den Münchnern zollt der Aufstiegscoach Respekt: "Sie haben in der Vorbereitung durch sehr gute Ergebnisse aufhorchen lassen. Insbesondere ihre Defensive wird schwer zu knacken sein. Sie lassen nicht viele Torchancen für den Gegner zu. Dazu kommt, dass sie über ein schnelles Umschaltspiel verfügen und mit Benjamin Lauth und Kevin Volland zwei gefährliche Angreifer aufbieten können", meinte Lieberknecht weiter. Bis auf Deniz Dogan (Aufbautraining nach Wadenbeinbruch) und Pascal Gos (Knieprobleme) sind bei den Gastgebern alle Akteure fit, auch die zuletzt angeschlagenen Benjamin Kessel und Oliver Petersch. "Beide haben diese Woche wieder voll mittrainiert und sind einsatzbereit", freute sich Lieberknecht.

Der TSV ist auf dem Papier der klare Favorit gegen den Aufsteiger, doch Trainer Reiner Maurer weiß, dass Braunschweig "keine Laufkundschaft" darstellt. "Zuhause können sie jeden schlagen", erklärte Maurer und zeigte auf, was ihm im Bezug auf die kommende Saison noch Sorgenfalten ins Gesicht treibt. Der 1860-Trainer spricht in Bezug auf den "relativ dünnen Kader" von einem "großen Risiko". "Insgesamt bin ich aber optimistischer als letztes Jahr, weil wir uns punktuell gut verstärkt haben", lässt Maurer dennoch auf eine erfolgreiche Runde hoffen. Bis auf Necat Aygün (Gesichtsfraktur) und Benjamin Schwarz (Fußverletzung) stehen ihm alle Akteure zur Verfügung. Auch die angeschlagenen Collin Benjamin, Stefan Aigner und Benjamin Lauth werden mit von der Partie sein.




Karlsruher SC - MSV Duisburg

Das Spiel ist so etwas wie ein Duell der "Wundertüten" in der 2. Bundesliga, denn beide Teams haben große personelle Umbrüche hinter sich. Beim KSC stehen 13 Neuzugänge 17 Abgängen gegenüber, das Team von MSV-Coach Milan Sasic hat durch 14 Neuverpflichtungen - darunter prominente Namen wie Florian Fromlowitz, Valeri Domovchiyski, Emil Jula, Flamur Kastrati oder Ex-KSC-Spieler Daniel Brosinski - und 13 Abgänge ebenfalls ein neues völlig Gesicht bekommen. Auf Seiten der Karlsruher ruht vor der Partie ein besonderes Augenmerk auf Klemen Lavric, der jahrelang für den MSV knipste.

KSC-Coach Rainer Scharinger sieht den großen Druck ganz klar beim Gegner. "Duisburgs Neuzugänge sind sportlich sicher eine Bereicherung, aber sie müssen sich auch ökonomisch auszahlen und deshalb sehe ich den MSV unter großem Druck, aufsteigen zu müssen", meinte der Übungsleiter der Badener. Die Favoritenrolle für das Spiel sieht Scharinger "natürlich" beim Pokalfinalisten. Als wahrscheinlich gilt, dass er die Elf aus dem Testspiel gegen Ceahlaul Piatra Neamt auch erneut auflaufen lassen wird. Keine Optionen für Sonntag sind Marcus Piossek (Schulter-OP), Andrei Cristea (Knie-OP) und Moses Lamidi (Muskelfaserriss).

MSV-Trainer Milan Sasic weist den Druck von seiner Mannschaft und schraubt die Ansprüche an sein Team schon im Vorfeld der Saison herunter. "Wenn wir uns einmal die Etats der Konkurrenz in der Liga anschauen, dann sehen auch alle, warum unser Ziel im oberen Drittel dabei zu sein, schon ein hohes ist", sagt der Coach. Für Sonntag erwartet der Kroate hochmotivierte Badener. "Der KSC will vor heimischem Publikum mit seiner neuen Mannschaft natürlich gleich Akzente setzen", warnte Sasic. Ein bitterer Ausfall auf Seiten des MSV ist Mittelfeldspieler Branimir Bajic (Rückenprobleme). Auch die Routiniers Ivica Grlic (Kniebeschwerden) und Srdjan Baljak (Reha) können sicher nicht mitwirken.




Hansa Rostock - SC Paderborn

Mit Hansa Rostock greift auch der dritte Aufsteiger in das Geschehen der 2. Bundesliga ein - Hansa empfängt zum Auftakt den SC Paderborn. Der SCP erreichte zum Saisonende einen ordentlichen 12. Platz, wird aber auch in diesem Jahr vor allem gegen den Abstieg spielen. Die Partie gegen die "Hansa-Kogge" könnte dabei gleich Richtung weisend sein.

In Rostock ruhen die Hoffnungen vor allem auf dem "Phantom der Ostsee", Marek Mintal. Der ehemalige Bundesliga-Torschützenkönig ist nach seinem Wechsel aus Nürnberg der unangefochtene Star der Mannschaft von Trainer Peter Vollmann. Von Mintal erwarte man aber "keine Wunderdinge. Klar sind wir von seinen Qualitäten überzeugt, aber wir wollen nicht zu viel Druck auf ihn aufbauen", so Vollmann im Interview mit bundesliga.de. Für das erste Saisonspiel in der 2. Bundesliga vor heimischen, erwartungsfrohen Publikum (20.000 Zuschauer werden erwartet) stellt sich der Coach auf eine enge Begegnung ein: "In den ersten Spielen gibt es erfahrungsgemäß keine Favoriten", erklärt der Übungsleiter. Nicht einsetzbar sind auf Seiten des FC Hansa lediglich Stephan Gusche (Muskelfaserriss) und Matthias Holst (Rippenbruch) - das Team wird voraussichtlich in Bestbesetzung auflaufen.

Für Paderborn wird das Duell an der Ostsee zum Debüt von Neu-Trainer Roger Schmidt, der den zum FC St. Pauli abgewanderten Andre Schubert beerbt hat. Die Paderborner müssen ohne Sören Brandy (Trainingsrückstand) und Sven Krause (Reha) antreten. Das Auswärtsspiel beim Aufsteiger bewertet der Paderborner Coach nicht zuletzt wegen der großen Kulisse als "absolute Herausforderung". Wir freuen uns auf die Aufgabe und wollen etwas Zählbares mit nach Hause bringen", erklärte Schmidt. Neuzugang Nick Proschwitz wird an der Ostsee von Beginn an stürmen. Auch auf der Torwartposition hat Schmidt sich festgelegt, Lukas Kruse wird zwischen den Pfosten stehen. Offen sind noch die rechte Seite und der zweite Stürmer - doch der Trainer lässt sich nicht in die Karten schauen. "Ich bin mir sicher, wie die Mannschaft auflaufen wird", erklärte Schmidt mit einem Augenzwinkern.




Christoph Gschoßmann