München - Der Saisonstart der 2. Bundesliga rückt immer näher, die Vorfreude steigt. Auch bei Peter Neururer. Der 56-Jährige, der in seiner Trainerlaufbahn unter anderem für die aktuellen Zweitligisten VfL Bochum, MSV Duisburg, Fortuna Düsseldurf und Alemannia Aachen tätig war, steht im bundesliga.de-Interview Rede und Antwort.

bundesliga.de: Am nächsten Freitag startet die 2. Bundesliga. Freuen Sie sich, dass der Ball wieder rollt?

Peter Neururer: Natürlich. Wer freut sich darauf nicht!? Die 2. Bundesliga ist eine tolle Liga und der Start jetzt ein wunderbarer Aufgalopp. Es wird mit Sicherheit eine spannende Spielzeit.

bundesliga.de: Wie heiß sind Spieler und Trainer so kurz vor dem Saisonstart auf den Ernstfall?

Neururer: Die sind natürlich topmotiviert - wie immer. Man nimmt Dinge aus der alten Saison mit, neue kommen hinzu. Die Aufsteiger starten mit viel Euphorie, aber auch zum Beispiel Ingolstadt hat in der Rückserie tolle Erfahrungen gesammelt. Einige Clubs müssen Wiedergutmachung betreiben. Alle brennen auf den Start!

bundesliga.de: Welche Mannschaft macht auf Sie nach den vielen Testspielen derzeit den besten Eindruck?

Neururer: Da kann man gar nichts zu sagen. Bei den Vorbereitungsspielen setzt jeder Trainer andere Akzente. Den einen interessieren die Ergebnisse, einen anderen nicht. Entscheidend ist, wie eine Mannschaft aus den Startlöchern kommt. Dazu zählt nicht nur der Liga-Start sondern auch das pflichtgemäße Überstehen der 1. Pokalrunde. Erst danach kann man erste Analysen anstellen. Kein Club hat aktuell drastische Verletzungsprobleme, die Voraussetzungen für eine gute Saison sind also durchweg gegeben.

bundesliga.de: Gehören die beiden Absteiger Frankfurt und St. Pauli für Sie zu den großen Favoriten im Aufstiegskampf?

Neururer: Ich sehe St. Pauli nicht als Mitfavoriten um den Aufstieg an. Die Mannschaft kann durchaus den Anschluss an die Spitze herstellen. Das wünsche ich mir zumindest, denn der Club ist aufgrund seiner Spielweise und der einmaligen Fankultur in jeder Liga ein Farbtupfer. Aber Favoriten sind sie deshalb für mich noch nicht. Eintracht Frankfurt hingegen schon. Bei dem Etat, einem ehemaligen Deutschen Meister als Trainer (Armin Veh, Anm. d. Red.) und der vielen Erfolge ist Eintracht Frankfurt allein vom Namen her der Topfavorit - ob nun selbst ernannt oder in den Augen der Konkurrenz.

bundesliga.de: Welche Vereine haben Sie sonst noch in Sachen Aufstiegskampf auf dem Zettel?

Neururer: Der VfL Bochum hat sich nochmal stabilisiert und wird zur Spitzengruppe gehören. Wie alle Jahre wieder auch Greuther Fürth. Warum soll der Mannschaft nicht mal irgendwann der Aufstieg gelingen? Fortuna Düsseldorf kann eine sehr gute Rolle spielen, wenn sie die Heimstärke beibehalten, auswärts ein bisschen mehr holen und vor allem einen besseren Start als im Vorjahr hinlegen (sechs Niederlagen in Folge, Anm. d. Red.). Den MSV Duisburg mit seinen inzwischen 14 Neuzugängen kann man nicht genau einordnen. Wenn die Mischung passt, gehören sie zum Kreis dazu. Und dann gibt's immer wieder ein Überraschungsteam, das sich vorne mit hineinschiebt.

bundesliga.de: Mit Braunschweig, Rostock und Dresden sind drei traditionsreiche Clubs zurück im Profifußball. Was trauen Sie den Aufsteigern zu?

Neururer: Eintracht Braunschweig traue ich eine ganze Menge zu. Marc Arnold (Sportlicher Leiter, Anm. d. Red.) leistet dort eine phantastische Arbeit, die Mannschaft wurde zielgerichtet verstärkt. Und das ohne große finanzielle Mittel. Die Euphorie ist riesig in Braunschweig. Mit Dresden, dem großen Traditionsverein im Osten, ist immer zu rechnen. Ob Dynamo gleich im ersten Jahr oben anklopfen kann, bleibt abzuwarten. Denn zunächst schreibt sich jeder Aufsteiger einzig und allein den Klassenerhalt auf die Fahne.

bundesliga.de: Wer könnte diese Überraschungsmannschaft sein?

Neururer: Ingolstadt hat eine sensationelle Serie gespielt, seitdem Benno Möhlmann dort übernommen hat. Auf die bin ich gespannt. Den Münchner "Löwen" traue ich mit der nötigen Ruhe im Verein sowie dem Publikum und der Tradition im Rücken eine positive Rolle zu.

bundesliga.de: Bei der Zusammensetzung des Kaders gibt es unterschiedliche Philosophien. Sie haben Duisburg mit dem radikalen Umbruch - 14 Zu- und 12 Abgänge - genannt. Bochum hingegen hat den Kader nur punktuell verändert. Welcher Weg verspricht mehr Erfolg?

Neururer: Der Bochumer Weg wäre der, den auch ich vorziehen würde. Aber die Voraussetzungen bei beiden Clubs sind auch unterschiedlich. Da kann man jetzt natürlich noch kein Urteil drüber abgeben. Duisburg hat in der Liga im vergangenen Jahr weit entfernt von seiner Zielsetzung gespielt, aber diese Situation mit dem Einzug ins Pokalfinale kompensiert. Beim VfL will ich nicht von einem Scheitern sprechen. Das Erreichen der Relegation war nach dem schlechten Start schon ein Erfolg. Aufgrund der Erfahrungen wurde das Team gezielt verstärkt. Daher ist der VfL Bochum - zusammen mit Eintracht Frankfurt - der Topfavorit.

bundesliga.de: Blicken wir noch einmal ans untere Ende der Tabelle. Welche Teams werden am härtesten um den Klassenerhalt kämpfen müssen?

Neururer: Die Aufsteiger befinden sich immer in großer Abstiegsgefahr. Außerdem dürfen Teams wie Karlsruhe, Paderborn oder Union Berlin, die im vergangenen Jahr schon unten drin standen, nur die Zielsetzung Klassenerhalt haben. Und auch in den Abstiegskampf rutscht meistens noch eine Überraschungsmannschaft.

Das Gespräch führte Tim Tonner